Rush

„Grace Under Pressure“

Mercury (VÖ: 13.3.)

Das zerrissenste Album der Prog-Rocker als üppige Box.

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„Grace Under Pressure“ entstand am Scheideweg. Rush hatten die 80er-Jahre so erfolgreich eingeläutet wie kaum eine andere Prog-Band. Sie hatten dem Punk getrotzt, sich den New Wave angeeignet und waren mit „Moving Pictures“ zu einer veritablen Größe des Hochglanz-Rock geworden, ohne an Anspruch einzubüßen. Die verwachsenen Songgebilde waren zu immergrünen Arena-Riffs mutiert. 1984 dann, nach dem vor Keyboards triefenden „Signals“, lechzten sie nach mehr. Ihnen schwebte ein zeitgemäßer Sound vor, mit Synths, Ska und gradlinigeren Songs.

Die Neuauflage zeigt den Weg, den Rush hätten beschreiten können

Also wechselte das Trio den Produzenten, wandte sich von Terry Brown ab, mit dem sie zehn Jahre lang gearbeitet hatten, und ersetzte ihn durch Paul Henderson, der schon Supertramp zu einem stromlinienförmigen Sound verholfen hatte. Heraus kam schroffer Bombast, die Gitarren waren in gletscherkalter Kompaktheit erfroren. „Grace Under Pressure“ geriet zur Momentaufnahme auf halber Strecke zwischen Zeitgeist und Ambition.

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Die Neuauflage zeigt den Weg, den Rush hätten beschreiten können. Dafür holte man Terry Brown zurück, der das Material neu abmischte. Sein Remix entfacht das einst vom Frost erstickte Feuer: Plötzlich stampfen die Synkopen in „The Body Electric“, plötzlich weht eine warme Melancholie durch das dystopische „Red Sector A“. Hinzu kommt der audiovisuelle Mitschnitt eines Konzerts von damals, in dem Rush den Zwiespalt des Albums perfekt austarieren. Sie spielen selbstbewusst und sonnen sich im kalten Licht der Laserstrahlen. Den Scheideweg hatten sie da bereits sicheren Schrittes passiert.