Nein, Freddie Mercury stoppte nie ein Queen-Konzert für ein Mädchen
Derzeit wird das Netz überschwemmt mit einer KI-Story über Freddie Mercury.
Freddie Mercury sah ein weinendes kleines Mädchen in der Menge. Was er als Nächstes tat, verschlug 80.000 Fans die Sprache. Mit diesem Text beginnt ein Video, das derzeit im Netz kursiert. Es zeigt den Sänger von Queen im berührenden Kontakt mit einem Mädchen in der ersten Reihe bei einem Konzert.
Veröffentlicht wurde der Clip unter anderem auf dem YouTube-Kanal „Freddie Mercury: The Untold Story“. Bekanntlich auch eine Dokumentation über Mercury aus dem Jahr 2000. Aber hier und woanders ist nie die Rede von diesem vermeintlichen Gänsehaut-Ereignis.
Was täuschend echt aussieht, ist nur eine KI-Story. Clever inszeniert, aber eben nur ausgedacht. Eine angeblich gerade sieben Jahre alt gewordene Emma Martinez hält an ihrem Geburtstag weinend ein Schild in der Hand: „Freddy, My Mommy Loves You“. Allein für sie, wird uns weisgemacht, stoppte Mercury den Auftritt seiner Band.
Viele ausgedachte KI-Geschichten über Freddie Mercury
Wer sich im Internet auf die Suche nach dem Video begibt, wird gleich mehrfach fündig. Da kniet der Queen-Frontmann vor einem Mädchen im Publikum und dann vor einem Jungen im Rollstuhl auf der Bühne. In einem weiteren Video ist es dann wieder ein Mädchen im Rollstuhl. Manchmal ist das Kind schwer krank, dann wieder nur ein großer Fan des Sängers.
Mit den Details nahm es die Künstliche Intelligenz, wie man es ja auch in anderen Fällen gewohnt ist, nicht so ernst. Während die Geschichte unterschiedlich, aber immer über alle Maßen hochdramatisiert, erzählt wird. Einmal heißt es, dass sich der spontane Moment im Madison Square Garden ereignet habe. Dann ist wieder vom Wembley Stadium die Rede.
Gennant wird in einem Video der 19. September 1982 in New York. 1982 befanden sich Queen im September tatsächlich als Teil ihrer „Hot Space“-Tour in den USA, aber sie spielten nicht am 19. September im Madison Square Garden. Ihr letzter Gig der Nordamerika-Tour war am 15. September im Forum in Inglewood (Kalifornien). Danach ging es im Oktober weiter nach Japan.
Während die melodramatische Inszenierung des KI-Videos mit sanfter Männerstimme schnell skeptisch macht, beeindruckt dennoch die Detailtiefe der sentimentalen Geschichte drumherum. Da ist im Fall von „Emma Martinez“ etwa die Rede, dass sie vom Tag ihrer Geburt an von ihrer Mutter Queen-Songs vorgespielt bekam. Später wurde ihre tiefe emotionale Verbindung zu Mercurys Stimme, so heißt es in dem Clip, sogar wissenschaftlich belegt.
Der ominöse YouTube-Kanal mit seinen KI-Videos hat auch noch andere ausgedachte Storys über Freddie Mercury parat. Es wird von magischen Momenten berichtet. Zum Beispiel verlor er seine Stimme und riss dann plötzlich alle Fans von den Sitzen. Einmal fiel er bei einem Konzert hin und machte daraus einen Teil der Show. Er schrieb sogar ein ganzes Album von Queen um, nachdem ihm ein Kind ein Geheimnis verraten hatte.
Was nur ein weiteres Beispiel für die suggestive Wirkung von KI-Produkten ist, zeigt mit seiner modernen Märchen-Adaption im Fanfiction-Stil aber auch, dass es in den nächsten Jahren verstärkt zu solchen „Alternative History“-Versuchen kommen könnte. Als Unterhaltungsware mag das sogar ansprechend sein, aber es will die Menschen ja doch an der Nase herumführen.