Karibische Nacht in Düsseldorf: Das Bad-Bunny-Konzert-Spektakel
Bad Bunny verzauberte Düsseldorf mit Mega-Euphorie: Ausverkauft, karibische Energie und ein Moment, als das Hallendach aufging. Der Complete Review zur „Debí Tirar Más Fotos“-Tour.
La Düsseldorf feiert karibische Nacht. Mega-Euphorie, als gegen Ende das Hallendach aufgeht.
Schon im ICE aus Berlin geht es hörbar hispanisch zu. Pilgerfahrt zu Bad Bunny, der nach zehn (!) Gastspielen in Madrid, im Rahmen seiner Europa-Tour für zwei Nächte in Düsseldorf Station macht.
Lokale Medien hatten zuvor stolz vermeldet, dass der Superstar aus Puerto Rico sich am Vorabend bereits ein Altbier in der Altstadt genehmigte.
Die „Sol y Luna Bar“ wiederum gab spezielle Bunny-Partys, mit eigens kreiertem Bunny-Cocktail auf der Karte. Auch die örtliche Latino-Community bereitete sich auf das Konzertwochenende vor. In Tanzschulen wurden Reggaeton-Moves in Formation einstudiert. Sympathie-Dusche für den „sehr coolen sehr netten, sehr lockeren Menschen“, so ein Fanboy in der „Rheinischen Post“, der Privatmann Bunny auf seinem Streifzug getroffen hat.
Chuwi eröffnet – Bad Bunny übernimmt
Entsprechend eingestimmt eröffnete die puerto-ricanische Formation Chuwi, deren Mischung aus Indie-Pop und karibischen Folk-Einflüssen die kulturelle Klammer der „Debí Tirar Más Fotos“-Tour des Headliners bildete. Statt einer klassischen Aufwärm-Band präsentierte Bad Bunny bewusst Akteure, welche die Wurzeln seiner aktuellen Ära vermitteln und die auch später gemeinsam mit dem Chef auf die Bühne traten.
Benito Antonio Martínez Ocasio, so Bunny bürgerlich, übernahm dann unter ohrenbetäubendem Jubel im cremefarbenen Anzug mit Krawatte die Show. Geschlossene Augen, geheimnisvolle Miene. Der Sturm konnte losbrechen.
Anfangs noch mit Bläsern und Rhythmus-Crew mit Schiebermützen und Kreissägen-Hüten inszeniert er die Show als Reise durchs eigene Werk. Arrangements, die an Salsa und karibische Orchestertraditionen erinnern, als Kontrapunkt zum Reggaetón. Die Inszenierung wirkt nostalgisch, einige Szenen gar filmisch, wie vom „Buena Vista Social Club“. Eine musikalische Brücke zwischen den Spielarten.
Ausverkauft: Globaler Ansturm auf Düsseldorf
Die Nachfrage nach dem einzigen Deutschland-Doppelkonzert war enorm. Innerhalb kürzester Zeit war alles ausverkauft. Und ähnlich schon wie bei Adele oder Taylor Swift reisten Fans aus ganz Europa und Übersee an.
Bereits vor den Stadiontoren bestimmten puerto-ricanische, kolumbianische, mexikanische, ecuadorianische und peruanische Flaggen das Szenario. Der umstrittene Ticketvermittler Viagogo wusste vorab zu vermelden, dass sich Fans aus der ganzen Welt für Karten interessiert hätten. Ein Phänomen, das in den letzten Jahren häufiger vorkommt: City-Travel-Tourismus mit Superstar-Shows.
Einige der weiterverkauften Tickets wären gar in die USA gewandert, wo Bunny als Hassfigur für US-Präsident Donald Trump bis auf Weiteres keine Konzerte spielt.
Energie, Nähe und das geöffnete Dach
Im Laufe des Abends verschiebt sich der Fokus zunehmend auf die energetischen Elemente seines Repertoires. Zwischen Latin Rap, Trap und Reggaetón entwickelt die Show eine Dynamik, die das Publikum über drei Stunden hinweg nahezu pausenlos trägt. Besonders wirkungsvoll ist dabei die rosa-gelbe „Casita“, eine zweite Bühne mitten im Innenraum, auf der schöne, glückliche Fans wie aus einem Video zu Akteuren der Inszenierung werden.
Dann ein Knalleffekt jenseits der Musik. Inmitten der Show fährt die Musik runter. Bunny geht an den Bühnenrand, schüttelt Hände, umarmt Fans und nimmt sich ausgiebig Zeit für direkte Begegnungen. Minutenlang wird geknuddelt und gebusselt. Als er später ein Kind und eine ältere Besucherin umarmt, ist das Heidewelt-Glück perfekt.
Dabei hatten die Zuschauer zuvor durchaus Geduld beweisen müssen. Unter dem zunächst geschlossenen Dach der Arena stiegen Temperatur und Luftfeuchtigkeit spürbar an. Als später das Dach im Zeitlupentempo auffuhr, erhielt die Sause neue Luft und neuen Schwung.
Politisch bleibt Bad Bunny konsequent. Minutenlang hielt er wie Fidel Castro Ansprachen über Kolonialismus und Menschlichkeit – das alles ausschließlich auf Spanisch. Er betont mehrfach seine Verbundenheit mit Puerto Rico. „Ihr bringt Puerto Rico in die Welt“, ruft er den Fans zu. Daheim gehört er zusammen mit dem Musiker Residente, ehemals Calle 13, zu den aktiven Oppositionellen in der karibischen Kunst-Community.
Zwischen den verschiedenen Bühnenoutfits zog er dann eine weiße Trainingsjacke mit „Teamgeist“-Schriftzug und dem Logo des offiziellen Adidas-Spielballs der Fußball-WM 2006 an. Geschmackvoller Verweis auf das spätabendliche WM-Match gegen die Elfenbeinküste – und sicher auch ein kongenial ausgespielter Deal mit dem Sportswear-Sponsor aus Franken.
Finale: „Debí Tirar Más Fotos“ als kollektiver Chor
Zum Finale bündelt Bad Bunny die größten Momente seiner Karriere. Songs wie „La Canción“, „Yonaguni“ und schließlich „Debí Tirar Más Fotos“ verwandeln die Arena in einen kollektiven Chor. Besonders der Titeltrack entfaltet emotionale Kraft, die weit über seinen eingängigen Refrain hinausgeht.
Die salbungsvolle Message, besondere Momente festzuhalten, bevor sie unwiederbringlich vergehen, wirkt dann wie ein schöner Schlusspunkt.
Bad Bunny gelingt die seltene Balance: zwischen globalem Superstar und Puerto-Rico-Botschafter, zwischen spektakulärer Stadionproduktion und persönlicher Nähe. Die zuweilen spröde Rheinmetropole mutiert zu „La Düsseldorf“ – und die Fortuna-Arena zum Kurzzeit-Brennpunkt der lateinamerikanischen Popmusik.