7 Gründe, warum Sie unbedingt (noch einmal) „Wild At Heart“ sehen sollten

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7 Gründe, warum Sie unbedingt (noch einmal) „Wild At Heart“ sehen sollten

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1. Kein Film von David Lynch ist so hemmungslos romantisch

Die Kinohistorie kennt unzählige Beispiele von heißblütigen Liebschaften, die scharf am Rande des Wahnsinns entlangschrammen – von „Im Reich der Sinne“ bis zu „Betty Blue“. Doch Lynch fährt ein dermaßen absurdes Kitschpanorama auf, dass es einen zuweilen schaudert. Da fliegen sprichwörtlich die Funken, da wird der Sex zur wilden Feuersbrunst – und schließlich gibt Sailor alias Nicolas Cage auch noch den schmalzigsten Elvis aller Zeiten.

2. Bizarre Gewaltszenarien

Kein Film von David Lynch hat derartig gewalttätige (und nicht selten unfreiwillig komische) Szenen zu bieten. Okay, „Blue Velvet“ ist ebenfalls recht explizit, „Eraserhead“ geht auf viele andere Arten und Weisen gewalttätig mit den Figuren und vor allem den Zuschauern um. Aber allein die Anfangssequenz in „Wild At Heart“, wenn Sailor mit bloßen Händen den Kopf eines Mannes zu Brei schlägt, ist an lustgetriebener Gewaltdarstellung kaum zu überbieten. Gewalt wird hier als performativer Akt ganz ähnlich wie in Zeichentrickfilmen inszeniert. Als „Wild At Heart“ bei den Filmfestspielen in Cannes 1990 die Goldene Palme erhielt, wurde die Auszeichnung mit wütenden Kommentaren vieler (offenbar angeekelter) Rezensenten begleitet. Der erschreckende Splatter-Tod von Bad Guy Bobby Peru war dann selbst den meisten Zensoren zu viel. Tarantino sah aufgeregt zu.

3. Bobby Peru

Dieses Lachen, diese Zähne: Wie ein wildgewordener Hund streunt der von Willem Dafoe verkörperte Fiesling Bobby Peru durchs Bild, nimmt sich, was er kriegen kann; zerstört, wonach ihm gerade ist. Noch heute bleibt diese abgründige Darstellung des anarchistischen und grundlosen Bösen erschreckend. Dazu kommt die wohl perfideste Vergewaltigungsszene der Filmgeschichte.

4.  Ein Roadmovie-Märchen

„Wild At Heart“ ist wie „Der Zauberer von Oz“ auf Acid: Ein unruhiges, pulsierendes Märchen; ein Musterbeispiel für den postmodernen amerikanischen Film, in dem lustvoll und vor allem eklektisch aus dem Fundus der Film-, Literatur, Musik- und Kunstgeschichte geplündert wird und die Performance wesentlich mehr zählt als Sinn und Inhalt. Der Roadtrip, dieses urwüchsige Genre des US-Kinos, wird in Geiselhaft genommen für ein Vexierspiel, das alle Sinne anzusprechen versucht und von vornherein klar macht, dass es nicht nur den Verstand seiner Figuren betäubt, sondern auch den der Zuschauer ausschalten will. Bilder von Kitsch, Gewalt und Sex führen, so unterschiedlich sie zunächst in ihrer emotionalen Wirkung erscheinen, in die gleiche Gehirnregion, das wollte Lynch beweisen. Und wenn sie allesamt in einem cineastischen Cocktail kombiniert werden, wird es erst recht unheimlich.

5. Der Soundtrack – „wild at heart and weird on top“

Soundtracks zu Lynch-Filmen sind immer auch Verkaufsschlager, nicht nur wegen der ätherischen Klänge von Angelo Badalamenti (wir warten geduldig auf die Vinyl-Neuauflage des „Twin Peaks“-Soundtracks, dem Meisterstück des Komponisten), sondern vor allem wegen des verführerischen Einsatzes von Popmusik. Der Regisseur verhalf Roy Orbison durch den Einsatz von „In Dreams“ in „Blue Velvet“ zu einer musikalischen Spätblüte, machte Rammstein mittels „Lost Highway“ in den USA bekannt und schenkte Chris Isaak mit „Wicked Game“, der in „Wild At Heart“ zu hören ist, in vielen Ländern einen Top-10-Hit. Nicht zu vergessen: Nicolas Cages großer Moment, wenn er „Love Me Tender“ (höchstselbst) ins Mikrofon schmettert. Was nicht viele wissen: Der begabte Universalkünstler Lynch steuerte einige Musik zum Film bei, von der aber nur wenig in der Schlussfassung zu hören ist.

6. Perdita Durango

„Wild At Heart“ ist – von „Twin Peaks“ einmal abgesehen – der einzige Film von David Lynch, der ein Sequel erhielt: „Perdita Durango“ (1997) von Álex De la Iglesia, mit Rosie Perez in der Hauptrolle der gemeingefährlichen Titel-„Heldin“, die in Lynchs Film von Isabella Rosselini gemimt wird. Der spanische Filmemacher, dessen Bildsprache sich irgendwo zwischen Guillermo Del Toro und Peter Jackson einordnen lässt, machte später mit „Mad Circus“ Furore. Die „Ballade von Liebe und Tod“ ist vielleicht noch bizarrer und gewalttätiger als „Wild At Heart“ – und hätte dem Cineasten Lynch sicher gefallen.

7. Auftritt der „Twin Peaks“-Darsteller

Lynch drehte nur wenige Monate, nachdem die erste Staffel von „Twin Peaks“ Premiere feierte (und das Publikum im Sturm eroberte; ein Umstand, der sich nach nur wenigen Folgen der zweiten Season ins Gegenteil verkehrte), seine Roadmovie-Groteske und lud sich einfach einige seiner Schauspieler aus der Serie ans Set: Sherilyn „Audrey Horne“ Fenn ist als Verkehrsunfallopfer und Sheryl „Laura Palmer“ Lee – wie passend – als gute Fee zu sehen. Dazu gibt es Gastauftritte von Grace Zabriskie, David Patrick Kelly und Lynch-Intimus Jack Nance zu sehen.

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