Ein nicht zu überwindender Verlust: John Lennon wird erschossen

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Ein nicht zu überwindender Verlust: John Lennon wird erschossen

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Am 8. Dezember 1980 wurde John Lennon in New York erschossen. Für die ROLLING-STONE-Ausgabe 2/2011 blickt die Witwe des Beatle, Yoko Ono, auf dessen Karriere zurück – und wählte zehn Songs aus, die in Lennons Schaffen eine wichtige Rolle eingenommen hatten.

Yoko Ono liebt die Beatles, beschränkte sich bei der Erstellung dieser Liste aber bewusst auf die Songs, die Lennon nach der Trennung der Band aufnahm. “Er fühlte sich danach wirklich frei, er ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Es war die Wahrheit, die aus seinem Munde sprach.”

Die Zehn Songs:

1. “Oh My Love” 1971

In den meisten Love-Songs geht es darum, die Leute heiß aufeinander zu machen. Stattdessen hieß es bei ihm: “I see it clearly for the first time.” Es ging nicht um sexuelle Avancen, es ging nicht um “I miss you” – es ging ihm um die wirkliche Liebe.

John Lennon mit Yoko Ono
John Lennon mit Yoko Ono

2. “Gimme Some Truth” 1971

“Gimme Some Truth” ist heute aktueller denn je. Irgendwie war er seiner Zeit voraus. Und auch seine Musik hatte diese Qualität, die man in damaligen Songs nicht kannte.

3. “Give Peace A Chance” 1969

An diesem Song kommt man natürlich nicht vorbei. Er ist der Beleg, wie persönlich John schreiben konnte, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Und es funktionierte: Er regte die Leute zum Denken an, er löste wirkliche Veränderungen in dieser Welt aus.

4. “God” 1970

Ein starker und mutiger Song. Als ich zum ersten Mal die Zeile hörte “I don’t believe in Beatles”, musste ich schon etwas schlucken. Und so ging es anderen Leuten wohl auch, wenn auch aus anderen Gründen (kichert). Der Song ist sogar revolutionärer als “Revolution”. Er wischte alle Spinnweben weg und sagte: “Hier stehe ich.”

5. “Grow Old With Me” 1984

Er sagte zu mir, aber auch zu einer ganzen Generation: “Let’s grow old together.” Nach seinem Tod besaß ich nur eine Kassette mit dieser Aufnahme, die ich in meiner Handtasche aufbewahrte. Ich meinem Schlafzimmer hatte ich sogar eine Alarmglocke an der Tür, um wach zu werden, wenn jemand reinkommen sollte. Ich wollte unter allen Umständen vermeiden, dass die Aufnahme entwendet würde.

John Lennon und Yoko Ono beim Bed-In, 1969
John Lennon und Yoko Ono beim Bed-In, 1969

6. “Imagine” 1971

Akkordfolge und Bedeutung des Songs waren sehr simpel und direkt. Das war wichtig. Er hatte ein besonderes Talent für diese Art von Hymnen.

7. “Scared” 1974

Ich hatte den Eindruck, dass sich dieses Stück für eine Bearbeitung als klassische Musik geeignet hätte. Es transzendiert jedenfalls musikalische Grenzen.

8. “Jealous Guy” 1971

Es fiel ihm schwer, diesen Song zu schreiben – er sprach nun mal völlig offen über seine Eifersucht. Ich glaube, dass nicht viele Songschreiber dazu in der Lage wären. Sie würden wahrscheinlich auf Zehenspitzen um den heißen Brei schleichen.

9. “I Don’t Wanna Be A Soldier” 1971

“I don’t wanna be a soldier, Mama, I don’t want to die” – das sagt eigentlich alles. Ein wundervoller Anti-Establishment-Song, der nicht nur von einem Soldaten, sondern auch von einem Priester handelt. Georges Slide-Gitarre ist ganz wunderbar.

10. “Mother” 1970

Ein sehr intensiver Song. Frauen haben in der Geschichte der Menscheit nun mal eine wichtige Rolle gespielt: Letztlich wurde sie zwischen unseren Schenkeln geboren. John hatte den Mut zu sagen: “Mother, I need you.” Ihm war die Rolle der Frau in der Gesellschaft sehr wohl bewusst.

Der innigste Kuss der Musikwelt: Yoko Ono und John Lennon
Der innigste Kuss der Musikwelt: Yoko Ono und John Lennon
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