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RS Interview

Angus Young: „Wenn wir nicht spielen, gibt es auch nichts zu essen“

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RS Interview

Angus Young: „Wenn wir nicht spielen, gibt es auch nichts zu essen“

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Sicher, komisch ist es schon, wenn man hört: ,Wer ist denn dieser alte Knacker in Schuluniform?‘ “ Angus Young, 61, weiß, dass sein traditionelles Outfit zunehmend zum Fremdkörper wird. „Jemand bemerkte einmal: ,Von Weitem sieht er eigentlich noch jung und überzeugend aus.‘ Aber wenn man dann näher herankommt, bleiben einem die Risse in der Fassade natürlich nicht verborgen.“

Young, gerade auf seiner vermutlich letzten Welttournee, hat mit den Rissen leben gelernt. Er spricht offen über die Hörprobleme, die Brian Johnson in den Ruhestand zwangen, über das überraschende Angebot von Axl Rose, in Brians Fußstapfen zu treten, über den anstehenden Abschied von Bassist Cliff Williams – und über seinen älteren Bruder Malcolm, der mit fortgeschrittener Demenz zu kämpfen hat.

„Es ist schwer, überhaupt mit ihm zu kommunizieren“, räumt Angus ein. „Ich schreibe ihm Notizen, bin mir aber nicht sicher, ob sie auch wirklich bei ihm ankommen. Ich lasse ihn jedenfalls wissen, dass ihn eine Menge Leute vermissen.“

Axl Rose ist es gewohnt, dass man nach seiner Pfeife tanzt. Hatte er Anpassungsprobleme bei AC/DC – zum Beispiel in Sachen Pünktlichkeit?
Wenn es drauf ankommt, steht er Gewehr bei Fuß. Vor einer Show entscheiden wir, welche Songs wir spielen. Er muss seinen Spaß haben – und wir auch. Bei den ersten Gigs war er (nach einer Fußverletzung – Red.) natürlich an den Rollstuhl gefesselt, den er sich von Dave Grohl geborgt hatte. Aber sobald er wieder gehen konnte, war er auf der Bühne ganz der Alte.

Wie sind Sie denn eigentlich überhaupt auf Axl gekommen?
Axl kontaktierte jemanden, der in unserem Produktionsteam gearbeitet hatte, und meinte: „Ich kenne diese Jungs. Die haben noch die richtige Arbeitsmoral und setzen alles daran, die geplanten Shows auch über die Bühne zu bringen.“ Er bot an, nach Atlanta zu kommen, wo wir für diesen Zweck einen Proberaum gemietet hatten. Und er hatte seine Hausaufgaben gemacht. Er hatte sich ein paar Songs wie „Touch Too Much“ (von „Highway To Hell“) ausgesucht: „Habt ihr den drauf?“ – „Nee, können wir nicht.“ Wir hatten nämlich nie versucht, ihn live zu spielen.

Klingt Axl nun mehr wie Brian – oder wie der früh verstorbene Bon Scott?
Er ist mehr der Rock’n’Roller, wie Bon einer war. Er hat seinen ganz eigenen Humor und immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Axl kann einen der alten Bon-Songs singen – und dann den Schalter umlegen, um wie Brian in einer höheren Tonlage zu klingen.

Hatte Brian schon vor dem Tourstart Probleme mit seinen Ohren?
Er hatte Probleme, als wir 2015 für Coachella probten, zumindest in einem Ohr. Er hatte sich bei einem Autounfall verletzt. Und mit dem guten Ohr wurde es dann auch zunehmend schlimmer. In Australien suchte er einen Spezialisten auf. Nach jedem Konzert musste er untersucht und behandelt werden – bis es eines Tages nicht mehr ging.

Hat Brians Ausscheiden auch zu Cliff Williams’ Entschluss geführt?
Cliff hatte schon vor der Tour angekündigt, dass dies seine letzte sein würde. Von mir einmal abgesehen ist er schon am längsten in der Band, seit 1977. Cliff und Brian sind etwa im gleichen Alter. Sie ­gehen gern auf die Piste und genehmigen sich einen Drink. Sie sind aus gleichem Holz geschnitzt.

Wie fühlt es sich an, ohne Malcolm auf der Bühne zu stehen? Kann Ihr ­Neffe Stevie die Lücke denn jetzt halbwegs aus­füllen?
Manchmal will ich meinen Ohren nicht trauen! Ich höre den Sound hinter mir und denke: Klingt absolut wie Mal! Als Stevie jünger war, hat er sich wirklich reingekniet, um exakt wie Mal spielen zu können. Und das ist alles andere als einfach. Man braucht schon ein breites Kreuz und ein gesundes Selbstbewusstsein. Es sieht einfach aus, ist es aber nicht. Malcolms Gitarre war immer das direkte Spiegelbild seiner Persönlichkeit: geradeheraus und wild entschlossen. Er war älter als ich, und ich schaute immer zu ihm auf. Im Studio probierte ich ständig alle möglichen Sounds aus – bis ich völlig den Faden verlor. (Lacht) Malcolm hatte diesen fetten Sound, der mich wieder auf den Boden zurückholte.

Fragen Sie sich manchmal, ob Sie nicht besser einen Schlussstrich hätten ziehen sollen, als Malcolm ausschied?
Manchmal, ja. Aber Malcolm war auch immer einer, der sich durchboxte. Wenn wir mal in einer Sackgasse steckten, schaute er mich nur an und meinte: „Wir setzen uns jetzt an einen Tisch und arbeiten. Wir schreiben jetzt Songs.“ Er hatte halt diesen Drive – und ich fühle mich ­dazu berufen, das Schiff weiter auf Kurs zu halten. Ich war schließlich derjenige, der mit ihm von Anfang an dabei war.

Haben Sie eventuell schon darüber nachgedacht, was Sie nach der Tour machen werden? Sie haben noch nie in einer anderen Band gespielt.
Bis jetzt waren wir damit beschäftigt, die Tournee abzuschließen. Keine Ahnung, was danach kommt. Wenn man lautstark ankündigt, ich werde dies oder das machen, dann sollte man später auch in der Lage sein zu sagen, ich habe alles gemacht, was ich versprochen habe. Das war jedenfalls immer unser Motto. Man musste pünktlich zum Gig kommen – ob man nun nachmittags in einem Pub spielte oder abends in einem Club. Man gewöhnt sich eben diese Denkweise an: Wenn wir nicht spielen, dann gibt es auch nichts zu essen.

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