Alan Vega

„Alan Vega“

Sacred Bones/Cargo (VÖ: 23.1.)

Das Solodebüt des Suicide-Sängers killt den Synthie.

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Als das Skandal-Duo Suicide um 1980 herum technisch k. o. ging, stand Alan Vega vor der Herausforderung, sich aus dem Schatten eines der radikalsten Projekte der New Yorker Underground-Geschichte zu lösen. Sein Solo-Move ist eine bewusste Absetzbewegung: Statt kalter, dröhnender Synthesizer setzt der 2016 verstorbene Drogen-Verehrer auf Gitarre, simple Grooves und eine demonstrative Hinwendung zum Fifties-Rock’n’Roll. Atmosphärisch zumindest.

Der Mann aus Brooklyn bleibt ein Musiker, dessen Gedenken man gar nicht genug feiern kann

Wo Suicide mit Billo-Equipment maximale Härte erzeugten, dominiert hier Reduktion: oft nur ein Akkord, stumpf schwingende Rhythmen, viel Hall. Vegas Gesang ist fragil und klagend. In Stücken wie „Lonely“, einer offenen Verbeugung vor Elvis Presleys „Heartbreak Hotel“, zelebriert Vega den leidenden Crooner. Die Rockabilly-Anleihen bleiben bewusst unscharf. Es sind eher Studioexperimente als ein Schmalzlocken-Revival à la Stray Cats. „Speedway“ mit seinen „Cocaine“- und „Gasoline“-Strophen erfüllt diesen Mythos noch am ehesten. In den Brüchen liegt die Stärke des Albums. Im Opener „Ice Drummer“ gelingt Vega ein schillerndes, zeitloses Pop-Stück, das zu seinen besten Solo-Tracks zählt. Melodie, Atmo und emotionale Offenheit verbinden sich zu einem Song weit über die Retro-Seligkeit hinaus.

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Zeitgleich mit dem Debütalbum veröffentlicht Sacred Bones Records auch eine Neuauflage von Vegas zweitem Soloalbum, „Collision Drive“ (★★★★) von 1981, das wieder eine andere Facette des Extremkünstlers zeigt. Vega solo ist kein geschlossenes Statement, sondern ein oft widersprüchlicher Neuanfang. Gerade deshalb bleibt der Mann aus Brooklyn ein Musiker, dessen Gedenken man gar nicht genug feiern kann, mit all seinen heftigen Ticks und Spleens.

Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 2/2026.