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So verteidigen Culcha Candela ihren peinlichen Corona-Kommentar


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„Wir sind keine Verschwörungstheoretiker und Aluhutträger“, heißt es in der Botschaft von Culcha Candela, mit der sie auf den Shitstorm reagierten, der sich auf mehrere Kommentare unter einen Joke von ZDF-Comedienne Hazel Brugger bezog.

„Aber man sollte schon drüber nachdenken, dass bei 300.000 Jobs in der Musik-, Kultur- und Veranstaltungsbranche mit dem Verlust der Existenz auch Menschenleben bedroht sind“, twitterte die Band am Montag (20. April).

Worum geht’s? Hazel Brugger hatte sich auf Twitter einen kleinen Scherz erlaubt, der all jenen den Spiegel vorhalten sollte, die das mit dem Lockdown nicht ganz verstanden haben. „Den Lockdown beenden wollen, weil er funktioniert, ist genau so wie keine Kondome mehr zu benutzen, weil das Verhüten mit Kondom bis jetzt ja jedesmal geklappt hat“, schrieb die schweizerisch-US-amerikanische Komikerin.

„Aber Hauptsache Autohäuser machen wieder auf“

Auf den Post reagierten Culcha Cancdela mit Häme. Die Band schrieb zunächst: „nee, dann lass mal bis 2025 machen, wenn‘s funktioniert! vorsorglich, für alle kommenden pandemien! never change a runing system. lol. dass leute wie du, die hart vom auftrittsverbot betroffen sind (wie wir auch) so etwas schreiben, wundert uns jedes mal.“

Später gab es dann noch eine weitere Erklärung, nachdem ein Twitter-Nutzer klar gemacht hatte, dass er lieber auf Konzerte verzichten würde, um Menschenleben zu schützen. „die mortalitätsrate ist unter 1%. da lohnt sich für uns als band schon fast die ansteckung, damit der wahnsinn vorbei ist und wir wieder normal leben können. über die straße gehen ist gefährlicher.“

Viele Diskussionsteilnehmer fühlten sich an einen aktuell sehr prominenten Verschwörungstheoretiker erinnert. Ein User schrieb: „Wow, wollt ihr Xavier Naidoo gerade Konkurrenz im Rennen auf die dümmsten Aussagen machen?“

Auch darauf bezogen sich Culcha Candela nun in ihrem ausführlichen Statement. Hier ist es im Wortlaut.

Culcha Candela verdeutlichen, wie Künstler unter der Corona-Krise leiden

„kurz nochmal eine klarstellung: ihr wisst ganz genau (hoffen wir), dass uns menschenleben nicht egal sind. im gegenteil. wir wollten nur darauf hinweisen, dass eine branche mit 300.000 plus existenzen am arsch ist und es nächstes jahr von den 1200 festivals, clubs, bars & restaurants die hälfte nicht mehr geben wird. bisher sind es 6 milliarden euro verlust, aufnimmerwiedersehen, ciao cacao! uns ist auch viel kohle flöten gegangen, aber wir werden nicht verhungern. andere trifft es viel härter! sogar das frauenfeld weiß nicht, wie‘s weitergeht..! wenn man keinen job und keine perspektive mehr hat, kann man nicht einfach spargelstechen gehen (abgesehen davon, dass es echt schwer ist). dieses existenzen sind auch menschenleben, ganze familien! im moment sieht man aber wo die branche steht: ganz weit hinten in der kette. schade, weil uns ja musik jeden tag begleitet. streaming und „live gehen“, wird den veranstaltern, bookingagenturen, vermietern, securities, gastroleuten, caterern, bühnenbauern, crews, bushfahrern und hoteliers nicht helfen. den musikern übrigens auch nicht, wenn die für ne flat fee 9,99€ style ihr letztes gut, die live shows, im netz verramschen! 90% der einnahmen von so nem oft am existenzminimum lebenden künstler, kommen von den shows! streaming geht alles an andere, kaum an die artists. bei spotify muss man ne mio streams haben, um 1500€ umzusetzen! davon bekommt der künstler 10-20%! und wieviele machen jeden monat ne mio streams?? wie stellt ihr euch das vor..?? es ist ein wenig kurzsichtig nur über teile der gesellschaft zu sprechen, die vielleicht relevanter scheinen. warum sind denn autohäuser jetzt wichtiger als andere geschäfte? wer hier keinen lobbyismus sieht, ist bissl blind..! wir sind keine verschwörungstheoretiker und aluhut sympathisanten und wünschen xavier gute besserung, auch gesundheitlich. aber man sollte schon drüber nachdenken dass bei 300.000 jobs in der musik, kultur- und veranstaltungsbranche mit dem verlust der existenz auch menschenleben bedroht sind! wir haben zb schon für das yaam in berlin, für die seebrücke (noch so ein thema..!), insolvente amateurbasketballvereine und die arche gespendet. für die kids vor der arche ist dieser lockdown zb die hölle, weil sie jetzt wieder tag für tag unter schlimmen bedingunen zu hause hocken mussten! über dieses verlorenen „leben“ redet dann auch fast keiner. leute, bitte beruhigt euch. wir werden schon irgendwie gesund und munter aus der sache rauskommen. aber bitte habt auch verständnis für vieles, was den meisten menschen auf der ersten blick gar nicht so bewusst ist, weil sie nie drüber nachdachten. es ist ja nicht so, dass alle 2021 dann zwei oder drei tickets für‘s festival kaufen.“

Mit anderen Worten: Culcha Candela richten erneut das Blickfeld auf die Kulturbranche, die sich nach dem massiven Lockdown und den scharfen Begrenzungsmaßnahmen (Großveranstaltungen sind bis Ende August untersagt, ein Gesundheitsexperten kann sich sogar Sperren bis in den Herbst 2021 vorstellen) existenziell bedroht sieht.

Während auf Twitter viele Verständnis für die Sicht Culcha Candelas zeigten, gab es auch weiterhin ablehnende Haltungen. So schrieb ein Twitter-Nutzer: „Ihr habt einen Job und eine Perspektive. Ihr habt euch mit den Äußerungen nicht für Schwache stark gemacht, sondern einzig und allein für euch selbst. Und dann einen Tag später dieser hilflose Thread?“


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