Culcha Candela blamieren sich mit Corona-Verharmlosung


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Musiker und Künstler trifft die Corona-Krise derzeit besonders hart. Seit Wochen brechen Einnahmen weg, weil Veranstaltungen jeglicher Art untersagt sind. Homeoffice bringt Gitarristen, Filmemachern und Kabarettisten eben kein Geld ein.

Nun hat sich „heute show“-Lästerbacke Hazel Brugger auf Twitter einen kleinen Scherz erlaubt, der all jenen den Spiegel vorhalten soll, die das mit dem Lockdown nicht ganz verstanden haben und nun die aktuellen Infektionszahlen als klares Signal zur kompletten Rückkehr in die Normalität deuten.

Belastung durch Corona-Lockdown

„Den Lockdown beenden wollen, weil er funktioniert, ist genau so wie keine Kondome mehr zu benutzen, weil das Verhüten mit Kondom bis jetzt ja jedesmal geklappt hat“, schrieb die schweizerisch-US-amerikanische Komikerin, die in den letzten Tagen mit ihrem Kollegen Fabian Köster (ebenfalls „heute show“) eine Art tägliche Quarantäne-Sondersendung ins Netz stellt.

Obwohl es sich doch um einen recht harmlosen Joke handelt, der sich im Grunde sanft-spöttisch über alle Betonköpfe lustig macht, die das neuartige Coronavirus auch jetzt noch mit einer harmlosen Grippevirus vergleichen, der so schnell geht, wie er kam, reagierten trotzdem viele Hundert Twitter-User mit Häme. Darunter überraschend auch das Berliner Hip-Hop-Kollektiv Culcha Candela mit ihrem offiziellen Social-Media-Account.

Die Band schrieb: „nee, dann lass mal bis 2025 machen, wenn‘s funktioniert! vorsorglich, für alle kommenden pandemien! never change a runing system. lol. dass leute wie du, die hart vom auftrittsverbot betroffen sind (wie wir auch) so etwas schreiben, wundert uns jedes mal.“

Klare Kante gegen die Hysterie – aber natürlich auch ein blamabler Umgang mit global genutzten Maßnahmen, um das Gesundheitssystem bei möglichem sprunghaftem Anstieg der Fallzahlen nicht zu überlasten. Ein anderer Nutzer reagierte leicht veschämt auf diesen Beitrag: „Ey, ich hab hier Konzerttickets fürn Tausender liegen. Scheisse. No fun dieses Jahr. Aber besser als Tote. Alles wird gut!“

Wirklich Gegenwind bekamen Culcha Candela allerdings nicht. Stattdessen wird nachgelegt: „die mortalitätsrate ist unter 1%. da lohnt sich für uns als band schon fast die ansteckung, damit der wahnsinn vorbei ist und wir wieder normal leben können. über die straße gehen ist gefährlicher.“

Lohnende Ansteckung? Über die Straße gehen ist gefährlicher? Es braucht keine weiteren Worte, um deutlich zu machen, dass der Autor des Accounts, also mutmaßlich die Band selbst, von den Maßnahmen zur Eindämmung der starken Weiterverbreitung des neuartigen Erregers nicht viel hält.

Frust über die Situation?

Zugegebenermaßen spricht aus dem Kommentar aber auch der Frust, als Künstler in dieser Situation hilflos zu sein oder gar hängen gelassen zu werden. Dass Tausende Menschen, auch Musiker(innen), an den Folgen der Pandemie sterben, scheint ihnen aber nur mit Blick auf die vergleichsweise ungefährlich anmutende Zahl der Mortalitätsrate eine Erwähnung wert.

Sowohl von der Bundesregierung als auch von einzelnen Initiativen gibt es inzwischen Soforthilfeangebote. Allerdings deutet sich an, dass die ökonomische Situation für Künstler egal welcher Art in der nächsten Zeit dramatisch werden könnte. Großveranstaltungen sind in Deutschland bis 31. August verboten. Ein amerikanischer Gesundheitsexperte prognostizierte zuletzt gar einen noch sehr viel länger anhaltenden Außnahmezustand und Event-Stopp.