Jay Weinberg über seinen Rauswurf bei Slipknot: „Wurde zum Sündenbock“
Der Schlagzeuger blickt auf seine Jahre bei Madball, Against Me! und der E Street Band zurück.
Jay Weinberg war gerade 18 Jahre alt, als Bruce Springsteen ihm die unglaubliche Chance bot, für seinen Vater, E-Street-Band-Drummer Max Weinberg, auf einer Stadiontournee durch Europa einzuspringen. Für den jüngeren Weinberg, der kaum Erfahrung außerhalb kleiner Bars hatte, war das eine Feuertaufe – und der Beginn einer 17-jährigen Karriere, in der er bei Madball, Against Me! und Slipknot spielte.
Glatt lief es dabei nicht immer. Er trennte sich von allen drei Bands mit unterschiedlich viel Bitterkeit, und der Abgang bei Slipknot war besonders schmerzhaft: Weinberg hatte ein Jahrzehnt seines Lebens in die Metal-Band investiert, bevor sie ihn 2023 mit dem Verweis auf eine „kreative Entscheidung“ vor die Tür setzten.
In den vergangenen zwei Jahren tourte Weinberg mit Suicidal Tendencies, nahm mit Fuming Mouth auf, gründete die neue Band Portraits of an Apparition und veröffentlichte seine ersten Solosongs. Außerdem kooperierte er mit Reverb, um Equipment aus seiner Vergangenheit zu verkaufen – darunter Schlagzeuge, die er bei der E Street Band und Slipknot benutzt hatte.
Gear, Nachwuchs und Neuanfang
Wir sprachen per Zoom mit Weinberg über den Reverb-Verkauf und seine Zeit bei all den Bands. Über die Slipknot-Situation hat er in den vergangenen zwei Jahren weitgehend geschwiegen – doch jetzt schilderte er uns die gesamte Geschichte in aller Ausführlichkeit.
Wo treffe ich Sie gerade an?
Ich bin zu Hause in Nashville. Das Wetter wird langsam wärmer, und in meinem Leben passiert gerade eine Menge. Meine Frau und ich erwarten unser erstes Kind. Dazu kommen all die Dinge, die sich automatisch ergeben, wenn so etwas passiert – die ganze Welt verändert sich, der gesamte Lebensraum verändert sich. Ich baue gerade ein richtiges Heimstudio in meinem Garten, damit ich endlich einen ordentlichen Ort habe, um gute Aufnahmen zu machen.
Fangen wir mit dem Reverb-Verkauf an. Warum fühlte sich jetzt der richtige Zeitpunkt an, einen Teil davon loszuwerden?
Ich hatte das Gear, das ich in 17 Jahren gesammelt habe, immer sehr gerne. Es sind Werkzeuge, die mir in all meinen künstlerischen Vorhaben über fast zwei Jahrzehnte geholfen haben. Aber jetzt nehme ich eine Bestandsaufnahme vor – was habe ich, was brauche ich wirklich –, während ich dieses Heimstudio aufbaue. Kennen Sie die Marie-Kondo-Methode, nach der man seinen Besitz aussortiert? Sie hat diesen wunderbaren Satz: „Wenn etwas keine Freude mehr macht, trenn dich davon.“
Ein neues Kapitel beginnt
Ich merke, dass ich vieles neu bewertet – besonders durch die Augen von jemandem, der zum ersten Mal Vater wird. Was bedeutet es mir wirklich, was in meinem Zuhause steht, und was würde mehr bewirken, wenn es da draußen in der Welt wäre? Ich möchte, dass diese großartigen Werkzeuge ihr kreatives Leben weiterführen – nur eben nicht mehr mit mir. Damit bin ich im Reinen. Ich sehe das auch als Gelegenheit, etwas Gutes zu tun: Ein Teil des Erlöses geht an MusiCares, eine Organisation, die ich sehr schätze und die großartige Arbeit für Musiker in Not leistet.
Feuertaufe bei der E Street Band
Lassen Sie uns jetzt zurückgehen und einige wichtige Momente Ihrer Karriere nachzeichnen – beginnend mit Ihrer Zeit bei der E Street Band 2009. Wie haben Sie sich als Drummer in dieser Zeit entwickelt?
Die Entwicklung war eine absolut senkrechte Lernkurve. Ich hatte damals drei Jahre lang Schlagzeug gespielt. Und meine Verbindung zu dieser Band läuft über meinen Vater, über meine Onkel und Tanten von der E Street Band und natürlich über Bruce. Witzigerweise haben Steve [Van Zandt] und ich erst letztes Jahr darüber gesprochen. Er erzählte mir von einem Gespräch zwischen ihm und Bruce, von dem ich bis dahin nichts gewusst hatte.
Steve hatte mich in Handsome Dick Manitobas Bar auf der Lower East Side in New York mit meiner Schulband spielen sehen. Ich hatte damals ein paar Jahre gespielt, und wir waren von Mastodon und Slayer inspiriert – wahnsinnig komplizierte Musik für Teenager damals.
Er sagte Bruce, als sie versuchten, diesen Terminkonflikt zu lösen: „Was ist mit Max‘ Sohn? Ich hab ihn in einer Bar spielen sehen, dieses verrückte Zeug. Er kennt uns, wir kennen ihn. Er ist bei uns aufgewachsen. Vertrau mir: Die Musik, die er hört, wird deine Songs klingen lassen wie ‚Mary Had a Little Lamb‘.“
Das war Steves Pitch. Sie haben meinen Vater konsultiert, weil es ja um seinen Platz in der Band geht. Und er meinte so: „Das könnte großartig sein.“ Es hielt die Sache in der Familie. Jake Clemons ist ja auch seit über einem Jahrzehnt dabei. Familiarität ist ihnen sehr wichtig – Bruce eingeschlossen.
Das sind Menschen in meinem Leben, die ich auf keinen Fall enttäuschen wollte. Und dass sie einen völlig unerprobten Menschen komplett ins Blaue hinein nehmen, hat mir sehr viel bedeutet. Ich wusste, dass ich einiges zu beweisen hatte. Es erforderte viel Übung, Disziplin und Konzentration. Und diese Angst packte mich einfach – als 18-Jähriger, der sich das aufbürdete.
Spontane Songs und Bühnenmagie
Genau. Bruce konnte jederzeit einen Song ansagen oder ein Schild aus dem Publikum nehmen und etwas verlangen, das Sie noch nie gespielt hatten.
Das ist viele, viele Male passiert. Das war ein zentrales Element der Show, das ich lieben gelernt hatte. Ich wusste also, als ich diese Herausforderung annahm, dass ich dem E-Street-Erlebnis nicht gerecht werden konnte, wenn ich Abstriche machte. Bruce konnte mich durch diese Landschaft führen und coachen, ganz ohne Worte. Das alles war neu für mich. Ich hatte bis dahin nie vor mehr als 50 Menschen gespielt.
Dass es mit Familie war, mit Blut und mit Menschen, die einem so nah sind, wie man ohne Blutsverwandtschaft nur sein kann – so habe ich diese Erfahrung navigiert. Als sie zu ihrem natürlichen Ende kam, wollte ich diese Energie, diese Konzentration und diesen Antrieb mitnehmen – in alles, was ich danach für mich selbst finden würde.
Wie war Ihre Zeit bei Madball?
Zu dem Zeitpunkt hatte ich viele Jahre in Heavy-Metal-, Punk- und Hardcore-Bands gespielt. Kleine, natürlich. Aber als sie mich anschrieben – so nach dem Motto: „Wir brauchen einen Drummer für eine Tour, die in zwei Wochen losgeht. Kennst du jemanden?“ – fragten sie mich nicht mal, ob ich selbst Lust oder Zeit hätte. Ich sagte: „Ich würde das liebend gerne machen.“
Ich durfte mit einer legendären Hardcore-Band spielen, die ich zutiefst respektiere, und in einem Bus leben. Es war eine Tour von etwa einem Monat, vielleicht etwas länger, mit 31 Leuten in einem einzigen Bus. Wild, aber ich war heiß auf diese Gelegenheit.
Als Sie die Band verließen, sprachen Sie von „beunruhigenden Vorfällen innerhalb der Band“. Was war da los?
Wir hatten gerade ein Album fertiggestellt, und ich war wirklich aufgeregt. Es war so etwas wie meine erste richtige Aufnahmeerfahrung, und ich freute mich darauf, die Songs, die wir erarbeitet hatten, live zu spielen. Aber ich hatte das Gefühl, dass es einfach nicht ganz die richtige Passung war – ob das nun Generationsunterschiede waren oder wie auch immer man das nennen will.
Madball, Against Me! und Toxizität
Ich habe mit den Jungs geredet: „Ich glaube, es wäre besser für euch, nach diesen Sachen einen Drummer zu finden, der besser zu euch passt.“ Das war im Wesentlichen das ganze Gespräch. Und es war leider unglücklich, wie sich alles entwickelt hat. Aber letztes Jahr hatte Suicidal Tendencies die tolle Gelegenheit, beim Black N Blue Bowl zu spielen, der maßgeblich von Freddy [Cricien] von Madball und seinen Leuten organisiert wird. Ich hatte Freddy seit etwa 15 Jahren nicht gesehen. Wir haben uns umarmt und es gab eine Annäherung, bei der es einfach hieß: „Hey, ich war 19 und hab herausgefunden, was ich in der Musik machen will – und das war halt nicht Madball.“
Ich glaube, wir erkennen viele Jahre später, dass all das wirklich Kleinigkeiten sind im Vergleich zum großen Ganzen.
Erzählen Sie mir von Ihrer Zeit bei Against Me!.
Na, das ist ein Name, den ich lange nicht gehört habe. Mein guter Freund Andrew Seward war lange bei Against Me!. Und als ich Madball verlassen hatte und wieder zur Schule gegangen war, lebte ich einfach wieder als normaler Student. Andrew meldete sich bei mir: „Hey, wir brauchen schnell jemanden.“
Eine unglaubliche Gelegenheit, über die ich wirklich begeistert war. Ich dachte, es würden nur ein paar Shows sein. Aber am ersten Tag, den wir zusammen im Proberaum verbrachten, spielten wir an die 40 Songs durch. Danach luden sie mich ein, länger zu bleiben.
Wir waren etwa neun Monate auf Tour. Die Zähne in etwas so Hartes zu schlagen war wunderbar und eine tolle Herausforderung. Und dann, wie es so kommt, wurde mir klar, dass auch dieses Umfeld eine Dunkelheit hatte, mit der ich nicht ganz … Der besondere Funke erlosch gegen Ende meiner Zeit dort. Es ist sehr schwer, die Entscheidung zu treffen: „Ich glaube nicht, dass das hier ein Ort ist, an dem es mir guttut, zu bleiben.“
Ich hatte die Schule pausiert, während ich bei Against Me! war, weil ich dachte, ich könnte beides halbherzig machen – oder ich commit mich einfach zu einem. Ich wollte wirklich verfolgen, was es bedeutet, ein Vollzeit-Tourmusiker zu sein, wohlwissend, dass ich immer noch das erreichen wollte, was ich mir als Student vorgenommen hatte.
Meine Mutter war in meiner frühen Kindheit Geschichtslehrerin. Die Bedeutung von Bildung wurde mir immer eingeschärft. In genau diesem Moment erkannte ich die Dunkelheit und eine gewisse Toxizität, die sich abzeichnete. Also traf ich die Entscheidung: „Ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, auf die Bremse zu treten und zurück zur Schule zu gehen.“ Und das war alles.
Laura Jane Grace und der Abgang
Als Sie gingen, hat Laura Jane Grace Sie in sozialen Medien mehrfach hart angegangen. Sie haben nie reagiert.
Mein grundsätzlicher Ansatz bei so etwas ist: Es ist mir wichtig, dass ich meine Seite der Straße sauber halte. Das gilt für meine Arbeit, in jedem Kontext einer Band, oder eben im Nachklang meiner Beziehung zu Against Me! und Laura. Ich habe ihren Namen seit Ewigkeiten nicht gehört. Was macht sie heutzutage so?
Sie macht Musik und tourt solo.
Okay. Also: Aus meiner Sicht war es immer so – jeder in dieser Position kann sagen, was er will. Aber ich selbst kenne die Wahrheit, und ich bin damit im Reinen, das einfach so stehen zu lassen. Ich muss nicht im Schmutz wühlen, um Schlagzeilen zu machen. Das war noch nie meine Art, mit meinen Angelegenheiten umzugehen. Ich lege Wert auf Professionalität. Wenn jemand einen anderen Weg einschlagen will, ist das seine Sache. Das kann ich nicht kontrollieren.
Sie hat Sie im Grunde als verwöhnten Wichtigtuer bezeichnet. Das einfach hinzunehmen war sicher nicht leicht.
[Lacht] Stimmt. Ich meine, es ist ehrlich gesagt fast schon komisch, wenn man daran denkt … Das ist ja jetzt wie lange her, 14 Jahre. Und dazu sage ich: Wenn jemand 14 Jahre lang vor dem Computer sitzt und auf Twitter-Refresh drückt, um einen ehemaligen Bandkollegen in den Dreck zu ziehen, sagt das eigentlich mehr über diese Person aus als über mich.
Es muss ein unglaublicher Moment gewesen sein, als Sie den Slipknot-Job bekamen.
Ja. Ich war 23 Jahre alt. Zehn Jahre in der Band zu sein – das ist fast ein Drittel meines Lebens und der weitaus größte Teil meines kreativen Lebens.
Masken, Mystik und Mitgliedschaft
In den frühen Jahren war es ein Geheimnis, dass Sie überhaupt in der Band waren. Ihre Identität blieb verborgen.
Ich konnte es nicht mal engen Branchenkontakten sagen. Die Leute, die meine Schlagzeuge herstellen – ich konnte ihnen nicht erklären, warum ich zwei riesige Doppelbass-Drumsets und all das brauche. Ich sagte: „Ihr müsst mir einfach vertrauen. Ich werde dafür sorgen, dass es sich lohnt.“
Ich verstand diese Dynamik der Band, weil ich mich noch daran erinnerte, 2000 ein Fan gewesen zu sein – vor Smartphone-Kameras, weitgehend vor dem Internet. Es gab dieses Mysterium rund um eine Band wie diese. Man konnte keine Details über die Mitglieder herausfinden. Man konnte nicht rausfinden, wie irgendjemand aussah. Man konnte kaum den echten Namen von jemandem ermitteln.
Diese Mystik war zweifellos anziehend und hat viele Menschen hineingezogen – mich eingeschlossen, in sehr jungen Jahren. Diese Energie des Unbekannten einzufangen, gerade im Zeitalter von Social Media und Smartphone-Kameras, war ein beeindruckendes Unterfangen. Und wir haben es etwa ein Jahr lang unter Verschluss gehalten.
Ist es schwer, mit Maske Schlagzeug zu spielen?
Kurz gesagt: ja, es ist schwierig. Aber gleichzeitig – wenn man genau diese Songs spielt, wuchs das irgendwann zu einem Punkt, wo es sich seltsam anfühlte, diese Songs ohne Maske zu spielen.
Haben Sie sich als vollwertiges Mitglied gefühlt, als angeheuerten Profi, oder irgendwo dazwischen?
Wenn man als Neuer in eine Band kommt, die seit 15 Jahren existiert und ihre Identität und Dynamik entwickelt hat, ist man immer der Neue.
Ich hatte vorgespielt, bevor die Welt erfuhr, dass sie sich von Joey Jordison trennten. Wir spielten einen Tag zusammen, probten die alten Songs – und das war eine Sache: „Okay, er kann die alten Songs spielen. Was bringt er aber beim Erschaffen von neuem Material mit?“
Ob man „in der Band“ oder ein angeheuerter Musiker ist – das sind nur Schubladen. Damit bin ich im Reinen. Was zählt, ist die Arbeit selbst, die kreativen Prozesse, auf die man sich einlässt. Ich erkenne meine Verantwortung darin, Beiträge zur Entstehung eines Songs oder Albums zu leisten. Diese Verantwortung liegt bei mir, egal ob ich „in der Band“ bin oder nicht. Es ist dieselbe Arbeit.
Songwriting mit Jim Root
Mein wichtigster Schreibpartner während meiner Zeit in der Band war weitgehend Jim Root, der Gitarrist. Er kam mit Gitarrenriffs, und ich brachte meinen Beitrag, meine Begeisterung, meinen Einsatz und meine Energie ein, um dem Song eine Richtung zu geben. Das war das Bedeutsame für mich.
Das leuchtet ein.
All das tritt in den Hintergrund, wenn man die eigentlich wichtige Sache tut: im Studio etwas erschaffen und es auf der Bühne spielen. Und ich merkte, dass mit zunehmender Tiefe unserer Zusammenarbeit auch mein Anteil an diesen Aufgaben und Verantwortlichkeiten wuchs.
Beim ersten gemeinsamen Album „The Gray Chapter“ zum Beispiel hatte Jim 14 Songs oder so. Lose Arrangements-Skizzen. Ich habe einiges ergänzt, weil sie mich gebeten hatten, das Ganze ein bisschen mehr „nach Slipknot klingen zu lassen“. Ich dachte: „Das sind meine Marschbefehle, und das bringe ich mit.“
Dann hörten wir uns unsere Arbeit an und fragten uns: „Was für ein Album haben wir hier eigentlich? Uns fehlt diese bestimmte Stimmung. Jay und Jim, geht in den Raum. Schaut, was ihr aus dem Nichts heraus hinbekommt.“
Und es war ziemlich bemerkenswert: In etwa zwei Stunden schufen Jim und ich die Grundgerüste von „The Negative One“ und „Custer“ – beide wurden für Grammys nominiert und waren feste Bestandteile unseres Sets. Für einen 23-Jährigen war das ein Traum, der wahr wurde: in einem gemeinsamen Schöpfungsprozess mit einem anderen Menschen zu sein und das Ergebnis in Songs zu sehen, auf die man stolz ist.
Wie lief es beim zweiten Album, „We Are Not Your Kind“?
Wir hatten gar nichts als Ausgangspunkt. Völlig weiße Leinwand. Das war eine ziemlich außergewöhnliche Erfahrung, bei der Jim und ich uns alle paar Monate für drei oder vier Wochen trafen und Ideen herausarbeiteten – immer auf der Suche nach diesem Blitz in der Flasche, den wir mit „The Negative One“ und „Custer“ eingefangen hatten.
Es gab natürlich auch andere Beiträge, die parallel entstanden, aber das Album wurde maßgeblich so erschaffen. Wenn ich also diese Verantwortlichkeiten skizziere: Egal wie man meine Stellung in der Band definierte – ich machte denselben Lärm, wie er von mir erwartet wurde, ganz gleich, wie man es nannte.
Der Rauswurf bei Slipknot
Sie wurden 2023 entlassen. Was ist passiert?
Um ein bisschen weiter zurückzugehen: Seit 2018 bemerkte ich beim Sport erhebliche Schmerzen in meiner linken Hüfte. Ich informierte das Management: „Ich habe dieses Problem mit meiner Hüfte. Ich weiß nicht, was es ist, aber ich beobachte es.“ Es hinderte mich nicht am Spielen, aber ich hatte es im Blick. Anfang 2020, als wir überhaupt nicht tourten – alle im Covid-Lockdown –, ließ ich ein MRT machen.
Das Ergebnis: Ich habe ein sogenanntes femoroacetabuläres Impingement, kurz FAI – das bedeutet, ich hatte durch Laufen und Kickboxen das Labrum in meiner Hüfte gerissen. Ich konnte nicht mehr als fünf Minuten laufen, ohne danach tagelang kaum gehen zu können.
Also informierte ich meine Bandkollegen und das Management über das, was mir mein Arzt gesagt hatte. Ich war damals 30, und er meinte: „Mach das, solange du jung bist. Du hast bessere Chancen, dich schnell zu erholen – rechne mit fünf, sechs Monaten.“
Ich wandte mich also an die Band: „Hey, wir machen gerade nichts. Die Erholung würde sechs Monate dauern. Kann ich das machen?“ Und man bat mich, diese korrigierende Operation nicht durchführen zu lassen, weil wir ein Album aufnehmen und auf Tour gehen müssten. Ich dürfe die Operation nicht aufhalten.
Über Jahre war mir eingetrichtert worden, dass ich jederzeit gefeuert und ersetzt werden könnte. Mit dieser ständig präsenten Drohung im Hinterkopf ist es schwer, Entscheidungen zu treffen, die der eigenen Gesundheit dienen – man denkt: „Ich überschreite diese Grenzen nicht, weil ich den Frieden nicht stören und nicht ersetzt werden will.“
Ein paar Jahre vergingen, und die Schmerzen wurden durch Touren und Spielen glücklicherweise nicht schlimmer – aber besser wurden sie auch nicht. Im September 2023 sah ich in unserem Tourplan, dass wir Shows bis November hatten und unser nächster Auftritt danach erst im April des folgenden Jahres war. Ich entwickelte einen Plan: die Operation im November 2023, direkt nach der letzten Show des Jahres.
Ich erklärte der Band: „Wir haben dieses Zeitfenster. Ich werde rechtzeitig vor der nächsten Show wieder fit sein. Wenn wir in dieser Zeit kreativ sein wollen, habe ich mit einer Firma namens MixWave zusammengearbeitet und ein virtuelles Instrument erstellt, damit meine eigenen Drumklänge zur Verfügung stehen. Wenn ich an Krücken bin und nicht spielen kann, kann ich trotzdem programmieren und kreativ bleiben.“ Ich hatte alles abgesichert, und es wurde abgenickt. „Ja, alles gut. Geh zur Operation.“
Und dann wachte ich am Morgen nach meiner Heimreise von unserer letzten gemeinsamen Show auf und erhielt einen Anruf vom Manager der Band. Er teilte mir mit, dass die Band beschlossen habe, meinen Vertrag Ende des Jahres nicht zu verlängern. Ich war schockiert und voller Fragen. „Warum? Was ist passiert?“
Es fand statt, um ehrlich zu sein, am Ende eines sehr schwierigen Jahres innerhalb der Band. Das hing vielleicht mit einigen dieser bereits bestehenden Spannungen zusammen, die schon vor meiner Zeit existierten und nun wieder aufbrachen. Aber mir blieb keine Erklärung – nur: „Es ist eine kreative Entscheidung, und du bist nicht mehr der Drummer von Slipknot.“ Und dann sagte er: „Wir würden gerne morgen eine gemeinsame Erklärung mit Ihnen veröffentlichen. Nehmen Sie sich den Rest des Tages Zeit, darüber nachzudenken. Ich bin den ganzen Tag für Sie erreichbar, wenn Sie reden möchten.“
Verrat und Neuorientierung
Meine Welt brach einfach unter mir zusammen. Diese Sache, der ich mich mit vollständiger Konzentration, Antrieb, Aufmerksamkeit und Liebe gewidmet hatte – an einem Traum festgehalten hatte, trotz der Schwierigkeiten, trotz allem, was passiert, wenn man in ein so aufgewühltes und dunkles Umfeld eintritt –, und jetzt nur noch Fragen. Ich ging mit meiner Frau spazieren, um den Kopf freizubekommen und zu verarbeiten, was gerade passiert war. Und 20 Minuten später posteten sie ihre eigene Erklärung online.
Wie haben Sie das aufgenommen?
Ich meine, wie würde sich das jemand fühlen? Es fasst die Verwirrung dieser ganzen Sache perfekt zusammen. Und wie gesagt: Es kam nach einem außerordentlich angespannten Jahr für die Band, Dinge, die ich nur als Außenstehender in Beziehungen wahrnehmen konnte, die 25 Jahre tief gehen. Es kam ohne Erklärung, ohne Begründung. Es war damals verwirrend. Wenn ich ganz ehrlich bin: Es ist immer noch verwirrend.
Als Newcomer, glaube ich, gerät man zwischen diese bereits bestehenden Spannungen und versucht, das so gut wie möglich zu navigieren. Einer will die Dinge so, ein anderer will sie anders – und das multipliziert man mit acht weiteren Personen, um all dem gerecht zu werden. Das war mein einziger Fokus für 10 Jahre. Ich habe mich in jeder Hinsicht eingebracht. Als Newcomer – und wie Sie sagten: „Bist du in der Band oder nicht?“ – wie definiert man das nach 10 Jahren? Das ist keine kurze Zeit. Aber es ist leicht, als Newcomer ins Kreuzfeuer zu geraten. Vielleicht wurde ich zum Sündenbock für bestimmte Dinge.
In der Verarbeitung der letzten zwei Jahre wollte ich diese Erfahrung nehmen und natürlich daraus lernen. Ich möchte diese neuen Dinge erleben, die ich jetzt angehe – diese vielen Kollaborationen, mit so vielen Menschen wie möglich zu spielen und diese Beziehungen zu finden, in denen alles so neu für mich ist. Ich trete in kreative Umgebungen ein – ein Studio oder Live-Auftritte –, wo es Liebe füreinander gibt und gegenseitigen Respekt, auf eine Art, die ich so noch nie erlebt habe.
Da ist eine großartige Band, die Sie vielleicht kennen: King Gizzard & the Lizard Wizard. Ich habe in den letzten anderthalb Jahren Freundschaft mit denen geschlossen. Ihr Drummer Cavs kam zu einer Show, die ich mit Infectious Grooves spielte. Diese Jungs haben mir die Augen geöffnet, wie sich ein positives kreatives Umfeld mit gegenseitigem Respekt anfühlen kann. Es ist wie Wasser in der Wüste finden. All diese neuen Beziehungen, die ich in den letzten zwei Jahren oder so geknüpft habe, fühlen sich so an – Suicidal Tendencies fällt definitiv in diese Kategorie.
Das ist schön zu hören.
Der Abgang von Slipknot war natürlich schwer. Er setzt den Punkt hinter einen Satz