Collien Fernandes: Überraschender Auftritt bei Demo in Hamburg
Collien Fernandes hat sich doch bei der Demo gegen sexualisierte digitale Gewalt gezeigt.
Der Protest geht in Hamburg weiter: Am Donnerstagabend versammelten sich auf dem Rathausmarkt Tausende Menschen, um gegen sexualisierte Gewalt zu demonstrieren – angemeldet waren laut Polizei rund 7.500 Teilnehmer:innen. Die Kundgebung sollte laut den Organisatoren bis 19 Uhr dauern.
Es ist nicht die erste dieser Art: Bereits am vergangenen Sonntag gingen in Berlin Tausende auf die Straße. Die Polizei zählte dort 6.700 Menschen. Organisiert wurde die jetzige Demonstration von der Hamburger SPD-Abgeordneten Annika Urbanski, unterstützt unter anderem von Klimaaktivistin Luisa Neubauer und Kolumnistin Alexandra Zykunov. Ihre Forderungen sind klar: Es brauche mehr Schutz für Betroffene, härtere Konsequenzen für Täter und ein gesellschaftliches Umdenken.
Ausgangspunkt ist der Fall der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes, die schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen erhoben hat. Dessen Anwalt kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an. Ulmen selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Collien Fernandes: „Ich stehe hier mit kugelsicherer Weste und Personenschutz“
Fernandes wollte erst nicht selbst auf dem Rathausmarkt sprechen. Der Grund seien massive Sicherheitsbedenken, weil es in den vergangenen Tagen auch Morddrohungen gegen sie gegeben habe. Kurz vor Ende der Demo kam es dann aber doch zu einem überraschenden Auftritt.
„Ich stehe hier mit kugelsicherer Weste und Personenschutz“, sagt Fernandes. Sie habe rausgehen und Stärke zeigen wollen, auch wenn das in ihrer Situation „sehr schwierig“ sei. „Ich glaube, dass oft unterschätzt wird, was so was mit einem macht. Was es auf der emotionalen Ebene bedeutet.“
Nach ihrem Auftritt wirkt sie erleichtert. Gleichzeitig macht sie deutlich, warum viele Betroffene schweigen: Angesichts der Morddrohungen sei es kein Wunder, dass vielen der Mut fehle, öffentlich zu machen, was ihnen angetan wurde. „Warum haben nicht die Täter die Eier, zuzugeben, dass sie ihre Frauen digital missbraucht oder gegen eine Wand geschlagen haben?“
In einem Statement auf Instagram äußerte sie zuvor außerdem Kritik an den Medien:
„Ich verfluche die Presse dafür, dass ich im Fünf-Minuten-Takt 30-seitige Fragebögen bekomme, die ich bitte schnellstmöglich beantworten möge. Ich komme nicht mehr hinterher. Ich kann nicht mehr. Ich habe auch noch andere Dinge zu tun. Und wenn ich das alles nicht schaffe, wird aus jeder unbeantworteten Frage eine Verschwörungstheorie gestrickt.“
Weiter heißt es in ihrem Post: „Stellt doch dem Täter mal Fragen. Zwei ganz simple: Waren Sie Ihrer Frau gegenüber gewalttätig? Haben Sie im Namen Ihrer Frau Fake-Profile erstellt und unter ihrem Namen pornografisches Material verschickt? Ja? Nein? Und was war bisher das Problem? Warum ist die Berichterstattung so ‚einseitig‘? Der Täter möchte nichts unter Eid aussagen. Gar nichts. Ich schon. Überlegt doch mal, warum.“
Polizei: „Keine Hinweise auf Störungen“
Nach der Absage von Fernandes am Mittwoch äußerte sich auch die Polizei zur Sicherheitslage. Ein Sprecher erklärte, man werde „wie bei solchen Versammlungen üblich, mit Einsatzkräften vor Ort präsent sein, um die sichere Durchführung der Versammlung zu gewährleisten“. Zugleich hieß es: „Hinweise auf Störungen oder Straftaten in diesem Zusammenhang liegen nicht vor.“
Der frühere HSV-Torwart René Adler äußerte sich im Vorfeld mit deutlichen Worten auf Instagram: „Ich bin sprachlos, ernüchtert und desillusioniert, in was für einer kranken Welt meine Tochter geboren wurde. […] Es reicht!“ Auch der Hamburger Musiker Johannes Oerding erklärte in einem Statement: „Schweigen fühlt sich in diesem Moment einfach falsch an.“ Die aktuellen Entwicklungen würden ihn „wütend, traurig und nachdenklich zugleich“ machen. „Ich schäme mich in solchen Momenten […] ein Mann zu sein.“ Dennoch ruft er klar zum Handeln auf: „Wir müssen hinschauen, zuhören, Verantwortung übernehmen und klar widersprechen – im Kleinen wie im Großen.“