Thomas Gottschalk: „Größter Fehler – zu oft Klappe aufgerissen“
Thomas Gottschalk beendet am 6. Dezember seine TV-Karriere. Im Interview spricht er über Alter, Blackouts bei der Bambi-Verleihung und seine Zukunftspläne.
Neun Tage vor seinem endgültigen Abschied aus dem Fernsehen (6. Dezember) blickt Thomas Gottschalk in einem Plauder-Interview mit seinem Münchener Amigo-Magazin „Bunte“ auf eine Karriere zurück, die das deutsche Unterhaltungsfernsehen über Jahrzehnte geprägt hat.
Koketterie mit der Altersarmut
Der 75-Jährige spricht offen über Alter, Vergänglichkeit und die Frage, wie man das Rampenlicht mit Würde verlässt. Der King der großen Samstagabendshow zeigt sich dabei gewohnt schlagfertig, gleichwohl auch ungewohnt verletzlich.
Sehr kokett geht er allerdings mit den finanziellen Bedingungen seines Ruhestands um. Er bekomme „einen knappen Tausender“ an staatlicher Rente, schließlich sei er früher Redakteur beim Bayerischen Rundfunk gewesen. Was Gottschalk nicht erwähnt, sind mutmaßlich fette Einkünfte aus privat angelegten Geldquellen sowie Immobilienbesitz. Hier rechnet sich der Meister der bunten Brokatjacke unnötigerweise arm.
Blackouts und offene Klappen
Selbstironisch dagegen beschreibt er Momente des Scheiterns, etwa seinen viel diskutierten jüngsten Auftritt bei der Bambi-Verleihung 2025. Er hätte dort „einen Blackout“ gehabt und „einfach rumgelabert“. Fehler wie dieser gehören für ihn jedoch zu einem langen Berufsleben dazu, und mit entwaffnender Ehrlichkeit sagt er: Der größte Fehler seines Lebens sei gewesen, „zu oft die Klappe aufzureißen“.
Offen spricht Gottschalk auch über Gerüchte, die nach solchen Auftritten aufgekommen sind – bis hin zu Spekulationen über Demenz. Sollte er tatsächlich betroffen sein, würde er „definitiv offen damit umgehen“, betont er. Über das Älterwerden denkt er viel nach, ohne dabei ins Dunkle zu driften.
Leben in Gottes Hand
Dass die Kessler-Zwillinge sich im Alter von 89 Jahren für einen gemeinsamen Suizid entschieden, könne er nicht nachvollziehen: „Wer 89 ist, freut sich doch auf seinen 90. Geburtstag.“ Sein eigenes Leben sieht er „in der Hand Gottes“, und er vertraue darauf, den richtigen Zeitpunkt zu spüren, an dem es genug sei.
Abschied ohne Bitterkeit
Die Entscheidung, sich vom Fernsehen zurückzuziehen, beschreibt Gottschalk als logische Folge eines sich wandelnden Mediengeschäfts: Heute würde kein Sender mehr sagen „Thomas, mit dir machen wir etwas ganz Neues“. Er akzeptiere das – ohne Bitternis, sondern mit einem realistischen Blick auf eine Branche, die sich weiterdreht.
Auch seine Frau Karina spielte bei dieser Entscheidung eine Rolle. Man habe das gemeinsam beschlossen, und sie „findet den Thomas aus Kulmbach sowieso spannender als den Gottschalk aus dem Fernsehen“.
Nach seiner letzten Sendung am Nikolaustag möchte das Paar zunächst vor allem reisen. Ganz verstummen will Gottschalk allerdings nicht: Nur weil er aufhört, heißt das für ihn nicht, dass er „nie wieder einen Ton von sich“ geben werde.
So was gibt’s nicht wieder
Wie er in Erinnerung bleiben möchte, beschäftigt ihn dagegen kaum. Die Nachwelt werde ihn vielleicht so einordnen, wie er selbst die Beatles einordnet: „So was gibt’s nicht wieder.“
Damit endet bald ein wirkmächtiges Kapitel deutscher Fernsehunterhaltung. Gottschalks Abschied wirkt dabei nicht wie ein Vorhang, der fällt, sondern wie ein ruhiges Ausblenden: Er geht mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, was er geschaffen hat – und der neugierig darauf ist, was jenseits der Kameras noch auf ihn wartet.