Geese erinnern uns daran, warum echte Bands zählen
Wie Brooklyns Geese zur aufregendsten Jungband seit Jahren wurden – und was Cameron Winters Soloerfolg damit zu tun hat.
Eine brauchbare Definition einer echten Rockband lautet: Der Drummer muss genauso viel zählen wie der Sänger – und obwohl Rockeinflüsse die Pop-Charts durchziehen, war genau diese Art von Gruppe im Mainstream großer Teile dieses Jahrhunderts kaum zu finden. Selbst die größten Indie-Acts der letzten 15 Jahre tendieren dazu, Solokünstler zu sein, die sich als Band tarnen. Brooklyns Geese aber, die aufregendste Rockband seit Jahren, sind eine absolute Ausnahme. Klar, Frontman Cameron Winter ist ein herausragender Songwriter in der Tradition von Lou Reed, Tom Waits und Leonard Cohen – aber wie Producer Kenny Bloom ROLLING STONE letztes Jahr sagte: „Es ist nicht ein Genie und ein Haufen Leute, die einfach cool sind. Das ist eine Band, in der jedes Mitglied wirklich talentiert ist und wirklich interessante Dinge macht.“
In der neuen Folge von „Rolling Stone Music Now“ diskutieren Rob Sheffield und Host Brian Hiatt alles rund um Geese – die ganze Episode gibt es auf Apple Podcasts oder Spotify. Unter anderem zeichnen die beiden den merkwürdigen Weg nach, der Geese (Winter, Drummer Max Bassin, Gitarristin Emily Green und Bassist Dominic DiGesu) zu diesem Moment geführt hat. Nach ihrem exzellenten, aber etwas übersehenen Album „3D Country“ von 2023 – das gelegentlich an die Jon Spencer Blues Explosion erinnert – war die Band entmutigt. Dann katapultierte der überraschende Erfolg von Winters grandiosem Solodebüt „Heavy Metal“, inklusive der Instant-Classic-Ballade „Love Takes Miles“, die Band auf ein neues Level.
Als Geese mit dem letztjährigen „Getting Killed“ zurückkamen – einem Sound, den Sheffield mit einer „In Rainbows“-Coverband vergleicht, die sich an Talking Heads‘ „Fear of Music“ versucht –, war die Welt mehr als bereit. Das Album brachte ihnen eine SNL-Parodie ein und schließlich einen tatsächlichen Musikgast-Auftritt in der Show, bei dem Winter ein Millionenpublikum fröhlich ratlos zurückließ, indem er sich durch den Höhepunkt von „Trinidad“ kreischte: „There’s a bomb in my car!“ Paul Thomas Anderson und Benny Safdie tauchten auf, um Winters Soloshow in der Carnegie Hall zu filmen, und Rocklegenden von Julian Casablancas über Jeff Tweedy bis Patti Smith reihten sich ein, um die Band zu loben. In den vergangenen Wochen gewannen sie bei den Brit Awards den Preis als International Group of the Year, und Olivia Rodrigo soll angeblich bei einem Pariser Konzert aufgetaucht sein.
Polarisierend wie die Strokes
Nicht zuletzt wegen Winters unverwechselbarer Stimme kann Geese polarisieren – was selbst für Acts, die für die Ewigkeit bestimmt sind, nichts Ungewöhnliches ist. Sheffield vergleicht die Reaktion mit dem Backlash, den der frühe Erfolg der Strokes auslöste – beide Bands teilen „eine gewisse Frechheit“. Aber der Sound der Band ist auch ein bewegliches Ziel; jedes Album bisher klang wild anders als das davor. Und da die Band offenbar während der „Getting Killed“-Sessions jede Menge zusätzliches Material aufgenommen hat, könnte uns schon bald die nächste Überraschung bevorstehen.
Außerdem warten Dutzende Episoden mit genreübergreifenden Diskussionen, Debatten und Erklärungen von ROLLING STONEs Kritikern und Reportern.