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Die besten Doppel-Alben aller Zeiten: Can – „Tago Mago“


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„One-eyed soul, mushroom head. One-eyed soul, mushroom head. I was born. And I was dead.“ Die Improvisationen der Kölner Band klangen anders als die endlosen, gitarrenbasierten Jams von amerikanischen Psychedelic-Rockern wie The Grateful Dead oder Quicksilver Messenger Service. Can spielten weniger Töne, hatten nie Ambitionen, ihre Virtuosität zur Schau zu stellen. Dafür entfachten sie ein unberechenbares Brodeln, einen eigenwilligen Funk voller irrlichternder Sounds. Voodoo-Rhythmen, Free-Jazz-Praktiken und eine gute Portion Psycho-Performance verschmolzen mit profunden Kenntnissen der zeitgenössischen Neuen Musik.


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Im über 17-minütigen „Aumgn“ ist der Einfluss von Karlheinz Stockhausen, bei dem Irmin Schmidt und Holger Czukay in Köln Komposition und Musik studiert hatten, deutlich zu hören. „Halleluhwah“ ist ein wilder Ritt auf den minimalistischen, aber enorm intensiven Rhythmen des ehemaligen Free-Jazz-Drummers Jaki Liebezeit, begleitet von den zurückhaltenden Alien-Sounds, des gerade erst dem Teenager-Alter entwachsenen Gitarristen Michael Karoli. Die seltsame Bezeichnung „Krautrock“ passt hier noch weniger als sonst. Nichts an dieser Musik ist deutsch – und das ist gut so. Nach dem Ausstieg des Bildhauers und singenden Autodidakten Malcolm Mooney war „Tago Mago“ das Albumdebüt des japanischen Straßenmusikers Damo Suzuki. Holger Czukay hatte ihn in München auf der Straße angesprochen, gefragt, ob er Lust habe, später mit Can in der Diskothek Blow Up aufzutreten. Es muss ein furioser Abend gewesen sein. Damo Suzuki sang nicht einfach nur, er flüsterte, murmelte und schrie, schien in jedem Moment das Innerste seiner Seele nach außen zu kehren. Insofern ist das Album auch die Einlösung des auf „Monster Movie“ gegebenen Versprechens „Yoo Doo Right“. Eine Musik, die keine Grenzen anerkennt.


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Die fast poppigen Songs „Paperhouse“ und „Mushroom“ sind der perfekte Einstieg in das Album, das 1971 in Schloss Nörvenich in der Nähe von Köln entstand. Der Besitzer, ein Kunstsammler und Musenfreund, hatte der Band das weitläufige Anwesen für ein Jahr kostenlos zur Verfügung gestellt. Genug Zeit also für ausufernde Sessions, die manchmal bis zu 16 Stunden dauern konnten. So wird auf „Tago Mago“ auch das Studio zum Instrument, wenngleich mit deutlich einfacheren und improvisierteren Mitteln als bei „Pet Sounds“ oder „Sgt. Pepper“, dafür aber in der Tradition des Studios Elektronische Musik des WDR. Das zärtliche „Bring Me Coffee Or Tea“ beschließt ein Album, das nicht nur die Karriere von Radiohead geprägt hat. Und ja, es gibt ein paar Stellen, zum Beispiel im Mittelteil von „Peking O“, die sind ziemlich harter Stoff. Aber so ist das wohl mit Musik, die Grenzen überschreitet und Mauern einreißt – manchmal tut so viel Genialität eben auch ein bisschen weh.

„Tago Mago“ bezeichnet übrigens, so Holger Czukay 1998, einen Felsen vor Ibiza: „Mago bedeutet Magie, und Tago war der Name eines Magic Masters, der dort lebte.“


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