Oscars: Alle „Beste Hauptdarsteller“ von 2000 bis 2018 im Ranking

Oscars: Alle „Beste Hauptdarsteller“ von 2000 bis 2018 im Ranking

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18. Russell Crowe in „Gladiator“ (2000)

https://www.youtube.com/watch?v=SZ0eDT4db50&t=12s

Der Zeitpunkt stimmte einfach, da der Australier seit „L.A. Confidential“ (1996) auf der Hot List aller Awards stand. Crowe ist einer der besten lebenden Schauspieler. Der gefallene General und als Gladiator wieder auferstandene Maximus ist aber ganz eindeutig nicht Crowes beste Rolle. Hier ist er ein wortkarger Kämpfer, der seine getötete Familie rächen will und es deshalb mit dem römischen Kaiser aufnimmt.

Viel läuft über seine Augen, dieser Bär kriegt das auch gut hin, vor allem die Genugtuung, am Ende den Dolch immer tiefer in Commodus‘ Brust zu rammen.

Aber war er in jenem Oscar-Jahr wirklich der Überzeugendste? Crowe profitierte von schwacher Konkurrenz (Ed Harris, Geoffrey Rush, Javier Bardem) aus Flop-Filmen. Einzig Tom Hanks, der für „Cast Away“ mehr Kilos verlor als Robert de Niro sich anfuttern könnte, wäre ein Gegner gewesen. Aber Hanks hatte in den sechs Jahren zuvor bereits zwei Oscars erhalten.

17. Jean Dujardin in „The Artist“ (2011)

https://www.youtube.com/watch?v=YB9Oq0hn5KY

Eigentlich wurde ja der kleine Hund ausgezeichnet, oder? Nie wieder wird Dujardin auch nur in die Nähe eines Oscars kommen, die Academy beweihräucherte sich selbst, indem sie den Preis an einen Stummfilmdarsteller in einem Schwarzweiß-Film gab: Es lebe die goldene Ära, es lebe das alte Hollywood.

Wer nicht spricht, muss mit Mimik und Gestik überzeugen, auch hier war die Jury anscheinend überwältigt. Solche Darstellungen drohen aber naturgemäß ins Pantomimische oder gar Parodistische abzurutschen.

Dementsprechend konnte der Franzose danach nicht mehr reüssieren, in Martin Scorseses „Wolf of Wall Street“ wirkte er, auch wenn die Rolle so nicht angelegt war, wie ein Komiker.

16. Jeff Bridges in „Crazy Heart“ (2009)

https://www.youtube.com/watch?v=rzDiCKFKOYI

Bridges ist immer ein Leading Man, umso überraschender, dass bis heute vier seiner sieben Nominierungen nur in die Kategorie „Bester Nebendarsteller“ fielen. Für viele seiner besten Rollen (z.B. „The Fisher King“, „Fearless“) wurde er gar nicht mal nominiert.

Dieser Oscar war ein klarer Fall von „jetzt ist auch er mal dran“: Der Film war bedeutungslos, aber Bridges wurde 60, sah aus wie das Monument Valley und spielte einen alkoholkranken Countrysänger, der sich in eine Journalistin verliebt. Das sieht allein auf dem Papier schon nach Oscar-Material aus. Es reichte schon, überhaupt sein Gesicht im Bild zu sehen.

Bridges singt und spielt die Gitarre, das gab Pluspunkte. Am Ende wollte man ihn einfach endlich auf der Oscar-Bühne haben, wo er dann eine der souveränsten, beiläufigsten Dankesreden überhaupt hielt. Als hätte er nur beim Bingo gewonnen. Falls er in die ersten fünf am prominentesten besetzten Reihen geblickt hat, sah Bridges da fast nur Leute, die ihm nichts mehr hätten erzählen können.

Nur Morgan Freeman in der Rolle des Nelson Mandela war 2009 theoretisch eine Konkurrenz, aber Clint Eastwoods Biopic „Invictus“ war einfach nicht gut.

15. Colin Firth in „The King’s Speech“ (2010)

https://www.youtube.com/watch?v=sJLxsLteNDM&t=2s

Hollywood liebt „Gentleman-Briten“, aber der Gentleman-Brite ist im Film eine vom Aussterben bedrohte Gattung. Hugh Grant? Zu schlecht. Pierce Brosnan? Bleibt auf ewig unterschätzt. Und bei Liam Neeson kommt das raue Irische durch. Als George VI ist Firth solide und freundlich, dazu kommt, dass der König stotterte – schauspielerische Herausforderungen wie diese werden oft gewürdigt.

Zur Entscheidungsfindung beigetragen hat sicherlich auch, dass „The King’s Speech“ ein Biopic ist und Firth im damaligen Jahr in der „Hauptdarsteller“-Kategorie freie Fahrt hatte. Jesse Eisenberg den Oscar für seine Darstellung des Mark Zuckerberg („The Social Network“) zu geben wäre so gewesen, als hätte man Zuckerberg selbst den Oscar gegeben. Und der beste, Jeff Bridges („True Grit“), erhielt die Auszeichnung schon im Jahr zuvor.

14.  Daniel Day-Lewis in „Lincoln“ (2012)

https://www.youtube.com/watch?v=qiSAbAuLhqs

Es gibt wenige Politiker in der Geschichte der Menschheit, deren Erscheinungsbild, vielleicht sogar schon die Silhouette, derart bekannt sind wie das von Abraham Lincoln. Dennoch musste Daniel Day-Lewis sich ein wenig auf Idee und Intuition verlassen, denn vom 1863 verstorbenen US-Präsidenten gibt es natürlich kein Video. Immerhin viele Fotos und natürlich Schriften.

Was soll man sagen? Natürlich holte der Brite sich den Oscar, seine Statur war dafür wie geschaffen, Bart und Hut saßen wie angegossen. „Steven Spielberg engagiert Daniel Day-Lewis“ lautete vor Drehbeginn die Schlagzeile, und die Sache war geritzt.

Generell stellt sich bei Biopic-Oscars die Frage nach dem Wert einer Darstellung, für die die Nachempfindung einer echten Figur statt die Erfindung einer neuen Figur verlangt wird. Andererseits hätte man sich nicht sicher sein können, dass auch Liam Neeson in derselben Rolle gewonnen hätte (das Projekt wurde über Jahre geschoben, Neeson galt anfangs als gebucht, sagte später ab). Spielberg immerhin durfte sich, 38 Jahre nach seinem Hollywood-Debüt (1974 mit „Sugarland Express“) über den ersten Oscar für einen seiner Schauspieler freuen.

Day-Lewis war nun Allzeit-Spitzenreiter mit drei Statuetten für die „Beste Hauptrolle“, und natürlich gab es vor der Verleihung leise Zweifel, ob die konservative bis ängstliche Academy wirklich bereit war, diesen Rekord zuzulassen.

Womöglich hätte 2012 Joaquin Phoenix  für „The Master“ den Sieg verdient gehabt.

13. Gary Oldman in „The Darkest Hour“ (2017)

https://www.youtube.com/watch?v=LtJ60u7SUSw

Joe Wright ist der Regisseur für stromlinienförmige Geschichtsbetrachtungen, und auch in seinem Biopic über Winston Churchill bietet er seinem Hauptdarsteller Gary Oldman alle Möglichkeiten, exakt so aufzutreten, wie man es von ihm erwartet, so, wie man es auch schon von Brian Cox, John Lithgow oder Brendan Gleeson gesehen hat. Seinen ersten Auftritt hat der Feldherr natürlich im Bett, vor ihm ein Frühstückstablett. Es herrscht Krieg, aber Churchill kämpft dazu auch seinen eigenen Krieg, gegen die Laster, das Rauchen, das Trinken, das Essen. Erst das eine, dann das andere. Am Ende aber vor allem die Nazis schaffen.

Gary Oldman ist ein großer Schauspieler, aber Winston Churchill ist nicht unbedingt eine Herausforderung für große Schauspieler, die unter extremem Make-Up auftreten. Gerne hätte man etwas von Oldmans 60-Jährigem Gesicht gesehen, aber das ist stärker geschminkt als es einst sein „Dracula“ war, und stärker als jeder Churchill im Film zuvor. Es gab ihn gar nicht zu sehen.

Natürlich endet „The Darkest Hour“ mit der berühmten „We Shall Fight On The Beaches“-Rede, das ist aber nicht Oldmans Schuld. Er macht halt genau das, was von ihm gefordert wird.

12. Eddie Redmayne in „The Theory Of Everything“ (2014)

https://www.youtube.com/watch?v=Salz7uGp72c

Es kam alles zusammen, was Hollywood vergöttert. Erstens, die Darstellung eines Genies, Stephen Hawking, durch ein Nicht-Genie. Denn wenn ein Nicht-Genie ein Genie verkörpern kann, befriedigt das die Sehnsucht des normalen Menschen nach Größe. Zweitens die Tatsache, dass ein Schauspieler eine körperliche Behinderung, hier Lähmung durch ALS, nachempfindet. Wichtig zu wissen ist, dass die Academy solche Oscar-Würdigungen aus tiefstem Herzen vergibt – jener von Kritikern ins Spiel gebrachte „Behinderten-Bonus“ ist ein unfairer Einwurf.

Die meisten Menschen kennen Stephen Hawking als älteren Mann im Rollstuhl, Redmayne zeigt vor allem den jüngeren Forscher und die Zeitspanne, nachdem die ersten Symptome einsetzen. Das gibt ihm Spielraum.

In einem hochklassig besetzten Jahrgang hießen Redmaynes größte Konkurrenten Michael Keaton und Bradley Cooper. Keaton durfte als „Birdman“ nicht gewinnen, weil er sich mehr oder weniger selbst verkörperte, einen Has-Been, der nicht schauspielern kann – da hätte die Jury sich, gäbe sie ihm den Oscar, selbst bloßgestellt.

Und Coopers Darstellung des „American Sniper“ Chris Kyle war nicht ohne Brisanz, da der echte Soldat, wie berichtet wurde, seinen todbringenden Job nicht ohne Menschenhass ausgeübt haben könnte.

11. Philip Seymour Hoffman in „Capote“ (2005)

https://www.youtube.com/watch?v=UNqMH7M7JKQ

Man muss Hoffman den Ehrgeiz einer perfekten Anverwandlung unterstellen. Truman Capote bietet sich dafür auch an wie kaum ein anderer. Das Aussehen, der Gang, die Stimme, der Spott. Und das Leben des brillanten Autoren ist säuberlich dokumentiert.

Wie schon bei Day-Lewis als Lincoln oder Sean Penn als Harvey Milk sollte dann überlegt werden, ob diese Art Adoption nicht nur eine große Leistung, sondern auch eine große kreative Leistung ist.

Hoffman war größer als Capote und nicht ganz so feist, was aber für die Oscars kein Problem darstellte, da im selben Jahr auch der eher kleine Joaquin Phoenix in der Rolle des Hünen Johnny Cash nominiert werden konnte („Walk The Line“).

Das Problem lag darin, dass Hoffman 2005 einfach nicht der Beste war. Heath Ledger erwies sich in „Brokeback Mountain“ als der König von allen. Er verlieh einer literarischen Figur echte Eisberg-Qualität: Heavy ist, was unter der sichtbaren Oberfläche liegt. „Brokeback Mountain“-Autorin Annie Proulx hatte nach den Oscars ein Plädoyer für Ledger verfasst, in dem sie auch die Entscheidung für Hoffman kritisiert. Sie sagt völlig richtig: Hollywood liebt Mimikry.

10. Denzel Washington in „Training Day“ (2001)

https://www.youtube.com/watch?v=DXPJqRtkDP0

Wer glaubt, die Zeiten für schwarze Schauspieler seien heute gut, muss nur 17 Jahre zurückreisen, um noch gerade in das Ende einer düsteren Ära Hollywoods einzutauchen. Der „Bester Hauptdarsteller“-Triumph Denzel Washingtons war der erste eines Afroamerikaners seit 38 Jahren, seit Sidney Poitier mit „Lilien auf dem Felde“ (1963). So wie Jeff Bridges oder Philip Seymour Hoffman war Washington hier nicht in seiner besten Rolle zu sehen, aber auch er „war jetzt dran“.

Bemerkenswert ist, dass Washington einen Oscar für die Darstellung eines „Bösewichts“ erhielt, den korrupten Detective Alonzo Harris. In jüngerer Zeit fiele da einem sonst nur Forest Whitakers Idi Amin (2006, „The King Of Scotland“) ein.

Das macht die Preisvergabe zumindest zu einer mutigen Entscheidung, auch wenn die Konkurrenz trotz Biopic-Faktor (Will Smith als Muhammad Ali, Russell Crowe als John Nash) nicht ebenbürtig war.

09. Forest Whitaker in „The Last King Of Scotland“ (2006)

https://www.youtube.com/watch?v=iV_QgKJFZP0

Vielleicht das schwächste „Bester Hauptdarsteller“-Feld des bisherigen Jahrtausends. Ryan Gosling („Half Nelson“) war ein Newcomer, Leonardo DiCaprio ein Aufschneider in billigem Abenteuer („Blood Diamond“), Will Smith aus irgendeinem Grund dabei („The Pursuit Of Happyness“) … und dem ehrwürdigen Peter O‘ Toole („Venus“) wollte man den Academy Award einfach nicht geben. Blieb Whitaker, der als Idi Amin dennoch eine gute Figur machte.

Die Literaturverfilmung war käse, weil sie die Brutalität des ugandischen Diktators durch fiktive Annäherungen zu verstehen versucht. Ein Mann aus dem Westen, der schottische Doktor Garrigan (James McAvoy) wird in dieser Mär 1970 zum Leibarzt Amins. Vor allem aus seinen Augen erleben wir das Militär-Regime. Einem Afrikaner trauten die Filmemacher das wohl nicht zu.

Whitaker hat eine Lidmuskelschwäche am linken Auge, sie unterstützt seine vielsagenden Gesichtsausdrücke. Er kann verletzbar wirken, schelmenhaft, ängstlich, nachdenklich oder aggressiv. Er ist bullig und groß; er bestieg die Oscar-Bühne wie ein Boxer.

08. Sean Penn in „Milk“ (2008)

https://www.youtube.com/watch?v=7F7lUIapVz8

Wäre nach Sympathie – vielleicht auch Mitleid – entschieden worden, den Academy Award hätte Mickey Rourke als „The Wrestler“ bekommen, es war die erste Nominierung für den damals 56-Jährigen und dürfte es auch bleiben.

Aber „Milk“ hatte den Biopic-Faktor und eine Agenda. Sean Penn spielte Harvey Milk, den ersten US-Politiker, der als offen schwuler Mann in ein Amt gewählt und von einem Stadtrat 1978 erschossen wurde. Es war keine zynisch-kalkulierte Entscheidung der Jury, durch die Auszeichnung Penns (sein zweiter Oscar, fünf Jahre nach „Mystic River“) die LGBT-Community zu ehren, der Film war auch so einfach zu wichtig.

Gus van Sants Biografie bot Penn die Möglichkeit, trotz des traurigen Endes für Milk, endlich mal wieder ohne Grimm und Pathos aufzutreten. Es ist erstaunlich, wie oft der Mann, Sean Penn wie der echte Milk, trotz seines Kampfs um Anerkennung gelacht hat.

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