Adeles „Easy On Me“: Mit langen Fingernägeln in die Freiheit


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Die Songauswahl erfolgte strategisch klug. Mit der verhaltenen Piano-Ballade „Easy On Me“ beginnt der Aufgalopp zum neuen Adele-Album „30“. Ihr Liebeskrisen-Abschüttel-Lied rollt heran – und will dabei nicht über den Midtempo-Bereich hinaus. Eher leise, intensive Töne. Die britische Blue-Eyed-Soul-Heroine fährt die Systeme mit Bedacht wieder hoch. Somit bleiben die Überwältigungs-Nummern mit Orchester und großem Sound-Besteck für den 19. November reserviert, wenn ihr viertes Album erscheint.

Ihr offizielles Video, das in den ersten neun Stunden auf den offiziellen Kanälen (YouTube/Vevo) rund 30 Millionen mal angeschaut worden ist, startet in einem leeren Landhaus mit „Zu Verkaufen“-Schild, um später in eine Auf-Zu-Neuen-Ufern-Sequenz in Technicolor zu münden. Zwischendurch braust Adele mit aufgepappten, schwarzen French Nails am Lenkrad durch die Countryside.

Die Online-Ausgabe des „Time“ Magazine versucht sich dazu in Deutungslehre: „Während sie fährt, fliegen Notenblätter aus ihrem Auto in den Wind, metaphorisch wird die Vergangenheit abgeworfen. Möglicherweise ältere Versionen ihres Selbst als Künstlerin, die mit ihnen davon düst.“

Mark Savage von der „BBC“ flankiert: „Video-Regisseur Xavier Dolan wählt diesen Moment, um von Schwarzweiß zu Vollfarbe zu wechseln – und macht damit deutlich, dass dies der Klang einer Frau ist, die ihre alte Welt geschrottet hat. Nun erkennt sie, dass sie sich nicht schuldig fühlen muss, weil sich nun selbst die Nächste ist. „Easy On Me“ geht somit am Tag der Veröffentlichung als große Wolldecke in die Pop-Historie ein, welche „die Einsamkeit und den Schmerz eines jeden umhüllt, der eine Trennung durchgemacht hat“.