Aufsichtsbehörde schaut weg: Insider-Trading-Vorwürfe rund um Trumps Iran-Ankündigungen
Während Trader mit Trumps Iran-Ankündigungen Millionen scheffeln, schaut die zuständige Aufsichtsbehörde CFTC tatenlos zu.
Letzten Samstag, während die Weltmärkte geschlossen waren, ließ US-Präsident Donald Trump eine brandgefährliche Drohung an die iranische Führung los: Die Straße von Hormus müsse innerhalb von 48 Stunden geöffnet werden, sonst würden die USA die Kraftwerke des Landes „auslöschen“.
Kurz bevor die US-amerikanischen Händler am Montag wieder an die Arbeit gingen, ruderte Trump zurück und postete, die USA und der Iran hätten übers Wochenende „SEHR GUTE UND PRODUKTIVE GESPRÄCHE ÜBER EINE VOLLSTÄNDIGE UND TOTALE BEILEGUNG UNSERER FEINDSEELIGKEITEN IM NAHEN OSTEN“ geführt.
Die Märkte legten daraufhin erwartungsgemäß zu. Das Timing beider Ankündigungen stank nach Manipulation – doch noch belastender war, dass kurz vor Trumps zweitem Post, in dem er seine Drohung zurücknahm, ein ungewöhnlich hohes Handelsvolumen auf den Ölterminmärkten auftauchte.
Verdächtige Trades vor Trumps Post
Der frühere Arbeitsminister Robert Reich machte auf Trades in Rohöl-Kontrakten an der New York Mercantile Exchange aufmerksam – darunter West-Texas-Intermediate-Futures, Brent-Crude-Kontrakte sowie S&P-Futures-Kontrakte im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar –, die allesamt etwa 15 Minuten vor Trumps Statement platziert worden waren. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman rückte die Vorgänge in einem Substack-Beitrag ins Scheinwerferlicht. „Menschen aus Trumps Umfeld handeln auf Basis von Staatsgeheimnissen“, schrieb er.
Wer hat an den Trades verdient? Das wollen die Senatoren Chris Murphy (D-Conn.) und Andy Kim (D-N.J.) wissen. „Eine WETTE ÜBER 1,5 MILLIARDEN DOLLAR. Größer als alle anderen Futures-Käufe zu diesem Zeitpunkt. 5 Minuten vor Trumps Post. Wer war das? Trump? Ein Familienmitglied? Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses?“, postete Murphy. „Das ist Korruption. Korruption in einem schwindelerregenden Ausmaß.“
Kim schloss sich dem in einem eigenen Post an: „Jemand hat ein Vermögen gemacht“, schrieb er. „Wir brauchen sofortige Untersuchungen dieser Trades.“
Ein vertrautes Muster
Die Trades folgen einem inzwischen vertrauten Muster, das sich bereits rund um andere große Ereignisse zeigte – etwa Trumps ständig wechselnde Zollpolitik oder die extralegale Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Ein Trader erzielte mit einer Polymarket-Wette auf Maduros Absetzung 400.000 Dollar Gewinn.
Zuständig für die Überwachung von Insider-Trading auf Terminmärkten und Prediction Markets wie Polymarket und Kalshi ist die Commodity Futures Trading Commission – doch von der CFTC ist so bald kein hartes Durchgreifen zu erwarten.
Unter der Biden-Regierung hatte die Behörde begonnen, die Legalität von Märkten wie Kalshi und Polymarket unter die Lupe zu nehmen: 2022 verhängte die CFTC gegen Polymarket eine Geldstrafe von 1,4 Millionen Dollar wegen des Betriebs als nicht registrierter Rohstoffmarkt und untersagte dem Unternehmen den Betrieb in den USA. Außerdem zog die Behörde vor Gericht, um Kalshi – das registriert war – daran zu hindern, Wetten auf Ergebnisse politischer Ereignisse anzubieten.
Kurswechsel unter Trump
Als Trump 2025 sein Amt antrat, änderte die CFTC ihren Kurs dramatisch. Sie ließ ihren Versuch fallen, Kalshi vom Anbieten politischer Wetten abzuhalten, und stellte auch ihre Untersuchung gegen Polymarket ein – der Prediction Market durfte in die USA zurückkehren. (Sowohl Kalshi als auch Polymarket ernannten Donald Trump Jr. im selben Jahr zu einem Berater ihrer Unternehmen.)
Auf Anfrage von ROLLING STONE, ob die CFTC beabsichtige, die mysteriösen Trades rund um Trumps Ankündigung am Montag zu untersuchen, antwortete die Behörde nicht.
Ermittlungen wegen Insider-Tradings sind unter Trump generell zum Erliegen gekommen. Bei der Schwesterorganisation der CFTC, der Securities and Exchange Commission, fiel die Strafverfolgung während Trumps erster Amtszeit auf den niedrigsten Stand seit Bestehen der Behörde – und sank erneut, als Trump 2025 ins Weiße Haus zurückkehrte. Erst vergangene Woche trat Margaret Ryan, die oberste Ermittlungsbeauftragte der SEC, abrupt zurück; CNBC berichtete, Ryan habe sich „mit der Behördenführung über die Ausrichtung des Strafverfolgungsprogramms überworfen, einschließlich des Umgangs mit Fällen, die Verbindungen zu Präsident Donald Trump und seiner Familie haben“. (Ryan lehnte eine Stellungnahme gegenüber ROLLING STONE ab.)
Plattformen und Kongress reagieren
Kalshi und Polymarket beeilten sich diese Woche, auf die wachsende Empörung über Insider-Trading auf ihren Plattformen zu reagieren – indem erste Initiativen im Senat und Repräsentantenhaus anliefen, um solche Praktiken einzudämmen.
Polymarket, wo ein Trader mit Iran-bezogenen Wetten eine Million Dollar einstreifte, kündigte an, seine eigenen Regeln zu verschärfen und künftig den Handel auf Basis „gestohlener vertraulicher Informationen“, „illegaler Tipps“ oder in Bezug auf Ereignisse zu untersagen, auf deren Ausgang ein Nutzer möglicherweise Einfluss nehmen kann. Kalshi seinerseits gab bekannt, sowohl Politikern das Wetten auf ihre eigenen Wahlkämpfe zu verbieten als auch Personen, die im College- oder Profisport tätig sind, das Wetten auf die Sportarten zu untersagen, in denen sie aktiv sind.
Abgeordnete im Repräsentantenhaus brachten am Mittwoch den PREDICT Act ein – kurz für Preventing Real-time Exploitation and Deceptive Insider Congressional Trading. Das Gesetz würde Mitgliedern des Kongresses und der Exekutive, einschließlich des Präsidenten, sowie deren Familienangehörigen und leitenden Mitarbeitern das Wetten auf bestimmte Ereignisse untersagen.
Rep. Nikki Budzinski (D-Ill.), die das Gesetz gemeinsam mit Rep. Adrian Smith (R-Neb.) einbringt, sagte ROLLING STONE, als die USA den Iran angriffen, habe man festgestellt, „dass eine sehr kleine Handvoll neuer Polymarket-Trader mit sehr präzisen Informationen online gegangen ist – möglicherweise Informationen, die man nur kennen kann, wenn man innerhalb der Regierung in einer hochrangigen Position ist –, und zu wissen, dass diese Menschen von einem Militärschlag unseres eigenen Landes in Höhe von über einer Million Dollar profitiert haben, hat uns dazu veranlasst, die Einreichung dieser Gesetzgebung zu beschleunigen.“
Trumps CFTC derweil scheint die Hände in den Schoß zu legen.