James Broadnax hingerichtet – verurteilt unter anderem aufgrund von Rap-Lyrics

Broadnax wurde am 30. April hingerichtet, nachdem Gerichte alle Einsprüche zu seinen Lyrics, der Jury-Zusammensetzung und einem neuen Geständnis abwiesen.

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Trotz massiver Unterstützung durch Rapper, Wissenschaftler und Anwälte – und eines neuen Geständnisses seines Cousins in dem Doppelmordfall, in dem beide verurteilt wurden – wurde der 37-jährige James Broadnax am Donnerstagabend per Giftspritze im Texas State Penitentiary hingerichtet. Die Todesstrafe war ihm unter anderem aufgrund von Rap-Lyrics auferlegt worden, die er als Jugendlicher geschrieben hatte.

2008 fuhren Broadnax und sein Cousin Demarius Cummings, beide unter dem Einfluss von PCP-versetztem Gras, nach Garland, Texas, um ein Auto zu stehlen. Ihr Ziel: die Produzenten christlicher Musik Stephen Swan, 26, und Matthew Butler, 28, die in dem Tumult erschossen wurden. Die beiden Cousins stahlen Swans Crown Victoria und wurden 170 Meilen entfernt festgenommen. Broadnax gestand die Morde damals und gab – noch immer berauscht – zwei fluchbeladene Interviews an lokale Nachrichtensender, in denen er mit den Taten prahlte. Er wurde des Doppelmords für schuldig befunden. In der Strafzumessungsphase nutzten seine Anwälte dann Rap-Lyrics, die in Broadnax‘ Auto gefunden worden waren, um den Geschworenen zu suggerieren, er sei von Natur aus gewalttätig und würde bei erster Gelegenheit wieder töten. Broadnax wurde zum Tode verurteilt.

Im März meldete sich Cummings – der eine lebenslange Haftstrafe verbüßt – jedoch zu Wort und bekannte sich zu den Morden. Er erklärte, sein Cousin habe die Schuld auf sich genommen, weil er ein weniger umfangreiches Vorstrafenregister hatte. (Wie in der Verhandlung dargelegt, wurde nur Cummings‘ DNA an einer Tatwaffe und an einem der Opfer gefunden.) Broadnax‘ Rechtsteam argumentiert zudem, Broadnax sei zum Tatzeitpunkt – er war als Kind misshandelt worden – suizidal gewesen und habe es gleichgültig hingenommen, ob er lebte oder starb.

Rapper und Anwälte kämpfen für Broadnax

In den vergangenen Monaten startete Broadnax‘ Anwaltsteam eine groß angelegte Kampagne, um ihn vor der Hinrichtung zu bewahren. Neben dem Geständnis von Cummings, das dem Supreme Court vorgelegt wurde, reichten sie auch Schriftsätze ein, in denen sie die Richter aufforderten, die ethnische Zusammensetzung der überwiegend weißen Jury zu berücksichtigen, die Broadnax für schuldig befunden hatte, sowie den Einsatz von Rap-Lyrics bei der Strafzumessung. Eine Reihe von Rappern, darunter Killer Mike und Travis Scott, beteiligte sich an den Einreichungen zu den Lyrics und argumentierte, Kunst dürfe nicht als Beweismittel vor Gericht herangezogen werden.

Wie Killer Mike in einem kürzlich erschienenen Gastbeitrag für „Vibe“ schrieb: „Im ganzen Land greifen Polizei und Staatsanwaltschaft zunehmend auf Rap-Lyrics in jeder Phase des Strafverfolgungsprozesses zurück – um Ermittlungen einzuleiten, Verdächtige anzuklagen, Anklagen zu erwirken, Verurteilungen zu erzielen und harte Strafen zu fordern, bis hin zur Todesstrafe. Keine andere fiktionale Form – weder musikalisch noch anderweitig – wird im Strafjustizsystem so ins Visier genommen. Wenig überraschend sind die Angeklagten in diesen Fällen überwiegend junge schwarze und Latino-Männer.“

In dieser Woche wies der Supreme Court alle Einsprüche zurück und stellte fest, Broadnax habe sein Geständnis nie widerrufen; als Beweis seiner Schuld verwies das Gericht auf die anstößigen Interviews, die er zum Zeitpunkt der Morde gegeben hatte. Zudem erklärte das Gericht, Broadnax‘ Vorwürfe der Rassenvoreingenommenheit der Jury seien sowohl auf bundesstaatlicher als auch auf föderaler Ebene bereits mehrfach abgewiesen worden. „Indem Broadnax bis zur letzten Minute gewartet hat, um seine Ansprüche geltend zu machen, erfüllt er nicht die erforderlichen Voraussetzungen, um ein Eingreifen der Bundesgerichte zu rechtfertigen“, heißt es in der Entscheidung. „Wie nachstehend dargelegt, hätten Broadnax‘ Ansprüche seit dem Prozess oder bereits zuvor erhoben werden können. Darüber hinaus sind fast achtzehn Jahre vergangen, seit Broadnax seine Opfer tötete.“ Den Einspruch zu den Rap-Lyrics ließ das Gericht ebenfalls ungeprüft.

Brenna Ehrlich schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil