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Ennio Morricone in der Soundtrack-Welt des Quentin Tarantino

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Ennio Morricone in der Soundtrack-Welt des Quentin Tarantino

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Im Handel: ROLLING STONE im Februar 2016, Titelthema: Tarantino.

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Morricone in der Soundtrack-Welt von Quentin Tarantino

Wenn Quentin Tarantino später auf seine Karriere zurückblickt, wird er vielleicht weder die zwei Drehbuchoscars noch die Goldene Palme von Cannes und nicht mal den Ruf, der begabteste Geschichtenerzähler seiner Generation zu sein, als seinen größten Triumph sehen. Gut möglich, dass er stattdessen auf seine Zusammenarbeit mit Ennio Morricone verweist. 2015 war es dem Regisseur endlich gelungen, den 87-Jährigen als Komponisten zu gewinnen. Nicht nur für einen neuen Song – den hatte er ihm mit „Ancora qui“ schon 2012 für „Django Unchained“ abluchsen können. Der Italiener schrieb für „The Hateful Eight“ einen kompletten Score, seine erste Hollywoodarbeit seit über einem Jahrzehnt. Tarantino hat die Liedtitel aus Ehrfurcht sogar in der Originalsprache belassen: Was „La musica prima del massacro“ heißen könnte, versteht natürlich dennoch jeder.

Der Regisseur verehrt Morricone, vor allem dessen Spaghettiwestern-Werke der Sechziger. Gern wählt er von der Gitarre getragene Duellmusik mit Chören (wie „L’arena“ in „Kill Bill – Volume 2“, im Original aus „Die gefürchteten Zwei“). Tarantino inszeniert seit den Nullerjahren selbst High-Noon-Dramen, er bietet Kulissenkino mit Westernshowdowns, unabhängig davon, in welcher Zeit und in welchem Land sie spielen. Ob nach dem Mexican Stand­off im von den Nazis besetzten Frankreich („Inglourious Basterds“) oder bei Samurai­schwertkämpfen in japanischen Traumwelten („Kill Bill“): Früher oder später schwirrt eine Todesmelodie von Morricone durch den Raum.

Seit „Kill Bill“ von 2003 wachsen die orchestral-instrumentalen Anteile pro Film, es gibt immer weniger Songs. Dabei begründete Tarantino mit seinen ersten beiden Filmen, „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“, einen bis heute gewichtigen Trend: Er popularisierte Song-Scores, deren Lieder nicht extra komponiert wurden, sondern eine kluge Auswahl von Klassikern und Unbekanntem enthielten, die dem Film erzählerisch ebenbürtig ist. Die Stücke aus „Pulp Fiction“ vertiefen die Handlung – nur „Trainspotting“ von Danny Boyle sollte es zwei Jahre später ähnlich grandios hinbekommen. Wer unter 40 ist, assoziiert Al Greens „Let’s Stay Together“ immer mit „Pulp Fiction“ – und den Anweisungen, die der Drogenboss Marsellus Wallace dem stolzen Boxer Butch gibt.

Keiner beherrscht diese Neukanonisierung von Songs, die längst vergessen waren, so wie Tarantino. Beispiel Dick Dale: Nach dem Einsatz seines Surf-Instrumentals „Misirlou“ in „Pulp Fiction“ konnte der damals 57-Jährige im Herbst seiner Karriere wieder auf Tour gehen. Eine Band wie Urge Overkill wiederum, zuvor recht eigenständig, befreite sich nie von den starken Bildern, die ihr Neil-Diamond-Cover „Girl, You’ll Be A Woman Soon“ im Film begleitete: Mia (Uma Thurman) mit Überdosis.

Tarantino schert sich, auch da ist er König, einen Kehricht um die Kongruenz von Epoche und Musik. David Bowie singt im Off sein Moroder-Discolied „Cat People“, während in einem Kinofoyer Adolf Hitler herumspaziert („Inglourious Basterds“). 1858 ziehen in „Django Unchained“ Sklaven durch den amerikanischen Süden – dazu gibt’s mit „100 Black Coffins“ von Rick Ross einen Rap, der eben keine 154 Jahre mehr warten wollte, bis er geschrieben werden würde.
Vielleicht ist es deshalb umso mutiger, dass Tarantino für „The Hateful Eight“ mit Morricone neue Wege erkundet hat.

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