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Dieter Hallervorden bei „The Masked Singer“ ist echtes Corona-Gegengift


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„Das Leben ist definiert durch Geburt und Tod“, sagte Dieter Hallervorden, als er am Dienstag (21. April) um kurz nach 23 Uhr tatsächlich den schweren Chamäleon-Kopf senkte und wie ein Zwanzigjähriger in die Kamera strahlte. „Die Zwischenzeit sollte man nutzen.“

Das tat er! Der Schauspieler, Kabarettist und Theaterbesitzer tänzelte durch „The Masked Singer“, dass es eine Freude war. Mit dem Singen wollte es seit der ersten Folge der zweiten Staffel – die nach einem Corona-Fall im Team kurzzeitig unterbrochen war – nicht so recht klappen. Aber die Show stimmte. Und die Jury um Ruth Moschner, Rea Garvey und einen wochenweise wechselnden Gast tippte früh auf Dieter Hallervorden.

Eine Ehre für „The Masked Singer“?

Und doch wollten sie es selbst nicht glauben. Eine TV-Legende in einer Quatschsendung bei ProSieben? Ein 84-Jähriger, der sich in den letzten Jahren regelmäßig brüskiert zeigte, wenn man ihn auf seine Vergangenheit als Blödelfigur „Didi“ ansprach? Einer, der sich im Fernsehen inzwischen rar macht und lieber auf der großen Leinwand und sowieso auf den Theaterbrettern nach Ruhm strebt?

Genau so einer sorgte nun für die TV-Überraschung des Jahres, weil er sich für diesen harmlosen Spaß zwischen Karaoke und Furry-Porn nicht zu schade war und „Daddy Cool“, „Ring Of Fire“ oder „Azzurro“, nun ja, sang. Oder doch eher performte, wie einer, der es allen anderen zeigen will und dem selbst ein kiloschwerer Reptilienanzug keine Atemprobleme bereitet.

Gereicht hat es für den Sieg nun nicht, das Chamäleon wurde im Halbfinale rausgewählt – „D.I.S.C.O.“ von Ottawan war dann doch zu gespreizt und ziellos. Als Hallervorden seine Maske lüpfte, wollte sich Moschner kaum mehr einkriegen vor Freude über den „hohen Besuch“, Gast-Juror Conchita Wurst fiel fast die Kinnlade herunter.

„Vor Ihnen steht ein Vertreter der Hochrisikogruppe“

Und was macht das Chamäleon? Es zeigt sich geehrt, bei „The Masked Singer“ dabei gewesen zu sein, reißt ein paar Zoten, gräbt freundlich die Blondinen im Saal an und macht fröhlich Werbung für einen TV-Film, der demnächst in der ARD läuft.

Hallervorden bei „The Masked Singer“ ist genau das, was TV-Deutschland in Zeiten von Corona brauchte. Ein fröhliches, offensichtlich sehr vitales Relikt („vor ihnen steht ein Vertreter der Hochrisikogruppe“) aus einer anderen Unterhaltungszeit in einem frechen Format, das in kürzester Zeit die Zuschauer im Sturm erobert hat.


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