Bill Pritchard

„Haunted“

Tapete (VÖ: 27.2.)

Der großartige Songwriter findet zum Pop zurück.

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Der sympathische Brite lieferte uns eines der erstaunlichsten Comebacks des letzten Jahrzehnts. Er kann nun sogar auf eine astreine zweite Karriere zurückblicken, nachdem er zunächst als Jungspund mit Liebeshummeln im Arsch und dem Pop-Thron vor Augen durchstartete. Seine diversen danach auf Tapete veröffentlichten Alben wiesen ihn als leicht verschrobenen, aber altersweisen Songwriter aus. Nun spannt er tatsächlich den Bogen zwischen diesen beiden Lebensabschnitten: „Haunted“ darf man als das poppigste Album seit dem von Ian Broudie (Lightning Seeds) produzierten „Jolie“ (1991) bezeichnen.

Ein wunderbares Alterswerk über Alltagsquatsch, der hier zu spannenden Geschichten mutiert

Über vergangene Beziehungen augenzwinkert der gute Mann inzwischen nur noch, aber jeder Song ist wie ein zufälliges Lächeln an einer Ampel oder einer Supermarktkasse, das einen durch den ganzen Tag trägt. Eingespielt wurde dieses wunderbare Alterswerk über Alltagsquatsch, der hier zu spannenden Geschichten mutiert, in Newcastle-under-Lyme und Hamburg. In der Hansestadt haben ihn die üblichen Verdächtigen unterstützt: Zwanie Jonson an den Drums sowie Asterix Westphal bei der Percussion. Alldieweil die Orgel nicht von ungefähr wie bei der Liga der gewöhnlichen Gentlemen jauchzt. Die Bläser brillieren immer wieder und vermitteln Late-Night-Stimmung, die Gitarren klingeln wie anno dazumal.

Und der Melodien-TÜV bescheinigt Bill freie Fahrt bis ans Lebensende. „Sweet melody … After all we have some history …“ Bill Pritchard singt nicht wie der in diesem Zusammenhang viel zitierte Scott Walker, aber sein Wohlklangs-Nölen entfaltet sich mit- und hinreißend. Die Lemon Twigs? Wären ohne Bill nicht möglich gewesen. Am Ende, im Epilog „Oxygen“, verwandelt sich Blut in Wein. Damit ist alles gesagt.

Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 3/2026.