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Arne Willander schaut fern: Wie seit Joe Cocker nicht


von
Arne Willander
Arne Willander

Mit der ihm eigenen Unbekümmertheit tröstete Thomas Gottschalk (70) seinen Vorgänger: Wer stürze, der könne auch wieder aufstehen. Er spreche von „Show-Titan“ zu „Pop-Titan“. Auch diese Sendung werde er noch „durchmoderieren“. Allerdings moderierte Gottschalk das Halbfinale von „Deutschland sucht den Superstar“ gar nicht – das machte Oliver Geissen, der souveräne Die-besten-Charts-aller-Zeiten-Präsentator von RTL. Dieter Bohlen (67) hatte sich nach 19 Jahren als Haudrauf-Juror bei „DSDS“ disqualifiziert, indem er bei sinkenden Einschaltquoten noch mehr Geld forderte und bei Verhandlungen offenbar erwartungsgemäß rabiat auftrat. Sein Auftreten sei „nicht mehr zeitgemäß“, ließ RTL anschließend kühl verlauten. Bohlen meldete sich krank.

Bald kursierten Gerüchte, nach denen Florian Silbereisen auch noch diesen Posten besetzen könnte. Dass Thomas Gottschalk im G-spräch war, wirkte wie ein Witz. Natürlich wurde es Thomas Gottschalk. Und schon bei seinem ersten Auftritt schlug er einen neuen Ton an: Neben der schwärmenden Maite Kelly und Mike „Heute hast du mich doch überzeugt“ Singer gibt er den betagten Onkel aus dem Radio, der sich noch an Richard Marx erinnern kann und allerlei wohlfeile Ratschläge („Vertrau auf dich“) mäandrierend formuliert.

Während die sich überschlagende Maite („Du lebst die Musik!“) die biederen Kandidaten belobigte, dachte Gottschalk schon an die Jahrzehnte, die vor dem designierten Superstar liegen. Der allfälligen Kritik daran, dass die beiden Frauen das Halbfinale nicht überstanden, begegnete er mit der entschiedenen Expertise: „Die Mädchen im Halbfinale waren mit ihrer Songauswahl auch nicht besonders gut beraten. Statt an Lea und Dua Lipa hätten sie sich lieber an Billie Eilish und Beyoncé orientieren sollen.“

„Einige Dance-Moves habe ich seit Joe Cocker nicht mehr gesehen“

Schließlich gewann der 25-jährige Jan-Marten Block, ein bärig-bärtiger Kaufmann aus Niebüll, der Synchronsprecher bei einer russischen Kinderserie ist. „Einige Dance-Moves habe ich seit Joe Cocker nicht mehr gesehen“, sagte Thomas Gottschalk. Er empfahl Jan-Marten Block, es mit Country Music zu versuchen: Das sei heute nicht mehr das „Gequäke“ von Willie Nelson. Dieter Bohlen missfiel Gottschalks „Oma-Frisur“.


Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Ironische HipHop-Moves

Folge 224 An jedem letzten Donnerstag des Monats treffen sich seit gut einem Jahr Guido, Jens und Bernd, drei Freunde um die fünfzig, via Zoom-Konferenz zum Musik-Stammtisch. Zuletzt waren die monatlichen Pop-Konferenzen mit Bierbegleitung allen drei Teilnehmern ein wenig fad geworden. Für das diesmalige Distanztreffen haben sich die Freunde um neue Impulse bemüht und beschlossen, die gegenwärtigen Lieblingslieder ihrer 18-jährigen Töchter zum Diskussionsgegenstand zu machen. GUIDO: Also wir hatten ja gesagt, dass wir diesmal nicht über Bruce Springsteen oder Neunziger-Alternativeock sprechen. JENS: Hatten wir. BERND: Wobei Bob Dylan ja diesen Monat ja achtzig wird. JENS: Trotzdem, Bernd! Also ich habe…
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