Blackpink sind auf „Deadline“ in Bestform
Mit „Jump“ und vier neuen Songs – darunter ein herrlicher Ausflug in Eighties-Goth-Club-Sounds – liefern Blackpink genau das, worauf Fans gewartet haben.
Die Frauen von Blackpink fühlen sich auf „Deadline“ sichtlich pudelwohl – und das steht ihnen ausgezeichnet. Es ist die erste neue Musik der K-Pop-Queens seit [Staub vom Kalender bläst] mehr als drei Jahren, seit ihrem karriereprägenden 2022er-Album, dem exzellenten „Born Pink“. Alle vier – Jennie, Rosé, Lisa und Jisoo – haben sich seitdem intensiv ihren Solokarrieren gewidmet. Rosé veröffentlichte ihr persönliches Statement „Rosie“, mit dem Smash-Hit „Apt.“ zusammen mit Bruno Mars, den sie erst vor wenigen Wochen zur Eröffnung der Grammys performte. Dazu kamen Lisas „Alter Ego“ mit „Rockstar“ (einer der besten Hits aller Zeiten mit diesem Titel) und „New Woman“ (dito). Vergangenes Jahr erschienen außerdem Jennies „Ruby“ und Jisoos „Amortage“.
Aber mal ehrlich: Die Welt hat fieberhaft auf mehr von der Magie gewartet, die Blackpink nur erzeugen können, wenn sie ihre vier Köpfe zusammenstecken und loslegen. „Deadline“ ist eine bescheidene 15-minütige EP, die ihre 2025er-Single „Jump“ – vor sechs Monaten veröffentlicht – und vier neue Songs enthält, von denen drei großartig sind. Die beste Nachricht: kein einziges weinerliches Jammern auf „Deadline“, eine riesige Erleichterung, denn das ist das Letzte, was irgendjemand von der Gruppe braucht. Die Blackpink-Ladies sind in Stunt-Laune, was sie am besten können – triefend vor glamouröser Charisma. Ihre jeweiligen Soloerfolge haben ihre Diva-Energie offensichtlich noch weiter angeheizt, obwohl sie in dieser Hinsicht noch nie Nachholbedarf hatten. Auf „Deadline“ mischen Blackpink Härte und Kokettierie in ihrem unverwechselbaren Stil.
Ein merkwürdig gewählter Titel für ein Comeback, das fast vier Jahre auf sich warten ließ – zumal er nach ihrer Deadline World Tour 2025 benannt ist, die im Januar bereits beendet war. (Was der Titel für sie bedeutet, bleibt offen.) „Jump“ eröffnet die EP: ein Top-40-Hit vom vergangenen Juli, ein Diplo-Track, der 2000er-MTV-Pop-Nostalgie mit Spaghetti-Western-Pfeifen, EDM-Breakdowns und eurotrashigen Hornstößen vermischt – plus ein Gruß an ihre Girl-Power-Göttinnen, die Spice Girls.
„Go“ und der Coldplay-Twist
„Go“ ist ein pompöserer, aggressiverer Party-Banger, produziert von Cirkut und Teddy – erstaunlicherweise der erste Song, den alle vier Blackpink-Mitglieder gemeinsam geschrieben haben, nach einem Jahrzehnt im Game. Noch seltsamer: Im Songwriting-Credit taucht Coldplays Chris Martin auf. Es ist ein rasantes Gewirr aus Hardstep-Drops und „Black! Pink!“-Chants, während Lisa warnt: „No slow jams/Bumping through the speakers when I do my go-go dance!“ Es gibt eine Bridge, die der aus „Apt.“ sehr (sehr) nahekommt. Aber dann gibt’s auch einen unerwarteten Springsteen-Moment, wenn der Beat sich verlangsamt und Jennie singt: „When your heart is broken, baby/Darkness on the edge of toooown.“ Ein mitreißender Augenblick, in dem „Born Pink“ auf „Born to Run“ trifft – tief aus den emotionalen Badlands.
„Me and My“ ist einer ihrer Trap-Tributes: eine Warnung an alle Verlierer, ihren Mann besser zu verstecken, wenn Blackpink den Club betreten. Jennie prahlt mit „pretty privilege“ in ihrer „hottie season“ und rappt: „You know that’s my girl when I call her bitch.“ Lisa kauft die Bar leer und empfiehlt fragwürdige NBA-Etiquette. („Courtside on the call, we can touch the ball“ – wow, vielleicht lieber nicht?) Musikalisch bewegt sich das im gewohnten Terrain, aber Jennie liefert eine der witzigsten Modezeilen des Albums: „Daisy Dukes make me speak my mind.“
„Champion“ ist das größte musikalische Ausrufezeichen auf „Deadline“ – und mit Abstand der stärkste Track. Ein Ausflug in Eighties-New-Wave-Synth-Pop, ein Terrain, auf dem sie sich häufig wohlfühlen, von den Blondie-Moves aus „Yeah Yeah Yeah“ bis zu Rosés Toni-Basil-„Mickey“-Hommage auf „Apt.“ Doch „Champion“ ist ein Trip in Big-Hair-Goth-Club-Darkwave-Atmosphäre, mit stark gef(l)angtem Gitarrensound, der direkt von den Cure um „Seventeen Seconds“ oder Siouxsie and the Banshees um „Juju“ stammt – hypnotisch.
Dieser schleichende Tanzsound schmeichelt ihren dynamischen Stimmen auf idealste Weise – und lässt einen wünschen, sie würden ein ganzes Album im New-Wave-Modus aufnehmen. (Falls sie jemals wieder Lust auf ein ganzes Album bekommen sollten. Zur Not könnten sie sogar eine Kooperation mit den Cure angehen, schließlich nehmen es Robert Smith und Blackpink mit Deadlines gleichermaßen locker.)
„Fxxxboy“ als bittere Pointe
Blackpink haben eine lang bekannte Schwäche für Akustikgitarren-Balladen – bei Fans immer umstritten –, aber diesmal machen sie es mit „Fxxxboy“ richtig. Es ist eine lockere, freche, durch und durch haltungsstarke Ode darüber, Ex-Partner durch bedeutungslosen Sex zu quälen, ihnen aber emotionale Zuwendung zu verweigern, weil sie einen zu oft verbrannt haben und jetzt dran sind zu leiden. „Keep your expectations under the pavement“, warnt Jisoo. „Guess karma’s a bitch/How’s it feel? Now I’m the fuckboy!“
Das erinnert an „Tally“ von „Born Pink“, ein weiterer Moment, in dem sie ihre acht Stilettoabsätze ins Herz eines Ex rammen. (Wie Jennie dort sang: „I like to play dirty just like all of the fuckboys do.“) Aber es ist noch gemeiner und witziger. „I don’t like you, I’m just bored“ – damn, Jisoo, das sitzt. Blackpink haben definitiv einen langen Weg von „Lovesick Girls“ zu einem vierköpfigen Squad selbsternannter Fuckboys zurückgelegt. Doch „Deadline“ macht Lust auf mehr.