„Cruising“: Wie Al Pacinos Skandal-Thriller Hollywood verstörte und lächerlich machte
Al Pacinos umstrittener Thriller „Cruising“ machte Hollywood nervös – und wurde selbst zum grotesken Skandal.
Der unfreiwillig lustigste Moment in William Friedkins 1980 als „Skandalfilm“ hochgejazztem Thriller über einen Cop (Al Pacino), der in der New Yorker Queer-Szene einen Mörder ermitteln soll, ist eine Verhörszene. Ein schwarzer Polizist mit dem Körper eines Footballers betritt, nur mit Lendenschurz und Cowboyhut bekleidet, den Raum und fegt den eingeweihten Pacino mit einer Ohrfeige vom Stuhl – allein, um einen ebenso anwesenden Verdächtigen einzuschüchtern.
Ein „Friedkin Movie“ oder ein „Freaking Movie“?
Der Cowboy: ein schwul inszenierter, gewalttätiger Bär, allerdings so, wie steife amerikanische Beamte ihn sich ausmalen und einen der ihren kostümieren.
Noch vor der Premiere liefen Lesben- und Schwulenverbände Sturm, Pacino distanzierte sich später vom „Exploitation-Streifen“. Friedkin verlor, nach dem Flop mit „Sorcerer“ (1976) bereits angezählt, endgültig seine Position als A-Regisseur – das „Friedkin Movie“ wurde als „Freaking Movie“ verhöhnt.
Die Verbindung von sexueller Identität und triebgesteuerter Kriminalität ist in Hollywood so alt wie problematisch und ging lange zulasten marginalisierter Gruppen: Hitchcocks „Rope“ (1948) mit seinem schwulen Mörderpärchen, „Basic Instinct“ (1992) mit dem Bild der eispickelschwingenden Lesbe, De Palmas „Dressed to Kill“ (1980) mit seinem genderverwirrten Psychiater oder „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) mit seinem psychopathischen Transexuellen.
„Cruising“ ist exploitativ und voyeuristisch gegenüber der S&M-Kultur, die viele vermutlich neugieriger machte, als sie zugeben würden. Doch es sind eher die Ermittler, die ein schlechtes Bild abgeben: überfordert, voller Vorurteile.
Dass Homosexualität „ansteckend“ sei, wie der Schluss suggeriert, ist ohnehin gefährlicher Quatsch. Was dagegen hängen blieb: Für die verrenkte Körperhaltung auf dem „Lodger“-Album ließ sich David Bowie angeblich von einer „Cruising“-Leiche inspirieren (Plaion Pictures).