Pantera als Metallica-Support: Der Rassismus-Vorwurf gegen Phil Anselmo

Pantera spielt Vorband bei Metallica in Frankfurt. Doch Phil Anselmo fiel 2016 mit Hitlergruß und „White Power“-Ruf auf. Was das für das Konzert bedeutet.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Für einen Metal-Fan ist „Enter Sandman“ live zu hören in etwa wie die Reise nach Mekka für einen Moslem: einmal im Leben sollte man es erlebt haben. Doch Metallica hat die Welt nicht allein durch ihre Songs bereichert. Mit ihrer Stiftung „All Within My Hands Foundation“ engagieren sie sich für gemeinnützige Zwecke und positionieren sich öffentlich gegen Rassismus. So richtete Sänger James Hetfield im Zuge der Charlottesville-Proteste 2017 die Worte „Alle sind willkommen“ und „Wir interessieren uns nicht für Unterschiede“ an sein Konzertpublikum. Ob Phil Anselmo das genauso sieht, darf bezweifelt werden – denn der Frontmann von Pantera hält es offenbar nicht so sehr mit Gleichberechtigung.

Aber was genau ist an Pantera so problematisch?

Eine einflussreiche Band mit dunklem Schatten

Am 24. Mai werden die Fans von Metallica Pantera im Deutsche Bank Park begrüßen. Eine der einflussreichsten Metal-Bands der 90er-Jahre, die rund 40 Millionen Tonträger verkauft hat. Man könnte meinen, wie schön es sei, dass Metallica ihren Fans eine so bekannte Band als Warm-Up liefert. Aber es gibt einen kleinen Haken.

Der Vorfall beim Dimebash 2016

Über Humor lässt sich streiten – ob Mario Barth witzig ist, zum Beispiel. Doch auch wenn Deutschland keine Humor-Hochburg sein mag, sollte ein Hitlergruß aus historischer Perspektive international keinen Anklang als Witz finden. Kombiniert man diesen Hitlergruß zudem mit einem „White Power“-Schlachtruf, erscheinen einem die weißen Kutten direkt vor dem geistigen Auge. Genau diese Kombination fand Phil Anselmo eben so witzig. Der Vorfall ereignete sich 2016 beim „Dimebash“-Festival – einem Tribute-Event für den 2004 erschossenen Pantera-Gitarristen Dimebag Darrell – und führte im Nachgang zu gecancelten Auftritten in ganz Deutschland, unter anderem bei Rock am Ring und Rock im Park 2023. Anselmo beteuerte zunächst, es sei sein Humor – und ruderte dann zurück auf einen Insider, der auf „White Wine“ zurückzuführen sei. Naja.

Was „White Power“ bedeutet

Wer beim Begriff „White Power“ unsicher ist, was er bedeutet, bekommt hier eine kurze Einordnung: Der Begriff gehört zu den zentralsten und meistgebrauchten Schlüsselbegriffen der rechtsextremen Szene und soll die Überlegenheit der „arischen Rasse“ zum Ausdruck bringen – ideologisch eine direkte Fortsetzung der nationalsozialistischen Rassenideologie. Der Hitlergruß selbst wurde 1926 innerhalb der NSDAP zur verbindlichen Grußform erklärt, nachdem Hitler ihn von Mussolinis faschistischem „Saluto romano“ übernommen hatte. Nun darf Anselmo passend zum 100. Jahrestag dieser Einführung in Frankfurt auftreten.

Metallicas Schweigen

Metallica schweigt dazu. Keine Pressemitteilung, kein Statement, kein einziges Wort. Dieselbe Band, deren Bassist Robert Trujillo 2016 auf eben jener Dimebash-Bühne stand, als Anselmo den Arm hob – und die ihn nun auf die größte Bühne Frankfurts stellt.