Trump über den Irankrieg: „Ich denke nicht an die finanzielle Lage der Amerikaner“

Der Präsident widerspricht sich selbst – zwischen dem Krieg gegen Iran und einer handfesten Lebenshaltungskostenkrise im eigenen Land.

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Pete Hegseth und einige seiner ranghöchsten Pentagon-Offiziere traten am Dienstag vor dem Kongress an, um Fragen zu den 1,5 Billionen Dollar Steuergeldern zu beantworten, die sie für den Haushalt des nächsten Jahres beanspruchen – eine schwindelerregende Summe, die gegenüber dem diesjährigen Niveau einer Steigerung von 42 Prozent entspräche. Der Antrag kommt zu einem Zeitpunkt, da die Vereinigten Staaten in einem tief unpopulären Konflikt mit Iran feststecken, der die Spritpreise in die Höhe getrieben und die Inflation auf ein Drei-Jahres-Hoch katapultiert hat. Jay Hurst, der Finanzchef des Militärs, erklärte den Abgeordneten, die Regierung habe bereits fast 30 Milliarden Dollar für den Krieg ausgegeben – dessen Ziele nach über zwei Monaten des Chaos nach wie vor unklar sind.

Die Amerikaner machen Donald Trump für die selbst verschuldete Lebenshaltungskostenkrise verantwortlich: Eine am Dienstag veröffentlichte CNN-Umfrage zeigt, dass 70 Prozent der Befragten seine Wirtschaftspolitik ablehnen. Der Präsident scheint weder zu verstehen noch sich darum zu kümmern, welchen wirtschaftlichen Schock die Bevölkerung gerade erlebt – er beharrt immer wieder darauf, dass alles in Ordnung sei, unterbrochen von weitschweifigen Monologen über den prunkvollen Ballsaal, den er auf dem Gelände des Weißen Hauses errichten lässt.

Bevor Trump am Dienstag nach China aufbrach, wurde er gefragt, inwieweit die Finanzkrise ihn antreibe, einen Deal mit Iran zu suchen. „Nicht einmal im Ansatz“, sagte der Präsident. „Das Einzige, was zählt, wenn ich über Iran spreche, ist, dass sie keine Atomwaffe bekommen dürfen.“

Trumps Gleichgültigkeit gegenüber den Bürgern

„Ich denke nicht an die finanzielle Lage der Amerikaner“, fügte er hinzu.

Trump hat stets darauf bestanden, der Krieg sei notwendig gewesen, um Iran am Erwerb einer Atomwaffe zu hindern. Iran hat in den acht Jahren seit Trumps Ausstieg aus dem Joint Comprehensive Plan of Action – dem sogenannten Iranatomabkommen – elf Tonnen angereicherten Urans angehäuft. Doch es gibt keinerlei Belege dafür, dass das Land kurz davor stand, eine Atomwaffe zu erlangen, wie Trump behauptet. Ungeachtet dessen deuten Berichte darauf hin, dass Irans Atomprogramm durch die gemeinsame Offensive der USA und Israels vergleichsweise wenig beeinträchtigt wurde.

Ganz anders sieht es bei den Sprit- und Lebenshaltungskosten in den USA aus – wobei Trump und seine Regierung offenbar wenig Einwände gegen steigende Preise bei seinen Prestigeprojekten in Washington haben. Der Präsident echauffierte sich am Dienstagmorgen über Berichte zu den explodierenden Kosten für die Renovierung des Reflecting Pool am Lincoln Memorial und reagierte Stunden später gereizt, als ein Reporter darauf hinwies, dass sich der Preis für den Ballsaal verdoppelt habe. „Ich habe ihn doppelt so groß gemacht, Sie Dummkopf“, sagte er über den Ballsaal. „Sie sind wirklich kein kluger Mensch.“

Trump fuhr auch einen Reporter an, der fragte, ob seine Politik angesichts der hohen Inflation überhaupt funktioniere. „Meine Politik funktioniert unglaublich gut“, sagte er und ergänzte, vor dem Krieg sei alles in Ordnung gewesen. „Wir hatten eine Wahl. Diesen Irren eine Atomwaffe überlassen – wer das will, ist ein Idiot. Und Sie sind einer, das weiß ich sehr genau. Wer will, dass die eine Atomwaffe kriegen, ist schlicht ein Idiot.“

Ryan Bort schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil