Springsteen vs. Trump: Der Kampf geht weiter

Wie die „Land Of Hope And Dreams“-Tour begann und warum sie weitergehen muss

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Auch 2026 zieht Bruce Springsteen mit seiner E Street Band in den Kampf gegen Donald Trump, den US-Präsidenten, den er einen „Möchtegern-König“ nennt.

„Wir leben in dunklen, verstörenden und gefährlichen Zeiten, aber verzweifelt nicht — die Kavallerie kommt!“, sagte Springsteen zur Ankündigung seiner US-Tournee, die Ende März beginnt. „Jeder, unabhängig davon, wo er steht oder woran er glaubt, ist willkommen. Also kommt heraus und schließt euch der United Free Republic of E Street Nation für einen amerikanischen Frühling von Rock’n’Rebellion an! Wir sehen uns dort!“

Die US-Tournee beginnt in Minneapolis und endet in Washington D.C.. Den Protestsong „Streets Of Minneapolis“ wird er sicher spielen, zur Unterstützung nimmt er noch Tom Morello mit. Ein Sprecher des Weißen Hauses nannte Springsteen prompt einen „Verlierer“, dessen Gehirn „zerfressen“ sei. Aber wer ist hier der Gewinner?

Der eine benimmt sich wie ein Präsident, der andere pöbelt

Wir erinnern uns: 2025 war Springsteen schon in Europa unterwegs. Ein kleiner Rückblick.

Der eine glaubt an sein „land of hope and dreams“, der andere schaut bloß auf seine eigenen Vorteile und vielleicht den seiner reichen Freunde (nur in der männlichen Form, denn Frauen spielen in diesen Kreisen eine untergeordnete Rolle). Der eine spricht mit einer staatsmännischen Stimme und versucht eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen zu bauen. Der andere setzt auf Rache und Egoismus, und die Umwelt ist ihm so egal wie das Wohl der Ärmeren.

Vor einigen Jahren hätte man angesichts dieser Sätze noch klar zuordnen können, wer hier der Rockstar ist und wer der Staatsmann (auch wenn die geäußerten hehren Ziele freilich selten umgesetzt wurden). Heute haben wir Bruce Springsteen, der sich wie ein vorbildlicher US-Präsident benimmt. Und Donald Trump, der wie ein ungezogener C-Promi herumpöbelt. Verkehrte Welt. Bei den Konzerten der E Street Band wurde das 2025 so deutlich wie nie. Die flammende Rede für die Demokratie, die Springsteen hielt, konnte selbst härteste Zyniker nicht kaltlassen. Manches lässt sich gar nicht schön genug ins Deutsche übersetzen: „The mighty E Street Band is here tonight to call upon the righteous power of art, of music, of rock’n’roll in dangerous times.“ Seit 50 Jahren schreibe er über das Amerika, das er liebt, „ein Leuchtfeuer der Hoffnung und Freiheit seit 250 Jahren“, das sich nun „in den Händen einer korrupten, inkompetenten und verräterischen Regierung“ befindet.

Springsteen glaubt weiter an die Menschlichkeit

Springsteen zählte alles Mögliche auf, was im Argen liegt – immer mit dem Zusatz „This is happening now“, um die Dringlichkeit klarzumachen. Jetzt ist die Zeit, sich zu wehren gegen den Autoritarismus! Die Meinungsfreiheit wird unterwandert, die Reichen lassen die Ärmsten der Welt einfach sterben, die hart arbeitenden Leute werden gequält, die Bürgerrechte ausgehebelt. Statt mit verbündeten Demokratien wird lieber mit Diktatoren gemeinsame Sache gemacht, Universitäten werden unter Druck gesetzt, Migranten unrechtmäßig abgeschoben. Und dann weitete Springsteen seine Kritik aus. Es ist nicht nur Trump: „Die Mehrheit unserer gewählten Vertreter hat es versäumt, das amerikanische Volk vor den Missbräuchen eines unfähigen Präsidenten und einer skrupellosen Regierung zu schützen. Sie haben weder Interesse noch eine Vorstellung davon, was es bedeutet, zutiefst amerikanisch zu sein.“

Trotz allem sei Amerika immer noch ein großartiges Land mit großartigen Menschen – und deshalb werden sie diese Zeit überstehen. Wie um zu beweisen, dass er anders als Trump Bücher liest, zitierte er schließlich James Baldwin: „In dieser Welt gibt es nicht so viel Menschlichkeit, wie man sich wünschen würde, aber es gibt genügend.“ Am Ende bat er das Publikum zu beten.

Und die Reaktion des Politikers? Er beleidigte Bruce auf seiner Plattform Truth Social: Er sei „dumb as a rock“ und eine „dried-out prune of a rocker“ mit „verschrumpelter“ Haut. Da musste man schon auch lachen – ausgerechnet der orangefarbene Clown (79) bezeichnet den superfitten Musiker (76) als eine vertrocknete Pflaume, die gefälligst den Mund halten soll. Und dann bedrohte Trump Springsteen sogar noch mit der Andeutung, er solle mal zurück ins Land kommen – „then we’ll all see how it goes for him!“

Zurzeit läuft es gut für Bruce Springsteen, er kann sich ja auch genügend Security leisten. Und er weiß, dass immer mehr Menschen hinter ihm stehen, die Anti-Trump-Demonstrationen häufen sich. Vielleicht hat das Land der Hoffnung und Träume doch noch eine Chance.

(Der Text erschien ursprünglich in ROLLING STONE 01/2026.)