Google-Mitarbeiter nutzte Insiderdaten für Online-Wetten: d4vd werde „meistgesuchte Person“ 2025 – Bundesbehörden ermitteln

Ein Google-Ingenieur soll mit vertraulichen Suchdaten rund 1,2 Millionen Dollar auf der Wettplattform Polymarket kassiert haben.

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Ein Google-Ingenieur soll frühzeitig Einblick in interne Daten erhalten haben, aus denen hervorging, dass der Sänger D4vd überraschend als meistgesuchte Person des Jahres 2025 bei Google abschneiden würde – und er soll diese streng vertraulichen Informationen genutzt haben, um auf der Plattform Polymarket Kasse zu machen. Das behaupten US-Bundesbehörden.

Michele Spagnuolo habe nicht nur darauf gewettet, dass D4vd den Titel holen werde, sondern auch darauf, dass andere prominente Persönlichkeiten – darunter Kendrick Lamar, Donald Trump, Papst Leo XIV. und Bianca Censori – ihn nicht für sich beanspruchen würden. Das geht aus einer Bundesklage hervor, die am Mittwoch im Southern District of New York entsiegelt und ROLLING STONE zugespielt wurde.

Den Behörden zufolge soll Spagnuolo am Ende mehr als 1,2 Millionen Dollar mit rund zwei Dutzend Trades eingestrichen haben, die er zwischen dem 15. Oktober und dem 4. Dezember vergangenen Jahres platzierte – mit „nahezu perfekter Trefferquote“, begünstigt durch seinen mutmaßlichen Zugang zu den nicht öffentlichen Zahlen. Spagnuolo, der in der Schweiz lebt und auf Polymarket unter dem Namen „AlphaRaccoon“ handelte, wurde am Mittwoch wegen Rohstoffbetrugs, Überweisungsbetrugs und Geldwäsche angeklagt. Gleichzeitig reichte die Commodity Futures Trading Commission, die US-Bundesbehörde zur Regulierung von Terminmärkten, Zivilklage gegen ihn ein.

D4vd statt Kendrick Lamar

Laut der Anklageschrift rief Spagnuolo am 27. November Googles vertrauliche „Year in Search 2025“-Daten ab und erfuhr dabei, dass D4vd Kendrick Lamar als meistgesuchte Person des Jahres abgelöst hatte. Rund drei Stunden später setzte er 381,12 Dollar darauf, dass D4vd unter den Top Fünf landen würde, sowie weitere fünf Dollar auf Platz eins – so die Staatsanwaltschaft. Zu diesem Zeitpunkt habe „der Markt D4vd eine nahezu null Prozent Wahrscheinlichkeit eingeräumt, die meistgesuchte Person des Jahres auf Google zu sein“, heißt es in der Anklageschrift.

Über mehrere Wetten hinweg setzte Spagnuolo 937.688 Dollar darauf, dass Censori den Spitzenplatz nicht belegen würde, und 613.587 Dollar gegen Papst Leo XIV. Insgesamt riskierte sein AlphaRaccoon-Konto rund 2.754.092 Dollar auf etwa 25 separate Ergebnisse der Google-„Year in Search 2025“-Auswertung, die der Markt allesamt als unwahrscheinlich eingestuft hatte, so die Ankläger.

Bevor Google seine endgültigen Rankings Anfang Dezember öffentlich bekannt gab, galt Papst Leo XIV. als heißester Favorit auf den Titel der meistgesuchten Person des Jahres 2025 – mit einer Wahrscheinlichkeit von 51,5 Prozent, gefolgt von Präsident Trump mit 9,5 Prozent, wie das Krypto-Medium „Decrypt“ damals berichtete. D4vd, bürgerlicher Name David Burke, war zwar wegen eines Aufsehen erregenden Vorfalls in den Schlagzeilen: Im September waren die stark verwesten Überreste der 14-jährigen Celeste Rivas Hernandez im Kofferraum seines abgeschleppten Tesla gefunden worden – dennoch galt er als extremer Außenseiter, dessen Chancen auf den Spitzenplatz Ende November Berichten zufolge auf 0,2 Prozent gesunken waren. (Burke wurde inzwischen wegen Mordes angeklagt.)

Giergetriebenes Verhalten

US-Staatsanwalt Jay Clayton erklärte am Mittwoch, Spagnuolo habe „die Pflichten gegenüber seinem Arbeitgeber verletzt und Googles vertrauliche Geschäftsdaten missbraucht“ – und werde für sein „von Gier getriebenes Verhalten“ zur Rechenschaft gezogen.

„Michele Spagnuolo soll seinen privilegierten Zugang zu vertraulichen Trenddaten missbraucht haben, um mit nicht öffentlichen Informationen Wetten zu platzieren und dabei mehr als eine Million Dollar an unrechtmäßigen Gewinnen einzustreichen“, ergänzte FBI-Vizedirektor James C. Barnacle Jr. in einer Erklärung. „Das FBI ist entschlossen, Betrüger aufzuspüren, die ihren Arbeitgeber für persönliche finanzielle Vorteile verraten.“

Spagnuolo, 36, war am Donnerstag laut Gefängnisregister im Metropolitan Detention Center in Brooklyn in Haft. Versuche, ihn per E-Mail zu erreichen, blieben erfolglos.