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Depeche Mode in Berlin: Die 21 meistunterschätzten Songs

11. Happiest Girl (1990)

… „Happiest Girl“. „Sea Of Sin“ und „Happiest Girl“, beides B-Seiten von „World In My Eyes“, haben eine gewisse Trance-artige Schwere, die dem auf Abwechslung und Single-Material bedachten „Violator“-Album abgeht. Zwei perfekte Tanzflächen-Songs, die bei denen der Gesang eher wie ein i-Tüpfelchen wirkt. Clubmusik, wie er im Jahr 1990 auf balearischen Dancefloors gut hätte laufen können.

12. Death’s Door (1991)

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Die Zeit, in der Song-Soundtracks noch gut waren! Allein der Blick aufs Cover zeigt schon, wer alles für einen Wim-Wenders-Film bereit war in die Bresche zu springen. Der Beitrag von Depeche Mode, ihr einziger originärer Song nach „Violator“ 1990 und bis „Songs Of Faith and Devotion“, beschreibt den Moment der letzten Lebensminuten: „Mother, are you waiting?Father, are you pacing? I’m coming home“.

Nach 1993 spielten Depeche Mode die Klavierballade Martin Gores nicht mehr live, leider. Könnte wie jüngst „The Things You Said“ wieder entdeckt werden. Zumindest im Abspann des „Devotional“-Tourvideos war er zu hören, inklusive Chor.

„Death’s Door“ war eine Vorarbeit zum Gospel von „Songs of Faith and Devotion“, der „Jazz Mix“ inklusive längerem instrumentalem Outro ist die noch bessere Version (erhältlich auf der „Condemnation“-Single, die vielleicht mehr Leute kauften als den Wenders-Score).

13. My Joy (1993)

Die einzige B-Seite der „Songs of Faith and Devotion“-Ära. „I’m not a mountain, no, You move me“ ist als Text vielleicht etwas ungelenk formuliert. Als Depeche-Mode-Rocksong kommt an „My Joy“ allerdings nur wenig vorbei. Hätte anstelle von „Rush“ einen Platz auf dem Album verdient gehabt.

14.  Mercy in You (1993)

Es gibt vierte Songs auf DM-Platten, die so viel Anerkennung erfahren wie die Singles („Halo“) und bis heute gespielt werden, und es gibt vierte, die nach der Plattentour in der Versenkung verschwinden. Dazu gehört leider auch der „Songs of Faith and Devotion“-Track „Mercy In You“.

Schon bei der 1993er-Tour wurde er nur im Wechsel mit dem etwas schwächeren „Get Right With Me“ gebracht. Es gab Chorsängerinnen und Gores bis heute schönste Wah-Wah-Gitarre:

15. The Love Thieves (1997)

Auf ihrer „Global Spirit“-Tour haben Depeche Mode die „Ultra“-Platte, vielleicht auch wegen des 20. Jubiläums, mit bis zu sechs Songs gewürdigt. „The Love Thieves“ wartet jedoch seit 1997 auf seine Live-Premiere (Martin Gore, führte es zumindest bei Solokonzerten auf, oben).

Ihre Alben leben von Berg-und-Tal-Konfigurationen, auf das mächtige „Never Let Me Down Again“ folgte einst die Zaghaftigkeit von „The Things You Said“, „World In My Eyes“ wurde abgelöst vom dräuenden „The Sweetest Perfection“. „The Love Thieves“ war der perfekte Come-Down-Song nach dem wie ein Panzer marschierenden „Ultra“-Eröffnungsstück „Barrel of a Gun“. Gareth Jones mischte hier wieder mit („Vocal Engineering“), und jedes Wort Gahans, dessen Drogenabhängigkeit die Band ins Aus führte, wurde, ob geschrieben von Gore oder nicht, auf seine Person gemünzt, auf ihn, den Überlebenden.

16. Comatose (2001)

Das Demo soll laut Gore und Andy Fletcher noch schöner, noch intimer gewesen sein. „Don’t be afraid / I’m floating away“ ist eine typische Gore-Zeile, die Gore auch selbst singt, weil er Liebe so oft als Abhängigkeit versteht.

Bei der „Exciter“-Tour führte er es nicht auf, man ahnte damals schon, dass es eine spätere Gelegenheit auch nicht geben würde. Der etwas bessere Electro-Blues von „Breathe“ erhielt live den Vorzug.

17. Macro (2005)

Mit „Macro“ widmet Gore sich, wie später in den „Sounds Of The Universe“, der Singularität: „See the microcosm / In macro vision / One universal celebration /One evolution / One creation.“ Der Songwriter würde ab dem neuen Jahrtausend einige spirituell bis astrologisch angehauchter Texte verfassen. Was „Macro“ so besonders macht, ist die Lautstärke-Dynamik, der krachende Drumcomputer, der den Liedern Gores eine Dramatik verleiht, die sie sonst selten haben.

Auf der Bühne bot „Macro“ auch Dave Gahan den seltenen Anlass, einfach im Hintergrund abzutanzen, statt sich backstage abzutrocknen.

18. The Darkest Star (2005)

„The Darkest Star“ ist unter allen bis heute nicht live gespielten der vielleicht beste: ein Ende wie der Sog in ein schwarzes Loch, ein typisches Schluss-Stück von Depeche Mode. Es fasst auch das Motto des Albums zusammen, denn „Playing The Angel“ wird darin referenziert.

Es lohne sich nicht, unschuldig zu tun, denn wir alle haben unsere dunklen Seiten. Binsenweisheiten, natürlich, aber eben auch ein Bekenntnis zu dem, was DM auszeichnete. Das Schwarze, nie das Weiße. „Stay as you are / the Darkest Star /Shining for me /Majestically“.

19. Newborn (2005)

Die beste ihrer späteren B-Seiten. Nicht nachvollziehbar, warum „Newborn“ nicht auf „Playing The Angel“ erschien – vielleicht war der erst mit der dritten Albumsingle „A Pain That I’m Used To“ veröffentlichte Song nicht rechtzeitig fertig, um auf der Platte zu landen. „I Want It All“ und „Nothing’s Impossible“ waren deutlich schlechter, womöglich wollte Gahan beide Songs einschleusen, fungierte er doch auf ihnen doch als Co-Songwriter.

Ein Lied mit ungewohnter Leise-Laut-Dynamik und einem ebenso an sich optimistischen Text, der durch die DM-typische Färbung dann doch seine Todesdramatik erhält: „Newborn / For the first time / I’m not born again /I have never lived at all.“

20. Light (2009)

Als Bonustrack von „Sounds Of The Universe“ erschienen. Überhaupt, die Bonustracks: Der Album-Nachfolger „Delta Machine“ hat zwar eine noch hochkarätiger besetzte Ersatzbank („Happens All The Time“, „Always“, „All That’s Mine“). Aber auch hier zeigt sich, wie schwer es für Gore, Gahan und Andy Fletcher gewesen sein muss, sich auf die Tracklist der regulären Platte zu einigen.

Als Instrumental übertrifft „Esque“ das Albumstück „Spacewalker“, „The Sun and the Moon and the Stars“ hätte auf „Sounds of the Universe“ gehört („In Sympathy“ raus), der Techno-Song „Oh Well“ ist zumindest interessant. „Light“ sticht hervor, allein schon, weil der Song so positiv ist und von Aufbruch handelt. Depeche Mode als Missionare: „You know we have to make a case for love / It’s more of a duty / It’s clear we have a mission from above /A mission of beauty.“

21. Happens All The Time (2013)

Wie schon bei „Sounds of the Universe“ lohnt sich auch hier die Bonus-CD. „Always“ zeigt Martin Gore von einer ungewohnt aggressiven Seite, aber das von Dave Gahan und seinem Partner Kurt Uenala komponierte „Happens All The Time“ ist der Höhepunkt – es hätte seinen Platz auf dem regulären Album verdient, das erstaunlich viel Füllmaterial aufwies („My Little Universe“, „Slow“, „Alone“ …)

Die Widersprüche sind bewegend, die Stimmung wechselt zwischen Abgeklärtheit („We Can’t Live In The Past“) und trauriger Einsicht: „No Need To Feel Ashamed / There’s Nothing To Be Gained /When Your Dreams Are In The Past“. Die Musik von Depeche Mode lebt von Melancholie, auch Nostalgie. Die Perspektivlosigkeit war neu.


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Netz-Fundstück: Mit extremer Leidenschaft intoniert hier ein Musiker den Depeche-Mode-Klassiker „Enjoy the Silence“ von 1990. Woher das Video stammt, wissen wir leider – noch – nicht, auch nicht den Namen des Künstlers, der bei einer Art spärlich besuchtem Volksfest zu später Stunde aufzutreten erscheint (UPDATE: Das Projekt trägt den lustigen Namen Milwaukee Mode, man lernt nie aus). Zumindest die Anzahl der Tätowierungen hat er mit Dave Gahan gemein, keine Frage. Am besten gefiel uns der Background-Gesang, der dem von Martin Gore tatsächlich nicht sehr unähnlich ist. Schade nur, dass der Clip endet, als „Personal Jesus“ beginnt. DEN Einsatz zu diesem…
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