Top oder Flop? So reagieren Fans auf den neuen U2-Song
Waren es die 9 Jahre Wartezeit wert? „Street Of Dreams“ sorgt auf jeden Fall für Diskussionen unter U2-Anhängern.
Vor wenigen Monaten haben U2 völlig überraschend zwei EPs („Days Of Ash“ und „Easter Lily“) rausgehauen. Die Aufnahmen der letzten Zeit brachten offenbar so viel Material, dass die Band sie lieber in kompakter Form auf den Markt brachte, als sie im Archiv verstauben zu lassen.
Mehrfach betonten Bono und The Edge in Interviews, dass das kommende Album der Band auf jeden Fall anders klingen werde als spirituelle Songs wie „In A Life“. Nach Veröffentlichung von „Street Of Dreams“, der ersten Single der noch unbetitelten neuen LP, ist nun klar, was das bedeutet.
Das hymnische Stück, das vor Lebensfreunde fast schon platzt, wurde einmal mehr von Jacknife Lee produziert. Das Video zu „Street Of Dreams“ entstand, als die Band in Mexiko-Stadt war, um die Street Child World Cup Finals im Parque Ecológico Lago de Texcoco zu besuchen.
Zwischen Gänsehaut und purer Enttäuschung
Aber was sagen die Fans zur ersten Album-Single seit neun Jahren? Die Reaktionen sind durchaus gemischt, es überwiegt aber eine positive Sicht. Viele loben die Arbeit von Produzent Jacknife Lee. Mit guten Kopfhörern sei der Mix deutlich befreiter und klarer als auf den letzten Alben. Besonders die präsente Bassline von Adam Clayton und die Rückkehr von Drummer Larry Mullen Jr. nach seiner verletzungsbedingten Pause sorgen für Jubel.
Der spanischsprachige Chorus („La calle, calle de los sueños“) und das Intro scheinen besonders zu gefallen. Manche sprechen von „Gänsehaut“ und erinnern sich an „Where the Streets Have No Name“ und einige Tracks auf „All That You Can’t Leave Behind“. Nicht wenige glauben, dass der Sound an die starke, erhebende Phase Ende der 80er-Jahre erinnert.
Doch nicht alles gefällt. Vor allem die Lyrics empfinden viele Anhänger der Band als überraschend weichgespült. Zuweilen ist die Rede von „Glückskeksweisheiten“. Phrasen wie „Be free / Be yourself“ erinnern zudem an Selbstoptimierungsbibeln. Ein Nutzer auf Reddit kommentierte entsprechend: „Ich habe Angst, dass U2-Songs zu weisen Botschaften an die Jugend verkommen.“
Deftige Kritik gibt es auch an Bonos Gesang. Während die Band vor allem für das Gitarrenspiel von The Edge gelobt wird, bekommt die Performance des Frontmanns in Foren ihr Fett weg. Seine Spoken-Word-Strophen werden zum Beispiel als monotoner „Stimmungs-Killer“ bezeichnet.
Nach den mal düsteren, mal hellen Protestsongs der beiden EPs erwarteten viele den von den Iren versprochenen kantigeren, wilderen Rock. Doch davon ist (noch) nicht allzu viel zu hören. „Bitte sag mir, dass ‚Street of Dreams‘ eine B-Seite ist“, schreibt ein User, ebenfalls auf Reddit. „Was sowohl den Text als auch den Mix angeht, ist dieser Song eher enttäuschend.“
Insgesamt glauben die meisten Zuhörer, dass es jetzt einfach Zeit ist für eine neue Platte von U2. Auf Instagram schrieb ein User: „Angesichts des beschissenen Zustands und des Hasses in der Welt tut diese ansteckende Positivität einfach unheimlich gut. Her mit dem Album!“.
„Street Of Dreams“ soll in Stadien einschlagen wie eine Bombe
Die zuweilen als lieblos und generisch beschriebene Produktion erscheint einigen als Hinweis darauf, dass „Street Of Dreams“ bereits als Stadion-Nummer konzipiert wurde. Sobald die erwartete (aber noch lange nicht angekündigte) Tour startet, werde der Track live „einschlagen wie eine Bombe“, heißt es etwa auf X.
Dass der Song manchmal klinge, als wären mehrere Demos zusammengeklebt worden, müssen sich die Musiker wohl als Vorwurf genauso gefallen lassen wie den Verdacht, dass KI mitgeholfen haben könnte, ein klassisches U2-Feeling zu erzeugen. Auch wenn die Mehrzahl anerkennt, dass es ein für die Sommerzeit gut geeignete Single ist, glauben nicht wenige, dass Stücke wie „Resurrection Song“ und „The Tears of Things“ (von den EPs) wesentlich stärker waren als die erste Single des kommenden Albums.
Meiden U2 kreative Risiken?
Einige Fans befürchten, dass es sich U2 einmal mehr in ihrer Komfortzone einrichten werden und sich erneut selbst kopieren könnten. Ein User auf Instagram fragt dann auch, woher die panische Angst der Iren seit 30 Jahren und dem experimentellen „Pop“ herrühre, kreative Risiken einzugehen.
Wenig gemeckert wird allerdings beim Musikvideo mit U2 auf dem Schulbus (die Animation dazu wird im Netz bereits als Meme herumgereicht, manche empfinden es als perfekte Vorlage für ein Tattoo). Die Geschichte dahinter wird in den sozialen Netzwerken gefeiert: Als bei einem Unwetter während des Drehs der Generator ausfiel, lud eine Familie die Band spontan auf ihren Balkon ein, wo sie kurzerhand weiterspielte und mit den Fans im Regen sang. Dass junge Menschen, die U2 eigentlich nur aus Erzählungen ihrer Eltern kennen können, dabei aber in Ekstase geraten und kurz vor der Ohnmacht stehen, sorgt bei manchen für Heiterkeit.