Spezial-Abo

Freiwillige Filmkontrolle


RS-History

„Where The Wild Roses Grow“: Kylie Minogues Wiedergeburt als Wasserleiche


von

Es war ja immer ein bisschen unheimlich, welche hochmögenden Apologeten die puppenhafte Kylie Minogue in ihren Bann zog. Nach der Emanzipation von der Dreifaltigkeit Stock-Aitken-Waterman wurde sie zur Allegorie kecker Unschuld verklärt.

Auf ihre leere Kunstfigur ließ sich alles projizieren: die Kindfrau als ikonographische Heilige, der Glamour und Liebreiz der Lolita als Fetisch. Mal huschte sie in transparentem weißem Kleidchen über den Strand, dann schmuste sie schwül mit plüschigen Schoßhündchen. Musik fabrizierte Kylie weiterhin, die Teenager aber hatte sie verloren. Da wächst nichts nach.

Dass Nick Cave, ein australischer Landsmann, bei seiner Ballade „Where The Wild Roses Grow“ an Kylie dachte, ist immerhin eine kühne und herrlich unseriöse Pygmalion-Variation. Von Jason Donovan über Michael Hutchence zu Cave: So wird Kylie Minogue unter anschwellendem Hohngelächter zur Diseuse, so verliert sie sich endgültig.

Kylie Minogue ist bei diesem elegischen Duett die beste Fehlbesetzung, die sich denken lässt

Es geht mal wieder um einen Mord. Einen Lustmord, sollte man meinen, und das inszenieren die beiden Poseure im Wechselspiel ganz vortrefflich. So manieriert wie Cave ist Kylie schon lange, und der Gönner hat auch keine Mühe mit der Eloge auf sein Mündel: „Es ist für sie ein gefährlicher Song. Sie ist mit diesem Projekt ein großes Risiko eingegangen, und das bewundere ich.“

Und ist das Stück herzzerreißend? Ja, ist es. Bald erscheint ein Cave-Album mit lauter Mörder-Balladen. Für Kylie Minogue kann es bloß als Selbstmord enden.

Ein Artikel aus dem RS-Archiv

Weitere Highlights


Diese Songs sollen auf Nick Caves Beerdigung gespielt werden

Auf Nick Caves Website theredhandfiles.com können Fans ihrem Idol fragen stellen und mit etwas Glück wird die Frage von Cave persönlich beantwortet. So stellte kürzlich ein junger Mann aus Schottland folgenden Beitrag ein: „Mein Vater ist vor ein paar Wochen verstorben und wir haben eine Beerdigung im Elvis-Stil abgehalten. Nein, wir haben uns nicht in weiße Overalls gekleidet, aber sein Sarg war mit Elvis-Bildern und -Text versehen, und es wurden Elvis-Songs für ihn gespielt. Ich weiß nicht, ob Sie das schon mal jemand in den Red Hand Files gefragt hat. Aber welche Songs würden Sie gerne auf Ihrer eigenen Beerdigung…
Weiterlesen
Zur Startseite

3 Monate ROLLING STONE nach Hause

Grafik Abo 3 Ausgaben für 9,95 €