Spezial-Abo

Freiwillige Filmkontrolle


Die besten Alben der 2000er: Arctic Monkeys – „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“


von

Die Arctic Monkeys spielen seit Ende 2004 zu Hause und anderswo und haben sich auf die bestmögliche Art ein enorm großes Publikum zusammengesammelt ohne Hilfe einer Plattenfirma. Ein Demo für lau, ein Hit im Internet, und schon hatte besonders die britische Jugend die vier Halbwüchsigen zum next big thing erkoren.

Das ist eine wirklich tolle Geschichte, in der sich Menschen MP3S zustecken, ganz ohne Marketing eine Band lieben und in immer größeren Mengen zu den Konzerten gehen. Weil alles so stürmisch passiert und die Musik ein bisschen ähnlich ist, werden Vergleiche zu den Babyshambles gezogen, und endlich ist eine Tour wieder eine wilde Fahrt ins Ungewisse und ein Konzert ein relevantes Ereignis. Das ist gut so! Aber wie die Babyshambles sind die Arctic Monkeys nun wirklich nicht.

Schön geschnauzt

Vielmehr überlassen Alex Turner, Jamie Cook, Andy Nicholson und Matt Helders ihre Musik (und ihre Auftritte) nicht dem Zufall, sondern haben lange geübt und an den Liedern gefeilt. Auch stellen die vier auf der Bühne nicht das Image des drogenabhängigen Parias zur Schau, sondern hängen ihre Gitarre erstaunlich weit nach oben und haben akkurate Frisuren. Von nichts kommt nichts!

Die Musik ist allerdings ungestüm und schnell und vermengt sicherlich The Clash, The Jam und anderes englisches Kulturgut. Aber es ist auch harter (Punk-) Rock in diesen bei allem Schludern klar konturierten Liedern, die Alex Turner mit starkem Akzent, erfreulich intelligenter Lyrik und nölig plapperndem Ton schön schnauzt.

Arctic Monkeys und ihr Debüt: Brutale Riffs, schnoddrige Wortschwälle

Hinter der tollen Energie, die die Arctic Monkeys jetzt für Domino in eine erste Platte gezwängt haben, sind nicht die ganz großen Lieder, die die ersten Bands des Rock-Revivals hatten, und es fehlt natürlich auch das Überaschungsmoment.

Aber das brutale Riff von „Still Take You Home“, der schnoddrige Wortschwall von „I Bet You Look Good On The Dancefloor“, der grobe Twist von „Fake Tales Of San Francisco“, die harten Single Notes von „Dancing Shoes“ – all das ist dann doch eine Freude, weil die Arctic Monkeys ihre Kraft haben und es ganz ernst meinen mit der guten Musik. Für den Anfang soll das reichen.

Original-Kritik aus dem ROLLING STONE. Tausende weitere Kritiken finden Sie im RS-Archiv.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: The Clash – „Sandinista!“

Mit welcher Entschlossenheit und welch überbordendem Vergnügen die bri­tischste aller Punkbands nach dem überwältigenden Erfolg von „London Calling“ weiter Pop­-Formaten experimentierte, bleibt ebenso ein­drucksvoll wie anrührend. Sie glaubten wirklich, sie wären „Hitsville U.K.“. Sie wollten alles probieren, iri­sche Fiddle­-Polka, Steel­Drums, Disco, Calypso, Funk, Rockabilly, Reggae natürlich, 36 Stücke. Nur wenig Punkrock, dafür ein funky Hit Punkrock gibt es nur gegen Ende der sechsten Plattenseite, wo die Söhne ihres Gastkeyboarders „Career Opportunities“ vom Debüt anstimmen. „The Magnificent Seven“ ist der funky Hit, „Washington Bullets“ das Statement ge­gen den imperialistischen Erzfeind USA, toll auch der (unpolitische) Vorstadt­-Groove von „Version City“. An­deres vagabundiert…
Weiterlesen
Zur Startseite