Musik in Öl

JOHN LENNON LIEGT erschöpft zwischen Kaffeetassen und Gerümpel. Die Augen hat er halb geschlossen, vor seinem zur Seite gedrehten Gesicht ein Mikrofon, ebenfalls auf dem Boden liegend. Es ist 1969, und die Beatles nehmen in den Abbey Road Studios das gleichnamige Album auf. Solche hochkonzentrierte, oft magische, schöpferische Momente interessieren die amerikanische Künstlerin Elizabeth Peyton. Musiker, aber auch bildende Künstler wie Frida Kahlo oder die Schriftstellerin Susan Sontag porträtiert sie in kräftigen Ölfarben oder weichen Bleistiftstrichen und -schattierungen. Oder sie widmet sich Tenören und Diven: Ihre Bilder mit Szenen aus Wagners Opern, insbesondere des Ring-Zyklus, schmückten bereits das Treppenhaus und die Lobby der New Yorker Metropolitan Opera. Wagners mythisches Personal findet sich auch auf Bildern und Fotos wieder, die bis zum 23. Juni in der staatlichen Kunsthalle Baden-Baden zu sehen sind. Unter dem Titel „Elizabeth Peyton -Here She Comes Now“ konzentriert sich die Werkschau nämlich auf Momente der Performance. Opernszenen stehen jenen Augenblicken gegenüber, die Popmusiker künstlich in Szene setzen und gleichzeitig so echt wie nie zeigen. Unter den porträtierten Rockstars befindet sich -in diesem Zusammenhang wenig überraschend – David Bowie in verschiedenen seiner Bühnenrollen und damit Schaffensphasen. Aber auch Abbildungen von Kurt Cobain, Jarvis Cocker oder Pete Doherty sind ausgestellt. Elizabeth Peyton macht dabei keinen Unterschied zwischen den Medien; Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen stehen neben selbst aufgenommenen Konzertfotos oder vom Bildschirm abfotografierten Screenshots. Einst Vorlagen für ihre Malerei, in der Ausstellung nun gleichwertiges Kunstwerk. Pop hat seine eigene Art der Mythenbildung – und Elizabeth Peyton leistet ihren Beitrag.

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