„Alle Tage Ist Kein Sonntag“: Till Lindemann und David Garrett im Teufelskreis der Sterblichkeit


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Der Evergreen „Alle Tage ist kein Sonntag“ aus den 1920er-Jahren erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Doch erst Till Lindemann entkleidet zusammen mit David Garrett den in Kitsch vermummten Schlager und entblößt sein blankes Gerüst. Das Stück, mit dem Marlene Dietrich und Fritz Wunderlich bereits die Vor- und Nachkriegswelt zu Tränen rührten, tanzt in Lindemanns Fassung nun lange nicht mehr auf sentimental-leichtem Fuß, sondern wuchtet mit ganzem Gewicht.

Eine Puppenkiste dient hierbei als Schaubühne des musikalischen Mysterientheaters und lässt den gigantisch anmutenden Rammstein-Frontmann beim Strippenziehen der Garrett-Marionette in nahezu göttlicher Erhabenheit erstrahlen. Doch dies ist nicht von Dauer.

Monochromatische Grau-samkeit

Nachdem Till Lindemann der Garrett-Gelenkpuppe die Spritze aus dem Schädel rupft, schießt sich der vernarbte Puppenspieler den Stoff im teufelsrot getunkten Hinterzimmer direkt selbst in die Armbeuge. Im schummrigen Schauderspiel verblenden Mensch und Marionette zum wankenden Rausch. Die Narkotika sind auch dringend nötig um zu verkraften, was sich in der folgenden Szene entfaltet. Hinter dem schweren Vorhang versinkt das Theater in monochromatischer „Grau“-samkeit. Während Lindemann mit taktvollem Feingefühl den Bogen der Garrett-Marionette schweift, tanzt im Publikum niemand nach seiner Geige. Stattdessen baumeln ihre Glieder von der Decke und schmücken den Saal in makabrer Totenstille.

„Und wenn ich einst tot bin, sollst du denken an mich, auch am Abend eh du einschläfst, aber weinen sollst du nicht.“