Früher war mehr Fitze-Fatze: Helge Schneider endlich erklärt

Es dauert nicht einmal eine Seite, da taucht in Peter Kempers ebenso empathischen wie kurzweiligen Betrachtungen von Helge Schneider der erste Soziologe auf: Dirk Baecker stellte einst fest, dass der erratische Unterhaltungskünstler den Ernst des Albernen auf den Punkt und den Begriff bringe. Später werden sogar die Kulturtheoretiker De­leuze/Guattari bemüht, um den Virtuosen des Unsagbaren als Paradebeispiel für einen Sprachmagier der Minoritätenliteratur zu vereinnahmen.

Natürlich entzieht sich das Phänomen Helge Schneider einer lediglich 100-seitigen Abhandlung, weil sein clowneskes Verhalten nur mit viel Aufwand seziert werden kann. Mitunter hat Schneider diese Aufgabe in der Vergangenheit ja auch selbst übernommen. Dieses Buch versucht es deshalb gar nicht erst, auch wenn der Autor für den Verweigerungskomiker eine erheiternde Vielzahl an Bezeichnungen findet.

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Helge Schneider macht einfach weiter, was er kann (oder eben nicht kann)

Stattdessen werden Inspirations- und Reibungsflächen vorbildlich, wenn auch etwas unkritisch ausgebreitet. Man erfährt vieles, was man schon wusste (Schneider entdeckte seine erste Miles-Davis-Platte im Müll und so den Jazz für sich) – und noch mehr, was man unbedingt wissen sollte (zum Beispiel über die Vorbilder Adrien „Grock“ Wettach und Frank Zappa).

Das Phänomen Helge Schneider ist nicht leicht zu entschlüsseln
Das Phänomen Helge Schneider ist nicht leicht zu entschlüsseln

Nicht ohne Wehmut erkennt Kemper allerdings, dass sich Helge Schneiders musikalische Subversionsstrategien inzwischen ausgereizt haben – weil jeder sie kennt und sie auch etwas häufig wiederholt wurden. Der begnadete Geschichtenerzähler und Berufsdilettant hat sich nie mit solchen Popularitäts­paradoxen beschäftigt. Er macht einfach weiter, was er kann. Oder eben nicht kann.

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