Trumps Iran-Narrativ zerbricht an der Realität
Die Regierung feiert den Krieg als Erfolg – doch was genau haben die USA damit gewonnen?
Der Krieg gegen Iran, behauptet Präsident Donald Trump, werde bald vorbei sein. Trotz eines jüngsten Zwischenfalls in der Straße von Hormus, den Trump als „Klaps“ abtat, erklären beide Seiten den Waffenstillstand für gültig – auch wenn die Verhandlungen auf dünnem Eis stehen. Der Krieg, der nun seit weit über zwei Monaten andauert, könnte enden, ohne dass das iranische Regime gestürzt wurde und während Teheran weiterhin die Straße von Hormus dominiert. Die Regierung nennt das einen Sieg.
„Ich glaube, wir haben gewonnen“, sagte der Präsident am Mittwoch. „Jetzt müssen wir bekommen, was wir bekommen müssen.“
Doch was die USA bekommen wollen, könnte schlicht unmöglich sein – und das bedeutet, dass dieser Konflikt mit etwas weniger als einem Sieg enden wird.
CIA widerspricht Trump
Die materiellen Realitäten der vergangenen zwei Kriegsmonate erzählen eine Geschichte, die dem Narrativ des Präsidenten und seiner Regierung diametral widerspricht. Am Donnerstag berichtete die „Washington Post“, interne CIA-Schätzungen zeigten, dass Irans Militärkapazitäten die wochenlangen amerikanischen Bombenangriffe weitgehend unbeschadet überstanden hätten: 75 Prozent der mobilen Raketenwerfer seien noch intakt, ebenso rund 70 Prozent der ballistischen Raketenbestände. Das steht in direktem Widerspruch zu Trumps Aussage vom Mittwoch, die iranischen Vorräte seien „größtenteils vernichtet“ und Iran habe „wahrscheinlich noch 18, 19 Prozent – aber nicht viel im Vergleich zu dem, was sie hatten“.
Trumps wichtigstes Druckmittel gegenüber Iran – abgesehen von vollmundigen Drohungen, das Land in eine andere Epoche zurückzubomben – war der Schaden, den er der iranischen Wirtschaft zugefügt haben will und noch zufügen werde. Doch auch das konterkariert der neue CIA-Bericht: Irans Wirtschaft sei robust genug, um die US-Blockade noch bis zu vier weitere Monate zu überstehen. Und selbst das Kronjuwel unter den iranischen Militärzielen – das Atomprogramm – scheint weitgehend unversehrt; jüngste Berichte deuten darauf hin, dass die aktuelle Kampagne kaum neue Schäden angerichtet hat.
Die tatsächliche Leistung der USA in diesem Krieg lässt sich freilich nicht so einfach beurteilen wie ein Spiel nach Punkten. Robert Farley, Senior Lecturer an der Patterson School of Diplomacy and International Commerce der University of Kentucky, sagt gegenüber ROLLING STONE, dass die US-Soldaten, die den Krieg tatsächlich geführt haben, auf taktischer Ebene wohl zufrieden mit dem sind, was sie erreicht haben. „Im US-Militär gibt es viel operativen und taktischen Stolz“, sagt Farley – die Soldaten würden sagen: „Das haben wir getan, mit sehr wenigen Verlusten, und wir haben viel Schaden angerichtet.“
Fragen ohne Antworten
Das bedeute aber nicht, dass das Militär das große Bild des Krieges aus dem Blick verloren habe.
„In der Marine und der Armee stellen sich die Leute viele Fragen: ‚Warum haben wir das getan? Was haben wir erreicht? Und was haben wir verändert, damit der Nahe Osten in sechs Monaten nicht genauso gefährlich ist?’“, sagt Farley. „Ich glaube nicht, dass es darauf eine wirklich gute Antwort gibt. Wie gut wir auch immer waren – wir haben kein einziges Problem gelöst.“
„Ich würde nicht sagen, dass wir verloren haben“, fügt Farley hinzu, „aber gewonnen haben wir sicher nicht.“
Das bestmögliche Szenario wäre im Moment wohl, dass die Verhältnisse in der Straße von Hormus im Wesentlichen so wiederhergestellt werden, wie sie vor dem US-israelischen Angriff auf Iran waren. Die laufenden Verhandlungen scheinen auf ein Abkommen hinauszulaufen, das Iran zur Wiedereröffnung der Meerenge verpflichtet und die schwierigeren Fragen rund um das Atomprogramm auf später verschiebt. Marco Rubio erklärte am Dienstag, die Operation Epic Fury sei „vorbei“ und die USA wollten, dass die Straße wieder geöffnet werde, damit die Welt zur „Normalität zurückkehren“ könne.
Israels andere Agenda
Diese Zukunft hat allerdings zwei eklatante Probleme. Erstens wird die Trump-Regierung unter keinen Umständen eingestehen, dass sie den Kürzeren gezogen hat. Doch das zweite Problem ist noch gefährlicher: Der dritte Akteur in diesem Krieg, sagt Farley, verfolgt andere Ziele als die USA. Während Trumps Kriegsziele stets vage blieben, agierten die Israelis weitaus aggressiver. Sie wollen nicht nur die Meerenge wieder offen – sie wollen das, was Trump nicht liefern konnte: eine echte Zerschlagung von Irans ballistischen Raketenkapazitäten, ein Ende der iranischen Unterstützung für Milizen weltweit und sogar einen vollständigen Regimewechsel. „Ich würde mich nicht wundern, wenn sie bei künftigen Verhandlungen eine Art Störer-Rolle spielen“, sagt Farley.
Und das ist nichts Neues. Israel hat über Jahre hinweg gezielt nicht nur hochrangige iranische Funktionäre ins Visier genommen, sondern insbesondere jene, die für Verhandlungen mit den USA und anderen Ländern zuständig waren – und damit diplomatische Einigungen offen sabotiert. Selbst wenn die Trump-Regierung einen Deal mit Iran zustande bringen sollte, garantiert das nicht, dass israelische Streitkräfte diesen dauerhaft respektieren werden: Der erste Waffenstillstand im April hielt Israel nicht davon ab, eine verheerende Angriffswelle gegen den Libanon zu starten.
All das wird die Trump-Regierung natürlich nicht einräumen. Wenn es irgendwann zu einem belastbareren, formalisierten Waffenstillstand kommt, wird Trump den totalen Sieg ausrufen. Ein dauerhafter Friede aber dürfte schwer zu finden sein. „Krieg soll dazu dienen, einen besseren Frieden zu erreichen“, sagte Farley und zitierte damit den Militärtheoretiker B. H. Liddell Hart. „Aber ich weiß nicht, ob wir für irgendjemanden, der beteiligt ist, einen besseren Frieden haben.“
Die Aussicht: mehr Krieg
Die Zukunft sieht damit aus wie noch mehr Krieg.