Der „Neue“ bei den Rolling Stones: Wer ist Steve Jordan?


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Am 5. August 2021 machte eine Nachricht aus dem Stones-Lager die Runde: Charlie Watts könne krankheitsbedingt die kommenden Termine der „No Filter“-Tournee nicht wahrnehmen, hieß es damals. Zum ersten Mal seit 59 Jahren würde man die Stones live mit jemand anderem als dem großen Stoiker aus der Jazz-Schule erleben. Auch wer Watts vertreten würde, wurde damals gleich bekannt gegeben: Mit Steve Jordan holte man sich einen alten Weggefährten an Bord.

Neunzehn Tage später hatte man die traurige Gewissheit, dass man die Stones nie mehr mit Watts erleben können würde: Der Musiker ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Die Trauer und Erschütterung über seinen Tod war groß — und doch dauerte es nicht lange, bis die Band verlautbarte gab, die Tournee trotz dieses Schicksalsschlages fortzusetzen — mit Jordan am Schlagzeug.

Steve Jordans beeindruckende Vita

Steve Jordan „nur“ als Schlagzeuger zu bezeichnen, wäre allerdings zu kurz gegriffen. Der 1957 geborene New Yorker ist Musical Director, Multiinstrumentalist, Musikproduzent und Songwriter — und in jeder dieser Disziplinen höchst erfolgreich. Dass er musikalisch mit allen Wassern gewaschen ist, zeigte sich bereits im Teenager-Alter: Da spielte er mit Stevie Wonder in dessen Band WonderLove. Dass Jordan später mehrere Jahre in der Band der legendären US-Comedyshow „Saturday Night Live“ spielten würde, ist nur allzu passend — schließlich war die SNL-Band stets dafür bekannt, die ganz großen musikalischen Kaliber zu engagieren. Bei Jordan lief’s: Er tourte mit den Blues Brothers, spielte mit Paul Shaffer (ebenfalls ein ehemaliger SNL-Musiker) in dessen World’s Most Dangerous Band in David Lettermans „Late Night Show“ und war auch Teil von Eric Claptons Tourband.

Studiomusiker und Produzent

Als Studiomusiker spielte er ebenfalls mit den ganz Großen: So ist er, neben Dutzenden anderen, auf Alben von Bob Dylan, Bruce Springsteen, B.B. King, Cat Stevens, James Taylor, Stevie Nicks, Billy Joel, Eric Clapton, Herbie Hancock, John Mellencamp und Neil Young zu hören. Nicht zu vergessen ist seine Tätigkeit als Produzent, die ihm schon mehrere Grammy Awards einbrachte — unter anderem für Robert Crays „Take Your Shoes Off“ sowie für John Mayers „Continuum“. Mit Mayer verbindet Jordan eine langjährige Zusammenarbeit — seit 2005 ist er, gemeinsam mit dem Bassisten Pino Palladino, Teil des John Mayer Trios. Außerdem schrieb er für den Popstar den Song „In Repair“ (zu hören auf dem vorhin genannten Longplayer „Continuum“).

Die Sache mit den Rolling Stones

Aber da gibt es natürlich auch die wichtige Verbindung zu den Rolling Stones, die uns zum Hier und Jetzt führt: 1985 spielte Jordan einige Songs auf dem im Folgejahr erschienenen Stones-Album „Dirty Work“ ein. Die Band durchlief damals eine schwierige Phase: Watts hatte mit seiner Alkohol- und Heroinsucht zu kämpfen, die Band war fast nie gemeinsam im Studio, einige Schlagzeug-Parts übernahmen neben Jordan auch Anton Fig und, auf dem Stück „Sleep Tonight“, Ronnie Wood. Besonders Keith Richards schien beeindruckt von Jordan zu sein. Die Gitarrenlegende schanzte ihm mehrere Jobs zu — unter anderem einen Part auf einer „Jumping Jack Flash“-Coverversion von Aretha Franklin sowie die Teilnahme an einer Chuck-Berry-Doku, in der Jordan gemeinsam mit Richard performte. Die Chemie passte – und Jordan wurde zu Richards‘ Bandkollege in dessen Soloprojekt Keith Richards and the X-Pensive Winos.

Grandioses Rhythmus-Fundament

So niederschmetternd es ist, dass Charlie Watts nicht mehr dabei sein kann: Mit Steve Jordan hat die Band einen großartigen Musiker (wir sprechen hier bewusst nicht von „Ersatz“ oder „Nachfolger“) gefunden, der — gemeinsam mit dem Bassisten Darryl Jones — den Stones ein perfektes Rhythmusfundament geben wird. Steve Jordan beherrscht, genau wie Darryl Jones, alle Spielarten. Er ist im Pop und Rock genauso zu Hause wie im R&B — und auch Jazz war ein wichtiger Meilenstein in seiner musikalischen Laufbahn.

YouTube-Tipp: Steve Jordan im Interview mit Rick Beato

Wer sich genauer über Steve Jordan informieren möchte, dem sei sein Interview mit Musik-YouTuber Rick Beato ans Herz gelegt. Darin geht Jordan ordentlich in die Tiefe: Allein auf die Frage Beatos, ob er einige seiner Lieblingsdrummer nennen könnte, gibt er eine 18-minütige Antwort — und legt später nochmal nach.