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50 Jahre Small Faces: Schrille Anzüge, scharfe Koteletten

Jaja, 1966. Der britische Zeitdeuter Jon Savage hat im letzten Winter ein Buch über dieses für die Popmusik so wichtige Jahr („The Year The Decade Exploded“) veröffentlicht. Es war nicht nur der Beginn des Album-Zeitalters; vorher gab es lediglich Singles-Ansammlungen im Longplay-Format. Auch die Psychedelia kroch aus der Ursuppe – mit verrückten (Klang-)Experimenten, Sounds, Drogen. „Pet Sounds“ von den Beach Boys und auch Dylans „Blonde On Blonde“ markierten tonnenschwere Veröffentlichungen.

Dagegen klangen „Whatcha Gonna Do About It“ oder ganz besonders „Sha-La-La-La-Lee“ von den Small Faces noch wie gut gelaunte Segelbötchen. Leichtgewichte, die sehr hübsch im Sixties-Sommerwind flatterten. Die beiden Hitsingles fanden sich auf dem am 11. Mai 1966 veröffentlichten Debütalbum der Poster-Boys aus East London. Leadgitarrist Steve Marriot wurde schnell zum Fackelträger für Mode, Musik und Britishness aller Art.

Ein „Face“ bedeutet ja keineswegs nur Gesicht. No, no – der Ausdruck bezieht sich in diesem Fall auf den Szenejargon der Modernists, wie sich die ursprünglichen Mods der Ur-Sixties nannten. Ein „Face“ also ist ein steiler Typ. Ein Macker, der sich auskennt, smart angezogen ist und stets einen akkurat frisierten French Cut trägt.

Vom „Lazy Sunday“ zum „Itchycoo Park“

Die musikalischen Wurzeln im Rhythm and Blues wiederum sind 1966 bei den Small Faces schon sehr Britpop, Volume One. Auch wenn Sam Cooke der Songschreiber des Songs „Shake“ ist und „You Need Loving“ wohl ein nur milde getarnter Rip Off des Originals „You Need Love“ von Muddy Waters ist, strebt die im wilden Karo-Muster gekleidete Crew – im Gegensatz zu den frühen Stones – nicht nach Authenzität. Die Small Faces waren ein wilde Pop-Rock-Truppe, die recht bald sphärisch und auch psychedelisch wurde. Vom „Lazy Sunday“ zum „Itchycoo Park“.

Beim Debüt 1966 sind sie freilich noch nicht ganz so weit. Die späteren Mitglieder der neu formierten Faces, Rod Stewart und Ron Wood, sind ebenso fern wie die wilden Hippie-Frisuren von Woodstock. Schließlich hielt die Originalbesetzung um Marriott und Bassist Ronnie Lane immerhin bis 1969. Heute wirkt der Look der Small Faces wie aus einem Filmset von Blödel-Agent Austin Powers. Ewige Helden für die BritPop-Bewegung, Volume Two, sind sie dennoch geworden. Oder sollte man sagen: gerade deshalb?



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