Catherine O’Hara: Die 9 besten Auftritte
Die neun wichtigsten Rollen von Catherine O’Hara – von „SCTV“ über „Beetlejuice“ bis „Schitt’s Creek“ und „The Last of Us“.
Ob in einer hochkonzeptionellen Comedy-Sketchidee – was wäre, wenn Katharine Hepburn einen Tee-Werbespot in eine Anekdote über einen heimlichen Nachmittag mit einem Bühnenarbeiter verwandeln würde? – oder in einer Slapstick-Sitcom über das heutige Hollywood. Catherine O’Hara hatte ein außergewöhnliches Gespür dafür, einem Gag die perfekte Drehung zu geben.
Die kanadische Schauspielerin war gleichermaßen Teamplayerin und Szenendiebin, eine körperlich arbeitende Darstellerin (dieser Tanz in „Beetlejuice“!) und jemand mit einem untrüglichen Sinn für pointierte Dialogzeilen.
Hier sind unsere Favoriten aus dem Werk der verstorbenen Catherine O’Hara.
„SCTV“ (1976–1984)
O’Hara war bereits seit Jahren Teil von Second City in Toronto, als die Impro-Truppe die Idee für eine Fernsehserie entwickelte. Sie sollte sich um die lose Prämisse eines winzigen TV-Senders drehen, der aus der kanadischen Kleinstadt Melonville sendet. O’Hara war in den frühen Jahren eine zentrale Figur und verließ die Serie nach zwei Staffeln.
Als „SCTV“ in der vierten Staffel von NBC übernommen wurde, kehrte sie zurück – und gerade in dieser sogenannten Network-90-Ära, in der die Episoden von 30 auf 90 Minuten anwuchsen, bewies O’Hara, dass sie der heimliche MVP der Show war. Man kann über diese prägende Sketchshow nicht sprechen, ohne O’Haras Promi-Imitationen hervorzuheben: eine brillante Brooke Shields, eine großartige Katharine Hepburn und eine unheimlich präzise Liz Taylor, die mitten im Satz plötzlich IHRE LAUTSTÄRKE ERHÖHT.
Hinzu kamen wiederkehrende Figuren wie die Allround-Entertainerin Lola Heatherton, eine der schärfsten Abrechnungen mit der Verzweiflung des Showgeschäfts. Außerdem schrieb O’Hara die beste Gameshow-Parodie aller Zeiten – samt ebenso komischer Fortsetzung. Es ist schwer, aus ihren zwei getrennten Phasen bei „SCTV“ einen einzelnen Höhepunkt herauszupicken, aber wenn wir müssten, setzen wir auf „Long Distance Call“, ein Meisterwerk stetig eskalierender Absurdität. —David Fear
„Beetlejuice“ (1988)
Während Winona Ryders Figur Lydia in „Beetlejuice“ als „seltsam und ungewöhnlich“ galt, war es ihre Stiefmutter Delia, gespielt von O’Hara, die sie mit bizarren Skulpturen, post-postmodernem Innendesign (mit Hilfe von „etwas Benzin und einem Schneidbrenner“) und der Freundschaft zum exzentrischen Designer Otho Fenlock erst in diese Richtung schob. O’Hara war ideal für die Rolle, weil sie gleichzeitig schlecht und geschniegelt wirken konnte.
Ihr Auftritt, bei dem sie auf einer Dinnerparty von einem Geist besessen Harry Belafontes „Day-O“ singt, ist ein echter Szenendiebstahl: Delia sieht dabei zugleich schockiert und begeistert aus. —Kory Grow
„Kevin – Allein zu Haus“ (1990)
Für viele Millennials war O’Hara erstmals in der „Kevin – Allein zu Haus“-Reihe präsent, in der sie die extrem nervöse Kate McCallister spielte, Kevins Mutter. Sie ist eine hingebungsvolle Mutter im Stil der Neunzigerjahre – und verliert ihren Sohn (Macaulay Culkin) trotzdem gleich zweimal: zuerst lässt sie ihn versehentlich zu Hause zurück, später verliert sie ihn auch noch in New York.
Ihre Rolle ist untrennbar mit dem panischen Schreien von Kevins Namen verbunden, das sich durch „Kevin – Allein zu Haus“ und „Kevin – Allein in New York“ zieht und das O’Hara später unzählige Male auf offener Straße für Fans wiederholen sollte. Culkin nannte sie auch Jahrzehnte später noch „Mama“, etwa bei ihrer Rede zu seiner Hollywood-Walk-of-Fame-Sternverleihung 2024. Nach ihrem Tod schrieb er auf Instagram: „Ich dachte, wir hätten noch Zeit. Ich liebe dich. Wir sehen uns später.“ —Angie Martoccio
„Waiting for Guffman“ (1996)
Nur Catherine O’Hara konnte in der chinesischen Restaurant-Szene von „Waiting for Guffman“ eine Zeile so perfekt betrunken-trocken liefern wie: „Psst, Mädchengespräch: Wie ist das eigentlich mit einem beschnittenen Mann?“ Der peinliche Gesprächskiller wird immer grotesker, als ihr Film-Ehemann Fred Willard erzählt, er habe sich einer Penisverkleinerung unterzogen, woraufhin O’Hara sagt, er habe sie gefragt: „Warum lässt du dir nicht eine Scheidenvergrößerung machen?“
„Waiting for Guffman“ war die erste von vier Kinokollaborationen mit Autor und Regisseur Christopher Guest (fünf, wenn man „Spinal Tap II“ mitzählt) und zeigte O’Hara als brillante Ensemble-Spielerin. Gemeinsam mit Willard verkörpert sie ein verheiratetes Reisebüro-Paar, das in einem Provinztheaterstück den großen Durchbruch sucht. Jede Szene mit ihr sitzt punktgenau. —K.G.
„Best in Show“ (2000)
In „Best in Show“, ihrer zweiten Zusammenarbeit mit Christopher Guest, spielt O’Hara Cookie Fleck, die mit ihrem Mann Gerry (Eugene Levy) und dem Norwich Terrier Winky zur Mayflower Kennel Club Dog Show nach New York fährt. Als Cookie wirft sie jede mütterliche Aura aus „Kevin – Allein zu Haus“ über Bord und spielt stattdessen eine zurückhaltende Sexbombe und ehemalige Kellnerin mit „Hunderten von Freunden“.
Doch O’Hara macht aus Cookie keine eindimensionale Pointe, sondern verleiht ihr echte Wärme. Ihre Liebe zu ihrem Mann und ihrem Hund ist in jeder Szene spürbar – egal ob sie einem alten Lover im Wohnzimmer begegnet oder es sich im Hotel-Abstellraum gemütlich macht. —Elisabeth Garber-Paul
„A Mighty Wind“ (2003)
Diese liebevolle Parodie auf die Folk-Szene der Sechzigerjahre liefert viele Lacher, doch das emotionale Zentrum bilden die Szenen mit O’Hara und Eugene Levy. Als Folk-Duo Mitch & Mickey, einst Liebespaar, dessen Hit „A Kiss at the End of the Rainbow“ immer mit einem Kuss endete, trägt O’Hara das größte emotionale Gewicht.
Als die beiden Jahre später gezwungen sind, den Song erneut zu spielen, erzählt allein ihr Gesicht eine ganze Lebensgeschichte voller Liebe und Verlust. Der Auftritt des Duos bei den Oscars, als der Song nominiert war, gehört zu den bewegendsten Momenten der Filmgeschichte. —D.F.
„Schitt’s Creek“ (2015–2020)
Nach Jahrzehnten in Nebenrollen konnte O’Hara in „Schitt’s Creek“ endlich die volle Bandbreite ihres Könnens zeigen. Als Moira Rose, abgehalfterter Soap-Star und Matriarchin einer verarmten Familie, wurde sie zur Kultfigur. Ihre Perücken aus Echthaar, ihre Kochanweisung „Falten Sie den Käse unter!“ und ihr bizarrer Akzent machten Moira unsterblich.
O’Hara gewann mehrere Emmys für die Rolle, und eine neue Generation entdeckte sie für sich. Moiras bissige One-Liner werden bis heute zitiert – und werden es bleiben. —A.M.
„The Studio“ (2025)
In „The Studio“ spielt O’Hara Patty Leigh, eine entlassene Studio-Chefin, die ihren Nachfolger manipulativ in der Hand behält. Mit perfektem Timing wechselt sie zwischen Verzweiflung, Wut und kalkulierter Freundlichkeit. Unter der Oberfläche liegt die Erfahrung einer Frau, die Hollywood überlebt hat.
Ihre Fähigkeit, auf Seth Rogens peinliche Fehltritte mit purem Entsetzen zu reagieren, steigert den Fremdscham-Faktor der Serie enorm. Es ist eine der besten Leistungen der gesamten Show. —Julyssa Lopez
„The Last of Us“ (2025)
Eine ihrer letzten Rollen zeigte O’Hara von einer ungewohnten Seite: als Therapeutin Gail in der postapokalyptischen Welt von „The Last of Us“. Mit großer Ruhe spielt sie eine Frau, die ihre eigene Trauer bewältigen muss, während sie anderen hilft. Die Kamera verweilt oft auf ihrem Gesicht – und jedes Zucken erzählt eine Geschichte.
O’Hara trägt Gails Schmerz und Einsamkeit ebenso eindrucksvoll wie früher die überzeichneten Mienen ihrer komischen Figuren. —Maria Fontoura