Kylie Minogue im Talk zur Netflix-Doku: „Niemand ist gegen Kritik immun“
Kylie Minogue öffnet für ihre Netflix-Doku erstmals die Archive. Im Interview spricht sie über Ruhm, Kritik & was passiert, wenn die Kameras aus sind.
Vier Jahrzehnte Pop, mehr als 80 Millionen verkaufte Platten, ein ganzes Leben im Fokus der Boulevardpresse – und bis heute keine einzige offizielle Doku. Das ändert sich am 20. Mai. Mit der dreiteiligen Serie „Kylie“ öffnet die Australierin auf Netflix ihre Archive: mit Home-Movie-Aufnahmen, privaten Fotografien und Interviews, in denen auch ihre Schwester Dannii Minogue, Jason Donovan, Nick Cave und Hitmaker Pete Waterman zu Wort kommen.
Grund genug, Kylie Minogue zum virtuellen Interview zu treffen und mit der 57-Jährigen über den Mut, endlich „Ja“ zu sagen, die Kosten des Ruhms und darüber zu sprechen, was passiert, wenn die Kameras aus sind.
Hier geht es zum Video-Interview mit Kylie Minogue:
ROLLING STONE: Jahrelang war eine Kylie-Minogue-Doku undenkbar. Warum passt es gerade jetzt?
Kylie Minogue: Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem es sich – mit dem richtigen Team und zum richtigen Zeitpunkt – endlich gut angefühlt hat. Es ist etwas, das ich über viele Jahre vermieden und immer wieder mit „Nein“ beantwortet habe. Aber manchmal ist es auch schön, „Ja“ zu sagen.
Gab es große Überraschungen?
Eine ganze Menge, ehrlich gesagt. Wenn das eigene Leben plötzlich zu einer Erzählung über mehrere Stunden hinweg wird, sieht man es zwangsläufig aus einer fremden Perspektive. Es gibt Dinge, die nicht mehr präsent waren – oder die man nie wusste. Zum Beispiel einige Sätze der Mitwirkenden, bei denen ich dachte: „Oh, das war mir gar nicht klar.“ Das war schon sehr bewegend.
Ein Satz aus der Doku ist besonders hängengeblieben: „Man muss immun gegen Kritik werden.“ Stimmt das wirklich?
Das stammt von meiner Schwester. Sie meinte, man müsse so sein – als ob das überhaupt möglich wäre. Ich glaube, keine von uns beiden denkt das wirklich. Es geht eher darum, wie man mit Kritik umgeht. Ich lebe nicht in einer Fantasiewelt, in der das, was man tut, keine Kritik hervorrufen sollte. Kritik ist gesund, ehrlich, Teil der Realität. Aber wir sprechen über eine frühere Zeit, in der alles sensationsgetrieben und alles andere als freundlich war. Dannii kennt das aus ihrer eigenen Karriere. Wenn man 19 ist und niemand einem hilft, damit umzugehen, ist das hart – und genau darum geht es. Niemand ist gegen Kritik immun.
Du hast so ziemlich jede brutale Seite der Popkultur miterlebt: Boulevardpresse, ständigen Neuerfindungsdruck, Social Media, Ageism. Was hat dich der Ruhm emotional gekostet – etwas, das Außenstehende bis heute unterschätzen?
Das ist noch einmal ein ganz anderes Gespräch. Das geht sehr tief. Wenn die Kameras aus sind, du nach Hause gehst und allein mit dir selbst bist – mit deinen Gedanken, deinen Ambitionen, deiner Reue –, dann ist das etwas, das sich schwer mit allen teilen lässt. Das Thema ist riesig. Deshalb ist ein gewisses Maß an Abgrenzung wahrscheinlich gut. Damit man privat Zeit hat, zu verarbeiten, was passiert ist oder gerade passiert, und darüber nachzudenken, wohin es geht. Wir alle haben zig Gedanken gleichzeitig, mein Kopf läuft da manchmal echt auf Hochtouren.
Reizt Veränderung oder Kontinuität mehr?
Beides gehört untrennbar zusammen. Man kann sich nicht verändern oder etwas Neues machen ohne all das, was vorher war. Wenn von Imagewechseln und Neuerfindung die Rede ist – ich sehe das eher als eine Art Gestaltwandlung durch die Popkultur und durch mein eigenes Leben. Für mich ergibt das Sinn. Nicht unbedingt für alle anderen.
Woraus speist sich dein Selbstvertrauen heute?
Aus vielen Dingen. Ich würde gerne von mir behaupten, dass ich gut vorbereitet bin – aber darin bin ich tatsächlich nicht besonders gut. Ich mache meistens Schritt eins und zwei und überspringe gefühlt den Rest. Schritt drei bis neun passieren still in meinem Kopf, und dann landen wir direkt bei zehn. Viel Arbeit geschieht still in meinem Inneren – oder auch nicht so still. Selbstvertrauen hängt davon ab, wie ich mich fühle. Und vom Team um mich herum. Ich könnte morgens aufwachen und mich bereit fühlen, dass etwas gut läuft – und dann gibt es tausend Faktoren, die das wieder kippen können. Während all dies geschieht, hat man oft gar keine Zeit, über Dinge richtig nachzudenken. Früher auf Tour dachte ich immer, die zwei Stunden auf der Bühne seien der nervenaufreibendste Teil des Tages. In gewisser Weise stimmt das auch, in anderer überhaupt nicht. Denn all die Gedanken, das „Was wäre wenn?“, das „Warum habe ich nicht …?“, das „Wie werde ich …?“ – dafür ist dort kein Platz. Man existiert einfach aktiv im Moment. Von Moment zu Moment zu Moment.
Und wer nun reinschauen möchte und sich selbst ein Bild von Karriere und Leben machen möchte: Die dreiteilige Dokuserie „Kylie“ über Kylie Minogue ist ab 20. Mai 2026 auf Netflix verfügbar.