ESC-Song „Fire“: Wovon zum Teufel singt Sarah Engels da?

Man kann sich von dem deutschen ESC-Beitrag „Fire“ von Sarah Engels einfach berieseln lassen. Oder man hört genau hin.

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Man muss nicht erst Stefan Raabs Gaga-Song „Wadde hadde dudde da“ aus der Mottenkiste kramen, um festzustellen, dass es bei ESC-Stücken nicht unbedingt auf die geistreichen Texte ankommt. Bekanntlich zählen Show-Effekte, Charisma, Sexyness, Beschwingtheit, Tanzvermögen und manchmal auch einfach nur die richtige Einstellung zum Leben sehr viel mehr als eine clevere Zeile.

Am Samstag geht Sarah Engels für Deutschland beim Eurovision Song Contest an den Start. Bekanntlich eine begabte Sängerin, nachgewiesenermaßen eine gute Tänzerin („Let’s Dance“!) und auch in anderen Feldern, mit denen man beim Publikum punkten kann (siehe oben), zumindest vorne dabei.

Engels Song heißt „Fire“. Abgesehen davon, dass es sich dabei natürlich entsprechend um eine feurige Nummer mit eingängigen Pop-Elementen handelt, steckt darin viel Empowerment-Logik. Achten man verstärkt auf die Lyrics – was, wie gesagt, nicht zwingend notwendig ist, um die Message zu verstehen – dann erkennt man: Es handelt sich um eine Trennungserklärung an einen manipulativen Ex.

Die Bedeutung von „Fire“

Die Grundhandlung ist natürlich erstaunlich simpel: Ein Mann hat eine Frau schlecht behandelt („nonsense what you’ve been doin‘ to me“). Er lügt oder verdrängt seine Schuld („you’re a liar“, „stop denyin’“). Er verschwindet und taucht wieder auf, wenn es ihm passt („like a vampire, you hide, then come out at night“). Sie erklärt, dass sie diesmal nicht mehr zurückgeht. Stattdessen ist sie „on fire“, stark, nicht mehr Opfer.

Das ist natürlich ein klassische ESC-Motiv: Ich war verletzt, jetzt bin ich stärker. Der Beat zeigt es uns allen. Oder etwas böser formuliert: Der Song ist eine Analogie zu jenem Moment, in dem jemand nach drei Monaten Instagram-Abstinenz plötzlich eine Story mit einem Sonnenuntergang postet und dazu „Healing Isn’t Linear“ schreibt.

Die Mehrdeutigkeit des Wortes „Fire“ irgendwo zwischen Leidenschaft, Wut, Selbstermächtigung, überschießender Libido, Rache und womöglich sogar Bühnentechnik ist immerhin gut gemachtes ESC-Handwerk. „Fire“ reimt sich auch so gut auf „Liar“. Da ist Deutschland in den letzten Jahren schon deutlich, sagen wir, weniger wettbewerbsorientiert aufgetreten.

Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Zeilen wie “I can fake it ’til I make it, but I won’t / If you crave it, you can take it, but you don’t” beim näheren Hinsehen schlicht semantischer Quatsch sind und ein bisschen nach DSDS-Satzbaukasten klingen. Passt schon, Hauptsache die Silben landen auf dem Beat.

Wenn Sarah Engels beim ESC wie auch ihre Vorgänger:innen der letzten beiden Jahre eher im hinteren Mittelfeld landet, dann hat das aber zumindest wenig mit ihrem Lied zu tun. „Fire“ erzählt schließlich weniger eine Geschichte, als eine Haltung zu präsentieren. Es geht nicht um eine (gebrochene) Beziehung, sondern um das Inszenieren von emotionaler Souveränität. Etwas, das gleichzeitig bei TikTok und vor Tausenden von Fans funktioniert.

Sarah Engels: „Fire“ – Lyrics

„Stop denying, ′nying, no lying, lying no more

Boy, I’m out of your league
Nonsense, what you′ve been doing to me
Just know that I could take my revenge
I could go out with all of your friends

I could fake it ‚til I make it, but I won’t
(Fake it ′til I make it, but I won′t)
If you crave it, you could take it, but you don’t
(Crave it, you could take it, but you don′t)
I don’t want it, I don′t need it
And I won’t let you repeat it
You just play until you break it and it′s blown (blown, blown)

I’m on fire, fire
You’re a liar, liar
Stop denying, ′nying, no lying, lying no more
Like a vampire, you hide and come out the night
Stop denying, ′nying, no lying, lying no more

I’m on fire, fire
(I′m on fire, fire)
Stop denying, ’nying, no lying, lying no more

Just wait a minute, you′re gonna see (see, see)
That you won’t find another like me
You′ll come around and I’ll be too late
‚Cause I won′t do the same old mistake

I could fake it ′til I make it, but I won’t
(Fake it ′til I make it, but I won’t)
If you crave it, you could take it, but you don′t
(Crave it, you could take it, but you don’t)
I don′t want it, I don’t need it
And I won’t let you repeat it
You just play until you break it and it′s blown

I′m on fire, fire
You’re a liar, liar
Stop denying, ′nying, no lying, lying no more
Like a vampire, you hide and come out the night
Stop denying, ’nying, no lying, lying no more

I′m on fire, fire
(I’m on fire, fire)
Stop denying, ′nying, no lying, lying no more
Like a vampire, you hide and come out the night
Stop denying, ’nying, no lying, lying no more

(I’m on fire)
I′m on fire (I′m on fire, fire)
You’re a liar, liar
Stop denying, ′nying, no lying, lying no more

Like a vampire, you hide and come out the night
Stop denying, ’nying, no lying, lying no more
I′m on fire
I’m on fire
Like a vampire, you hide and come out the night
Stop denying, ′nying, no lying, lying no more“

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.