Die meistüberschätzten Filme aller Zeiten: The Dark Knight


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ROLLING STONE präsentiert: Die am meisten überschätzten Filme aller Zeiten. In unserer Serie stellen wir Werke vor, die gut sind, aber nicht so gut, wie die meisten Kritiker finden („Fitzcarraldo“); Werke, die weniger klug sind als gedacht („Blade Runner“); sowie Werke, die einfach nur weh tun („True Romance“). Teil sechs:

The Dark Knight (Christopher Nolan, 2008)

Christopher Nolans bis heute ambitioniertestes Werk ist nicht die Sci-Fi-Oper „Interstellar“, sondern sein 2008 veröffentlichter zweiter Batman-Film, „The Dark Knight“. Der Regisseur wollte „das Genre revolutionieren“, indem er den Kampf Gut gegen Böse loskoppelt von den Gesetzen des Comics, von all seinen Unwahrscheinlichkeiten und Albernheiten betrachtet. Stattdessen das Duell gebrochener Charaktere, die unter ihrer Maske Menschen sind wie Du und ich.

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Der Batman? Kein gerechter Rächer, im Gegenteil, einer, der das Leben seiner Mitbürger unterschiedlich werten würde, sollte man ihn vor die Wahl stellen. Der Joker? Ein ehemaliges misshandeltes Kind, das sich seinen Platz in der Gesellschaft, wenn auch mit verbrecherischen Methoden, erkämpfen möchte. Woher man das weiß? Jedenfalls nicht aus dem Film. Solche Schlüsse sind Vermutungen aus bestem Willen, die man selbst anstellen muss.

Alles ausdefiniert

Entstanden ist mit „The Dark Knight“ das Porträt zweier fertig definierter Männer, die versuchen über ihre Rollen zu verhandeln. Verkleidet in Karnevalskostümen. Sie sind unterhaltsam, ernst nehmen kann man sie nicht.

Vorbild für die vermeintliche „Charakterstudie“ ist Michael Manns „Heat“ von 1995. Der gilt als heutiger Maßstab für Porträtfilme, in denen die Grenze zwischen Helden und Antihelden nicht mehr zu definieren ist. Je mehr Leichen sie beklagen, desto dreckiger werden die Methoden. Am Ende erkennen Al Pacino als Cop und Robert De Niro als Krimineller, dass sie sich nur am Anfang ihrer Arbeit an gegenläufigen Enden befunden hatten. Getroffen haben sie sich dann in der Mitte.

https://youtu.be/EXeTwQWrcwY

Die Figuren in „The Dark Knight“ jedoch zeigen diese Ambivalenz nicht. Bruce Wayne alias Batman (Christian Bale) hat – wenigstens in den Verfilmungen – keine Tiefe. Er hat ein Kindheitstrauma, weil die Eltern vor seinen Augen erschossen wurden. Manchmal brütet der reiche Erbe über seine Verantwortung. Ob es ihm auch ja gelingt, die Gangs von Gotham dingfest zu machen. Das ist alles. Ansonsten gilt für ihn: Gutes tun, bis das Fledermauskostüm zerfällt.

Lustig ist besser

Weniger gelungen ist noch der Joker. Für dessen Darstellung erhielt Heath Ledger posthum den Oscar, der Legende nach hatte er sich zur Vorbereitung auf die Rolle über Tage in einem Hotelzimmer verschanzt. Nur geht dieser Figur am Ende jede Originalität ab. Ledger präsentiert einen wahren Blumenstrauß voller Manierismen. Am auffälligsten ist noch sein ständiges Schmatzen, vielleicht eine Parodie auf Anthony Hopkins‘ Hannibal, der wie ein Gourmet mit der Zunge schnalzte. Ledger humpelt, und bevor er meuchelt, erzählt er jedem seiner Opfer eine andere Variante seiner Autobiografie, und wie ihm als Kind die Mundwinkel aufgeschlitzt wurden.


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