Alles, was wir über Drakes neues Album „Iceman“ wissen

Trotz endlosem Rap-Beef und Klagen will Drake mit seinem neuen Album „Iceman“ neu ansetzen.

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Man mag ihn oder nicht – Drake denkt nicht daran, kürzerzutreten. Nach seiner vernichtenden Niederlage im großen Rap-Bürgerkrieg von 2024 hat er methodisch die Scherben aufgelesen, seine Fanbase revitalisiert und versucht, so viel Goodwill wie möglich aufzubauen. Zum Glück war Drake schon lange vor Kendricks verheerendem Diss-Track „Not Like Us“ – der inzwischen Gegenstand einer hängigen, wohl kaum zielführenden Klage ist – der größte Star der Welt, allenfalls noch von Taylor Swift übertroffen (The Boy sagt das auf „Red Button“ aus „For All The Dogs: Scary Hours Edition“ selbst).

Es war also nicht schwer für Drizzy, im vergangenen Jahr wieder Boden gutzumachen. Da war zunächst sein weitgehend positiv aufgenommenes Kollaborationsprojekt mit PartyNextDoor, „$ome $exy $ongs 4 U“, das den veritablen Hit „Nokia“ enthielt – ein Track, der sich in den vergangenen Monaten als erstaunlich langlebig erwiesen hat. Dann folgte Drakes Australien- und Europa-Tour, darunter die Übernahme des Wireless Festivals in Großbritannien, bei der er Gäste wie Lauryn Hill, Fakemink und Rema auf die Bühne holte.

Im Juli startete Drake den Rollout seines kommenden Soloalbums „Iceman“ mit einem Livestream-Clip, in dem er – nun ja – Eis macht. Die erste Folge seiner Iceman-Livestreams brachte uns die Single „What Did I Miss?“, in der er den Rap-Beef des vergangenen Jahres am direktesten anspricht. Außerdem bekamen wir einen Clip zu sehen, in dem Drake durch die Stadt fährt und Snippets neuer Musik hört, darunter ein Song, den Fans im Netz auf den Namen „Super Max“ tippen. Ein paar Wochen später legte Drake mit einer zweiten Episode der Serie nach – diesmal mit Central Cee an seiner Seite – und führte ein merkwürdiges Pinocchio-Motiv ein, das wohl auf die Vorwürfe aus „Not Like Us“ anspielt. Dazu gab es den neuen Song „Which One“, der deutlich karibischer klingt.

Drakes „Iceman“-Rollout war bislang die Art von kryptischer Schnitzeljagd, die wie gemacht ist für eine Generation mit flüchtiger Aufmerksamkeitsspanne – was je nach Perspektive entweder ein cleverer Schachzug ist oder weiterer Beweis dafür, dass Drake den Draht zur Kultur verloren hat. Wie dem auch sei: Hier ist alles, was wir derzeit über Drakes kommendes Album „Iceman“ wissen.

Creator-Kultur als fester Bestandteil

Diese Woche veröffentlichte Drake das Musikvideo zur „$ome $exy $ongs 4 U“-Single „Somebody Loves Me“ – bestehend aus 19 einzelnen Videos, die von verschiedenen Creatorn im Rahmen eines Wettbewerbs gedreht wurden, den Drake und Kai Cenat gemeinsam ins Leben gerufen hatten. Das kam eine Woche, nachdem Drake ankündigte, erster Gast in der neu aufgelegten Serie „Not This Again“ der Podcasterin Bobbi Althoff zu sein.

Drakes Affinität zur neuen Generation von Content-Creatorn ist seit Längerem unübersehbar: von den Streamer-Referenzen auf „For All The Dogs“ bis zum Anruf bei Kai Cenat, als der auf das Album reagierte. Als Miteigentümer der kryptobasierten Glücksspielplattform Stake, die auch die Streaming-Plattform Kick besitzt, ist Drake außerdem regelmäßiger Gast auf den Kanälen populärer Streamer. Letztes Jahr tauchte er in Xqcs Stream auf und bezeichnete Steve Lacy bekanntlich als „Fragile Opp“ für dessen Auftritt bei The Pop Out.

In einem Kick-Stream mit Adin Ross Anfang dieses Jahres wurde sogar enthüllt, dass der populäre Streamer das neue Album bereits in voller Länge gehört hatte. „Ich hab das komplette Iceman-Album schon gehört. Ich hab alles gehört, er hat mir das ganze Album vorab geschickt… Großartiges Album“, sagte Ross in seinem Chat. Drake antwortete darauf: „Jetzt werden die Leute sagen, dass du nicht begeistert bist, wenn du so darüber redest.“

Es gibt noch Gesprächsbedarf

Wenn „What Did I Miss“ ein Indikator ist, hat Drake einiges von der Seele zu reden. Nachdem er das, was er treffend als 20 gegen 1 beschrieb – viele seiner früheren Kollaborationspartner schienen sich gegen ihn zu verbünden –, hat Drake eine Rolle angenommen, die einem Heel im Wrestling ähnelt: Er spielt die öffentliche Charakterisierung von sich selbst voll mit. „I don’t give a fuck if you love me / I don’t give a fuck if you like me“, rappt er.

Man kann ihn förmlich auf eine Wrestling-Bühne stürmen sehen, während das Publikum buht und er die Verachtung genießt wie The Undertaker. Als der Song auf Platz 2 der Hot 100 debütierte – knapp hinter Alex Warrens scheinbar nicht aufzuhaltendem „Ordinary“ –, wandte sich Drake an sein bevorzugtes Medium der letzten Zeit, Instagram, und behauptete, dass Kräfte der Industrie gegen ihn arbeiteten. Da seine Klage gegen UMG ihren Weg durch die Instanzen nimmt, spricht er offenbar immer offener darüber, was er als ein manipuliertes Musikbusiness wahrnimmt.

Weltweit noch immer beliebt

Drakes Übernahme des Wireless Festivals war ein cleverer Schachzug und Beweis, dass er weltweit noch immer Fans hat. Während manche Kritiker den Schritt als weiteres Indiz dafür sahen, dass Drake ein sogenannter „Colonizer“ sei, konnten die Künstler und Fans vor Ort kaum anderer Meinung sein. Einige von Drakes stärksten Tracks entstammen Kollaborationen mit britischen Künstlern, und es sei darauf hingewiesen, dass Toronto und London genug Gemeinsamkeiten haben, um den kulturellen Austausch weit sinnvoller erscheinen zu lassen als etwa mit Atlanta – wobei Drake dort offensichtlich auch keine Probleme hat. Letzten Sommer postete Drake ein Foto auf Instagram, das ihn beim Arbeiten mit dem britischen Rapper Dave zeigt, und in der zweiten Episode seines Iceman-Livestreams debütierte er „Which One“ mit Central Cee. Da viele der größten Rapper in den USA auf Drakes Feindesliste stehen, hat er jenseits des Atlantiks offenbar eine Fülle neuer Inspiration gefunden.

Nächte im Studio

Während desselben Streams mit Adin Ross Anfang des Monats gab Drake einen kurzen Einblick in seinen Aufnahmeprozess für „Iceman“. „Ich bleibe die ganze Nacht auf und nehme für Iceman auf“, sagte Drake in dem Stream. „Draußen steigt gerade eine riesige Party. Ich höre tausend Leute, die ein Straßenfest feiern, den ganzen Tag. Ich renn da raus, feier mit denen, mach Shots, komm zurück – ich will einfach ein bisschen was spüren, verstehst du?“

Eine fleißige Fan-Page auf Twitter stellte eine Zeitleiste von Drakes bisherigen Veröffentlichungen zusammen und stellte fest, dass er typischerweise ein Album wenige Monate nach der ersten Single herausbringt. Mit Ausnahme von „Views“ und „Nothing Was The Same“ erscheint bei Drake ein Album meist drei bis vier Monate nach der ersten Single. Wir sind derzeit knapp zwei Monate nach dem Release von „What Did I Miss?“ – was bedeuten würde, dass wir ein neues Album möglicherweise bis Oktober erwarten könnten, Drakes bekanntlich liebstem Monat. Natürlich ist das internetgetriebene Zahlenmystik, die man mit Vorsicht genießen sollte, aber Drakes kryptische Postings in letzter Zeit deuten tatsächlich darauf hin, dass die „Iceman“-Ära unmittelbar bevorsteht.

Explosionen in Toronto

Letzte Nacht gab es eine massive Explosion in Toronto, und es sieht so aus, als stünde sie im Zusammenhang mit Drakes lang erwartetem Album „Iceman“. Der Rapper postete in der Nacht auf Freitag eine kryptische Instagram-Story, die auf den ersten Blick wie Nachrichtenaufnahmen von einer Katastrophe aussah. In weiter Ferne war am Torontoer Horizont eine riesige Rauchwolke zu sehen. Die Explosionen fanden im Downsview Park statt, dem Gelände des EDM-Festivals Veld, gegenüber dem temporären Rogers Stadium. Am 13. April veröffentlichte die Website des Parks eine öffentliche Bekanntmachung, in der die Anwohner auf „geplante pyrotechnische Effekte“ hingewiesen wurden.

„In der Woche ab dem 13. April können Anwohner und Besucher abends für kurze Zeiträume laute Geräusche, Lichtblitze und/oder Rauch in der Gegend wahrnehmen“, heißt es darin. „Diese Effekte sind Teil einer vorab genehmigten kontrollierten Aktivität im Downsview Park und werden von lizenzierten Fachleuten in Abstimmung mit der Torontoer Polizei und den Feuerwehrdiensten durchgeführt. Es besteht keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.“

Eine Drehgenehmigung für „Project Bot“ informierte Anwohner und Betriebe in der Umgebung; als Vorbereitungstag war der 15. April angegeben, Drehabschluss der 17. April. Ashley Visser, Mediensprecherin des Toronto Police Service, bestätigte gegenüber ROLLING STONE, dass es sich um einen Filmdreh handelte, nicht um ein Musikvideo. „Wir können Ihnen mitteilen, dass dies Teil eines Filmdrehs war. Es handelte sich um einen kontrollierten Vorfall“, schrieb sie.

Jeff Ihaza schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil