Erika Kirk präsentiert ihre Vision einer religiöseren USA

Beim „Turning Point USA-Women's Leadership Summit“ erntete die Witwe von Charlie Kirk Jubel wie Protest.

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Diese christlichen Damen wollen eigentlich nur ins Marriott. Doch draußen lauern dunkle Mächte. Auf einer Seite des Gebäudes steht eine Gruppe Frauen und Kinder in Kattunkleidern und brüllt über Megafone vom „wahren Jesus“. Auf der anderen Straßenseite inszenieren Frauen in roten Umhängen und weißen Hauben eine „Handmaid’s Tale“-Aktion, um die Teilnehmerinnen wegen ihrer Abtreibungsgegnerschaft zu beschämen. Irgendwo am Rand skandieren Vermummte, Erika Kirk schütze Pädophile. „Das nehme ich nicht hin“, sagt die junge Frau, die neben mir an der Ecke steht, während ich die Broschüre über den echten Jesus studiere. „Das ist Täuschung. Das ist der Teufel.“

Draußen mag die Welt verrückt spielen, aber diese Damen haben ein klares Ziel und sind beim alljährlichen Turning-Point-USA-Women’s-Leadership-Summit, um eine gute Zeit zu haben. Sie lassen sich die Laune nicht verderben, als sie in Wellen auf Espadrilles, Cowboystiefeln und Keds, auf soliden Keilabsätzen und glitzernden Sommersandalen auf das Konferenzzentrum zutaumeln – in wehenden Blumenkleidern und -blusen, die Wangen gerötet, das Haar in Lockenröhren den Rücken hinab. Sie steuern auf die automatischen Türen zu, die sich mit einem mechanischen Willkommen öffnen. Popmusik empfängt sie, und endlich sind sie unter Tausenden anderer Frauen, die die beste, gotterfüllte Version ihrer selbst sein wollen.

Neun Monate nach dem Attentat auf Charlie Kirk steht Erika Kirk an der Spitze von Turning Point USA, einer gemeinnützigen Organisation, die sich zu einer nationalen Bewegung entwickelt hat. Ihr Mann hatte Turning Point als 18-jähriger Schulabgänger mit dem Ziel gegründet, den Kulturkampf auf den College-Campussen zu gewinnen. Er brachte aufgeladene Dringlichkeit, spaltende Rhetorik und eine düstere Vision davon mit, was passieren würde, wenn sich junge Menschen von Gott abwandten. Jetzt, mit mehr als 85 Millionen Dollar Jahresumsatz, hat seine Witwe die Organisation übernommen und ihr eine weichere Note gegeben – offener, weitreichender, ähnlich den wehenden Blumenblusen, die sie bevorzugt.

Badges, Merch und Lifestyle

Die Rolltreppe hinauf geht es, die Protestierenden bleiben unten, und dann durch mehrere Sicherheitsschleusen. Schließlich legen sich die Frauen ihre Turning-Point-USA-Badges um, die sie draußen aus Sicherheitsgründen ablegen mussten. Drinnen ist diese Veranstaltung zu hundert Prozent Spaß! Ein rasierter Pudel ist in Rot, Weiß und Blau bemalt, es gibt Selfie-Stationen mit Glitzerlicht und mehr Merchandise, als man sich vorstellen kann. Frauen aller Altersgruppen sind hier, viele davon jung, mit Buttons wie „Cute Girls are Conservative“ und „Pretty Girls Don’t Vote for Socialists“. Man kann Baby-T-Shirts kaufen, auf denen „Proverbs Over Algorithms“ steht, oder Erikas eigene Linie biblischer Streetwear mit Slogans wie „Make Heaven Crowded“. Das ist nicht nur eine Konferenz, das ist ein Lebensgefühl. „It’s not political, it’s biblical“ ist das Mantra, das sich durchs ganze Wochenende zieht. Das sind Cute-servatives, eine glaubensbasierte Schwesternschaft, die sich im Brandy-Melville-Store genauso zu Hause fühlt wie in einer Vorstadtmegachurch.

In der riesigen Konferenzhalle ist es konzertdunkel, über dem Publikum leuchten rosa und lila Scheinwerfer, vorne strahlt die Bühne weiß und hell. Ein Mädchen mit Wurstlocken hat eine amerikanische Flagge um den Körper gewickelt und tanzt zu Justin Bieber, Shawn Mendes und Taylor Swift. Vor der Bühne hat sich so etwas wie ein Moshpit gebildet, bestehend aus Mitgliedern des Turning-Point-USA-Hype-Crews – einer engen Traube junger Frauen, die in der letzten Stunde die Stimmung angeheizt haben, während die Menge hereinströmte und Plätze belegte.

Als Erika Kirk um 17 Uhr die Bühne betritt, ist jeder Platz besetzt, jede Wand gesäumt von Menschen. Dreitausend Frauen schauen zu, während auf dem Videowürfel ihr Einlaufvideo läuft, das sie in einen historischen Kontext stellt: „Bevor Amerika eine Nation war, hatte es Frauen des Glaubens, die ihre Überzeugung durch eine zerbrechliche junge Nation trugen. Sie lehrten ihre Kinder, dass Freiheit kein Geschenk der Regierung sei, sondern ein Segen Gottes. Als die Welt mehr von Amerika forderte, forderte Amerika mehr von seinen Frauen.“

Erika Kirk betritt die Bühne

Ohrenbetäubende Schreie begrüßen Erika, als sie in einem weichen grauen Hosenanzug die Bühne betritt. Sie wirkt geschmeidig und kultiviert – keine Pionierinnenkleider für sie. Sie erzählt eine herzzerreißende Anekdote darüber, wie ihre Tochter ihren verstorbenen Vater mit seinem Mikrofon imitiert. Um mich herum höre ich leises Stöhnen – ihr Schmerz ist unvorstellbar, die Trauer im Raum greifbar. Ihr Mann, erzählt uns Erika zärtlich, manchmal über die Worte ihrer Rede stolpernd, sei ein Visionär gewesen, als er diese Konferenz vor einem Jahrzehnt ins Leben rief. „Er konnte sehen, wie jungen Frauen eine Lebensvorstellung verkauft wurde, die an der Oberfläche nach Ermächtigung aussah, sie darunter aber zunehmend unzufrieden zurückließ.“

In den folgenden 17 Minuten ist Kirks Rede rhetorisch stark – sie bewegt sich von der weitsichtigen Vision ihres Mannes über die Wünsche der Frauen bis hin zu den Schrecken dessen, was sie durchgemacht hat: dem Attentat auf ihren Mann und dem Nachbeben aus Wahnsinn und Verschwörungstheorien. Kirk, einst Miss Arizona 2012, ist abwechselnd poliert und gefasst, wütend und traurig. Ihre Nuanciertheit machte sie im vergangenen Jahr zu einer bekannten Persönlichkeit, als sie den Attentäter ihres Mannes während einer Gedenkfeier vergab, die live übertragen und von über 100 Millionen Menschen verfolgt wurde.

Doch anders als ihr Mann verliert Erika sich nicht zu sehr in den politischen Problemen, die die Gesellschaft plagen. Vielleicht hat sie zu viel erlebt. Stattdessen entwirft sie ein Bild davon, wie das Leben und die Zukunft aussehen könnten, wenn man das weltliche Urteil loslässt und sich Gott ergibt. Erika sagt dem Publikum, sie alle seien dort, weil sie einen höheren Zweck hätten als die irdischen Illusionen von Karriere und Ehrgeiz. Es sei „eine tiefere, durchdachtere Frage, eine moralische und spirituelle Frage: Welche Lebensvision werden Sie verfolgen?“

Ein Echo von JFK

Da ist ein Echo von JFK zu hören – der Appell an eine Generation, zu geben statt zu nehmen. Kirk ist meisterhaft. Wo ihr Mann die Dunkelheit und die Spaltungen dieser Nation beschwor, eint Erika ihr Publikum in Wärme und Zweckbestimmung. In ihrer Darstellung hat die feministische Bewegung die Frauen im Stich gelassen, indem sie Mutterschaft und Männer herabwürdigte und die Arbeit für andere um jeden Preis erhöhte. „Feminismus ist eine konkurrierende Kraft gegenüber der Männlichkeit“, sagt sie zu ihnen. „Statt etwas Ergänzendes zu sein.“ „Amen“, sagt die Frau hinter mir. Das ist eine spirituell eigene Version des Lean-in – Glaube und Familie an erste Stelle setzen und dabei sowohl gegen die Femi-Nazis als auch gegen die Konzernherren ankämpfen.

Doch gerade als sie ihr Bild eines würdigen Lebens für das Publikum zeichnet – eines, das Arbeit, Kinder, Leid, Tragödie, Vermächtnis und das Jüngste Gericht umfasst – wird sie unterbrochen. Ausgerechnet aus dem VIP-Bereich ertönt eine einzelne schrille Stimme: „Erika Kirk schützt Pädophile.“ Kirk schaut hinüber, mit Traurigkeit und einem Hauch Abscheu. Die drahtige Protesterin wird rasch herausgeführt, während das Publikum aufsteht und ihre Dunkelheit weggeklatscht. Erika wünscht ihr alles Gute, denn schließlich: „Die Ewigkeit ist lang.“

Während Erika die bekannteste außerhalb der Konferenz ist, ist es drinnen im Marriott Alex Clark, die als eigentliche Moderatorin des Wochenendes fungiert. (Kirk, so wurde mir gesagt, als ich um ein Interview bat, flog nach ihrer Rede ab.) Clark, eine zierliche, glattlockige Brünette, moderiert den Turning-Point-Podcast „Cultural Apothecary“. Sie hat Hunderttausende Abonnentinnen, die ihr und ihrer eigenwilligen Mischung aus Wellness und konservativem Christentum ergeben sind.

Alex Clark und ihr Verlobter

Als sie am Ende des Eröffnungsabends ans Podium tritt, erinnert Clark an das vergangene Jahr, als Charlie Kirk mit ihnen auf dieser Bühne gestanden hatte. Sie lobt den Gründer und sagt, sieben Jahre für ihn gearbeitet zu haben sei die Ehre ihres Lebens gewesen. Dann aber fügt sie eine Nuance hinzu: Sie fragt das Publikum, ob es sich an ein Q&A mit Erika und Charlie aus jenem Jahr erinnere, das ein bisschen „pikant“ geworden sei. Sie spielt einen Clip ab, in dem Charlie Kirk mit seinem comichaften Äußeren und seiner bestimmten Ausdrucksweise die Single-Frauen im Publikum fragt: „Wie viele von Ihnen – jeden einzelnen Tag – haben es als ihre Lebensaufgabe, einen Mann zu finden?“ Nach einer gedämpften Reaktion des Publikums sagt er streng: „Jede Hand sollte oben sein.“ Er fährt mit einer düsteren Salve von Statistiken fort und erklärt, dass Single-Frauen über 30 nur eine 50-prozentige Chance hätten, noch zu heiraten. Erika unterbricht ihn, um ihn zu beschwichtigen: „Gott ist gut“, und alles werde sich fügen. Charlie sagt: „Wenn Sie einfach nur nette Worte hören wollen, bitte sehr.“ Clark friert das Video an dieser Stelle ein.

Clark sagt, sie habe verstanden, wo er herkam, aber es habe wehgetan – sie war damals eine Single-Frau in ihren Dreißigern. Im Publikum zu sitzen habe sie gezwungen, einigen harten Wahrheiten ins Gesicht zu schauen. Sie sagt, die Zahlen seien noch schlimmer als Charlie behauptet hatte – jeder dritte Angehörige der Generation Z werde nie heiraten, jeder vierte nie Kinder bekommen. Aber Clark ist dort, um dem Publikum eine differenziertere Sicht auf das Frausein zu vermitteln, auch auf das Alleinsein als Frau. „Ihr Familienstand ist nicht Gottes Zeugnis über Ihr Leben“, sagt sie. Ausschließlich auf der Suche nach einem Mann zu leben und ausschließlich für die Karriere zu leben – beides seien Fehler. „Baut euch ein schönes Leben“, sagt sie ihnen. Was folgt, sind Ratschläge für alle Mädchen im Publikum, die in ihrer „Single-Season“ leben. Sie zählt auf, was man in der Zeit des Alleinseins alles erledigen kann – Ratschläge, die von „lebe dein bestes Leben“, „komm aus den Schulden raus“, „kauf dir alle Dekokissen, die du willst“ und „geh zum Pilates“ bis hin zu „lies Erziehungsbücher“, „informiere dich über Kindergesundheit und Bildung“ sowie „bereue deine Sünden und engagiere dich ehrenamtlich“ reichen.

Ihr letzter Rat: Keinen Mann posten, bevor man verlobt ist. Als sie das sagt, denken meine alten Ohren zunächst an einen Slangausdruck für Sex – gemeint ist aber tatsächlich, den Beziehungsstatus in den sozialen Medien zu teilen. Dann kündigt sie etwas an. Dunkelheit, explosiver Jubel, und heraus tritt ihr neuer Verlobter. „Hi CUTEservatives!“, sagt Vance Voetberg, der einen Substack über ganzheitliche Gesundheit für „Gym Bros und Omas“ namens „Running on Butter“ schreibt.

Die perfekte Erfolgsgeschichte

Clark hält einen riesigen birnenförmigen Diamanten in die Höhe und dreht sich auf der Bühne im Kreis – damit enthüllt sie die ultimative Erfolgsgeschichte: Sie hatte eine Karriere aufgebaut, sich auf die Heiligkeit von Ehe und Familie vorbereitet, ein bisschen Spaß gehabt, und jetzt steht sie hier beim natürlichen Happy End: mit einem Mann an ihrer Seite.

Falsch verstehen Sie mich nicht – ich habe mit allen anderen für Clark applaudiert. Und später saß ihr Verlobter in meinem Flug nach Phoenix. Er machte einen guten Eindruck: Er half vielen älteren Damen dabei, ihr Gepäck aus den Gepäckfächern zu holen. Auch wenn ich Feministin bin – ein Happy End mag ich auch.

Immer wieder fiel mir im Laufe der Konferenzeine Frau auf – groß und imposant in einem leuchtend barbierosa Brokatkostüm, mit langen, voluminösen blonden Locken und perfektem Make-up. An ihrer Seite: ihre 14-jährige Tochter Ella, ebenfalls im rosa Anzug. Als ich Nichole Jack Johnson schließlich anspreche, erfahre ich, dass sie ein Immobilienunternehmen, ein Betonbauunternehmen, eine Wellnessklinik in Zentraltexas sowie eine gemeinnützige Organisation leitet. Sie hat zwei adoptierte Töchter und einen Sohn, und sie erzählt mir, dass sie gezögert hatte, zur Konferenz zu kommen. „Ich war ein großer Charlie-Kirk-Fan“, erklärt sie, aber über Erika wusste sie wenig. Viele ihrer Freundinnen – konservative, christliche Freundinnen – mögen Erika Kirk nicht. Aber sie fühlte sich berufen und liebte die Bandbreite christlicher Weiblichkeit, die auf der Hauptbühne verkörpert wurde.

„Ich kann trotzdem mächtig sein und mich meinem Mann unterordnen“, sagt Johnson. Sie erklärt mir dann ausführlich und wohlüberlegt, wie sie sowohl dem Bild der Frau aus dem Buch der Sprichwörter entsprechen kann – die hart arbeitet, sich um Mann und Kinder kümmert und Gott über alles stellt – als auch ihren eigenen Weg geht. Das sei nur möglich, weil ihr Mann ein guter und gottesfürchtiger Mann sei. „Aber er ist ein Ehemann, der sich Gott unterworfen hat. Ich unterwerfe mich dem Gott in meinem Mann“, erklärt sie. „Ich hatte auch immer einen Job, verstehen Sie? Also der Widerstand, den ich gegen das Konzept der Unterordnung höre – ich stimme zu, das ist der schwierige Teil. Ich glaube an Unterordnung, aber ich glaube auch an Widerspruch.“ Als konservative christliche „Boss-Babe“ sagt sie, habe sie das Gefühl gehabt, dass es in diesen Räumen einen Platz für sie gebe. „Ich habe das Gefühl, das Klischee der konservativen christlichen Frau ist so eine Art barfuß und schwanger, verstehen Sie? Und das – das mag für manche Frauen zutreffen, aber das war ich nie.“

Frauen zwischen Karriere und Glauben

Im Laufe des Wochenendes begegnete ich Frauen wie Johnson, die das Gefühl hatten, in Erika Kirks Bild von Weiblichkeit Platz zu finden. Josephine Gleeson, eine 19-jährige Ingenieurstudentin mit langen blonden Haaren und hochgeschnittenen Vintage-Wranglers, war mit ihrer Mutter zur Konferenz gekommen. „Ich fand es wirklich ermutigend, weil viele der Botschaften davon handelten, was für ein Segen es ist, Mutter zu sein und, wissen Sie, in jungen Jahren eine Familie zu gründen. Aber für jemanden, für ein Mädchen wie mich – ich bin in der Schule, ich date niemanden, ich bin nicht verlobt – es war wirklich ermutigend, dass diese gottesfürchtigen Frauen Karrieren aufbauen und wirklich kraftvolle Dinge tun. Es war einfach ermutigend, dass sie nicht sagten, deine einzige Option sei, jung zu heiraten, verstehen Sie?“

In der Breakout-Session „Daughters of the King“ sprechen mehrere Pastorinnen über die Gefahren des Feminismus und die Bedeutung der Verbreitung des Glaubens. Katy Perrys Mutter Mary Hudson, in mit Glitzersteinen besetzten Schuhen, erzählt Anekdoten darüber, wie ihre Tochter als Kind von einem Prediger prophezeit wurde. „Als sie neun war, sagte er zu ihr: ‚Du wirst für Könige und Präsidenten singen, und deine Stimme wird den Zauber der Hexerei brechen.’“ Das Publikum keucht angesichts dieses prophetischen Wunders, aber Mary gibt dem Ganzen eine kleine Prise Salz. „Also, darauf warten wir noch.“ Ich glaube, sie meinte die Hexerei – so ist das eben mit Mutterliebe.

Während des Q&A am Ende der Session fragt eine ernste junge Frau sehr leise, ob es biblisch korrekt sei, dass eine Frau Pastorin ist. Jede Frau auf der Bühne arbeitet in irgendeiner Form als Predigerin, und jede Frau, die auf der Konferenz gesprochen hat, hat irgendeine Art von Karriere – die Frage kommt also einer Provokation gleich, die impliziert, es sei gottlos für Frauen zu predigen. Shayla Perez, eine christliche Influencerin und Predigerin mit Mikropony und einem langen, engen Karokleid, greift zum Mikrofon. Sie bietet an, die junge Frau danach draußen zu treffen, um ihre theologische Begründung für ihre Arbeit zu erläutern, aber vorerst sei das eine Nebensache, sagt sie. Eine Ablenkung.

„Wir konzentrieren uns nicht auf das Wesentliche. Babys werden im Mutterleib abgetrieben. Männer werden zu Frauen. Wir haben Frauen, die glauben, ihre Karriereentscheidungen seien ihre einzige Form von Wert. Es gibt Frauen, die gerade zum Islam konvertiert werden. Was in der Kirche passiert, geschieht direkt vor unserer Nase, und wir streiten über Dinge, die völlig zweitrangig sind.“

Volle Säle, leere Stühle

Samstagmorgen waren die Gänge voll mit zielstrebigen Damen, die versuchten, in Breakout-Sessions zu gelangen, die alle restlos ausgebucht schienen. „Gehst du zu Leadership oder Weizen?“ war der Refrain einer Schlange, die sich um die Konferenzhalle wand. „Leadership!“ „Weizen!“ Am Ende kamen viele zu keiner von beiden: Sowohl „Leading with Faith: A Conversation on Purpose, Leadership, and Calling with Michelle Bachmann“ als auch „The Truth About Wheat and Disease with Sue Becker“ waren überbucht, und der Brandschutzbeauftragte wurde bemüht. Die Frauen verteilten sich enttäuscht in der Lobby. Ich schloss mich einer kleinen Gruppe an, die zu „A Plan for the Unplanned“ ging – und war überrascht, dort reichlich Platz zu finden.

Als Phoebe Vidacak, 25, in einem waldgrünen Hosenanzug und mit Ohrhörer die Bühne betrat, war die Atmosphäre wie aus dem Lehrbuch für Girl-Boss-Talks. Vidacak war in Australien im Masterstudium, als sie angesprochen wurde, bei der Mitgründung von Plana zu helfen – einer gemeinnützigen, glaubensbasierten Wellness-App für Frauen, die sich mit einer ungeplanten Schwangerschaft konfrontiert sehen. „Was braucht es, damit die Entscheidung für das Leben der nächsten Generation leichter wird?“, fragt Vidacak, während sie über die Bühne schreitet. Sie schildert ihre Entstehungsgeschichte, die Begegnung mit einem Tech-Investor, der ihr half, darüber nachzudenken, wie man lebensbejahende Fürsorge zu jungen Frauen bringen kann, die mit ungeplanten Schwangerschaften umgehen. Das fühlte sich leicht nach einem Vortrag an, der auch auf der TED-Hauptbühne hätte gehalten werden können. „Ich liebe einfach Systeme und Design. Und wie wir Technologie und Systeme nutzen können, um das Leben aller einfacher zu machen.“ Das Publikum nickt begeistert.

Doch bei allem schicken Branding und aller Politur – der Feier von Frauen in der Arbeitswelt, der spirituellen Version des Alles-haben-Könnens – gab es durchaus Ideen, die randständiger wirkten. Verurteilungen von Feminismus, Cancel Culture, Wokeness und Transpersonen zogen sich durchs gesamte Wochenende. Die Dinge, die hier drinnen als erstrebenswert gelten, lassen sich leichter schlucken als die Dinge, die verachtet und verurteilt werden. Jede Bewegung hat ihre wilde Seite, und davon war hier reichlich zu sehen. Die feurigsten Reden kamen von zwei australischen Schwägerinnen, die jeweils einzeln auf die Bühne traten und jede Menge Verurteilungen im Gepäck hatten. Während ich mich dabei ertappte, zustimmend zu nicken, als Millicent Sedra sagte, Frauen, die Hunde im Kinderwagen schieben, sei das Zeichen Luzifers auf Erden, fiel es mir schwerer, Noleens Logik zu folgen, dass Feminismus eigentlich ein satanischer Kult sei, der vom Teufel erschaffen wurde, um Babys zu töten. Oder dass New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani, weil er Muslim ist, Transpersonen anlüge, die er heimlich von einem Gebäude stoßen wolle. Diese Berichterstattung hatte ich verpasst.

Gesundheit und Wellness waren ein großes Thema der Konferenz – von den Vibrationsplatten und Rotlichttherapien, die in der Sponsorenhalle zum Kauf angeboten wurden, bis zu den Rednern, die über die Gefahren von Impfungen und Giftstoffen in der Nahrungsmittelversorgung sprachen. Da ich in einer „New Age“-Gemeinschaft aufgewachsen bin, war mir das vertrautes Terrain. Es gab eine Frau, die über Butter sprach, und eine Ärztin, die über Nahrungsergänzungsmittel referierte. Aber ich war überrascht, als Zen Honeycutt ihre Rede damit beendete, dass sie über den Suizid ihres 22-jährigen Sohnes im vergangenen Jahr sprach. Sie machte „die toxische Belastung seines Körpers durch die Impfungen und das Essen“ für seinen Tod verantwortlich. Sie sagte dem Publikum junger Frauen, es tue ihr leid, dass er nicht dabei sein konnte. „Er hatte nie die Chance, eine feine junge Frau zu daten, wie ich sicher bin, dass die meisten von Ihnen eine sind. Er wollte eine ungeimpfte, vegane Jungfrau.“ Ich bemerkte, wie viele Frauen sich anschauten – das kam für dieses Publikum etwas weniger inspirierend an.

Erweiterung der Bewegung

Während Frauen konservierungsmittelfreies Rouge ausprobierten und einen Online-Quiz machten, um herauszufinden, welcher biblischen Gestalt sie am ähnlichsten sind, war die Wandlung dieser Bewegung spürbar – wie sie sich ausdehnt, um die nächste Generation junger konservativer christlicher Frauen aufzunehmen. In religiösen Bewegungen gelingt es Führungspersönlichkeiten der nächsten Generation, die charismatische Gründer beerben, in der Regel nur dann, wenn sie die Lehre erweitern und weiten. Diese Frauen würden Erika Kirks Rat folgen, im Glauben fokussiert zu bleiben, auch wenn sie das Leben in all seinen Möglichkeiten in vollen Zügen lebten.

„In all dem haben Sie die Wahl, welchen Weg Sie einschlagen“, sagte Erika, nachdem die Störerin aus dem Konferenzzentrum geführt worden war – ihre Darbietung eine echte Steel-Magnolia-Nummer. Biblische Wahrheit werde sie gegen das Rauschen der Gesellschaft wappnen, erklärte sie. „Sie können eine Frau der Welt sein – wie wir gerade gesehen haben – oder Sie können eine Frau des Wortes sein. Diese Wahl liegt bei Ihnen … Jede Frau in diesem Raum baut etwas auf. Wir alle befinden uns an verschiedenen Punkten in unserem Leben, in verschiedenen Phasen. Aber Sie bauen etwas – Ihre Gewohnheiten, Ihre Familie, Ihre Zukunft, Ihre Werte, Ihren Charakter – das bauen Sie. Also frage ich Sie noch einmal: Was für eine Frau werden Sie sein?“ Sie hielt inne und schwenkte dann von ihrem weiten Terrain der Wahlmöglichkeiten zu der Lieblingsdevise ihres Mannes für junge Frauen. „Kriegt mehr Kinder, als ihr euch leisten könnt.“

Claire Hoffman schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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