Lina Larissa Strahl über „Jazzy – Chaos im Regenwald“: Stimme, Umwelt und Social Media
Als „Jazzy“ verursacht Lina Larissa Strahl „Chaos im Regenwald“, in einem Animationsfilm über die Notwendigkeit von Umweltschutz. Ein Gespräch über Stimme, Verantwortung und Balance
Ein Orang-Utan-Mädchen verliert nach einem Feuer den Anschluss an seine Familie und findet sich in einem Schutzgebiet wieder, umgeben von Tieren, die nach und nach zu Gefährten werden. Jazzy erkennt, dass ihr Lebensraum, der Regenwald, zu verschwinden droht.
Produziert wurde „Jazzy – Chaos im Regenwald“ unter anderem von Leonardo DiCaprio und Mike Medavoy, die mit diesem Projekt den Blick auf ökologische Zusammenhänge richten wollen. In der deutschen Version spricht Lina Larissa Strahl die Rolle von Jazzy; Kinostart ist der 16. April 2026. Wir trafen Sie zum Interview.
Kannst du Gebärdensprache – oder möchtest du es können?
Ich kann es leider nicht, da bin ich ganz ehrlich. Ich bewundere das sehr, wenn Menschen, die das nicht im alltäglichen Umgang brauchen, es trotzdem lernen. Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, ob ich mir das mal anlerne.
Was war die wichtigste Sache für dich bei der Rollenvorbereitung?
Natürlich immer der Film selbst – wenn man die Möglichkeit hat, den Film vorher zu gucken, dann ist das tatsächlich sehr wichtig. Einfach um sich reinzufühlen, um in die Geschichte reinzukommen und in dem Fall Jazzy zu verstehen. Ansonsten versuche ich, an Synchronsachen immer locker ranzugehen, weil es natürlich von Charakter zu Charakter wirklich sehr unterschiedlich ist. Bei Jazzy war es noch mal etwas ganz Tolles: Sie hat zwar eine menschliche Stimme, ist aber gleichzeitig ein Äffchen. Und das ist ganz, ganz verrückt, sowas zu sprechen.
Gab es da auch die Möglichkeit, echte Tierlaute einzubringen?
Ein paar Äffchenlaute sind auch von mir, sowas macht mir auch Spaß. Aber der Film beinhaltet, soweit ich mich erinnere, sowieso nicht allzu viele Tierlaute. Deswegen hat das gut gepasst – ein, zwei, drei Äffchenlaute.
Wenn du das Original anschaust – wie wichtig ist die Originalstimme? Versucht man sich anzunähern, oder geht man eher frei ran?
Das ist von Produktion zu Produktion unterschiedlich. Hier konnte ich relativ frei sein. Ich habe mich natürlich so gesprochen, wie es auch im Original ist – aber eben mit meiner eigenen Handschrift in der Stimme. Die deutsche Produktion war wirklich sehr entgegenkommend, ich konnte das wirklich so reingeben, wie ich es gefühlt habe.
Es ist natürlich immer eine Sache für sich, weil Sätze auf Deutsch meistens recht anders sind als auf Englisch – man kann das gar nicht eins zu eins vertonen, weil die Sprachen und der Satzbau so unterschiedlich sind. Bei anderen Produktionen, zum Beispiel für Disney, ist das teilweise sehr streng eins zu eins: Da muss es wirklich eins zu eins auf dem Englischen liegen – in der Tonlage, in der Betonung, selbst wenn die Sätze umgestellt sind, muss es sehr, sehr genau passen. Hier konnte ich recht frei agieren – das war super.
Was ist deine Lieblingsszene aus dem Film?
Ich glaube, die Szene, wo sie das Nilpferd Honka aus dem Teich ziehen – die fand ich ziemlich lustig. Generell machen mir immer alle Szenen am meisten Spaß, wo ich ein bisschen springen und schnell atmen und so ein bisschen schreien kann. Aber eigentlich kann ich mich gar nicht so richtig für eine Lieblingsszene entscheiden, weil diese ganze Welt so wunderbar groß ist und man immer wieder Neues entdeckt. Es ist schwierig, da auszuwählen.
Kannst du Jazzy mit drei Worten beschreiben?
Sie ist sehr mutig. Sie hat sehr viel Herz – ich weiß nicht genau, wie ich das besser beschreiben soll, aber sie ist auf jeden Fall sehr liebenswürdig. Und sie ist neugierig. Mutig, liebenswürdig und neugierig – ja, diese drei Eigenschaften passen.
Was sind die Herausforderungen beim Synchronsprechen im Vergleich zum Schauspiel?
Das Schwierige beim Synchron ist, dass man am Ende nur die Stimme hat – kein Gesicht, keine Bewegungen, keine Gestik. Das heißt, man muss wirklich alles versuchen, in die Stimme reinzulegen: jede Emotion, jede Verzweiflung, die ganze Wut, die Aufregung – alles komplett in einen Satz packen, den man spricht.
Und man spricht die Sachen ja auch nicht am Stück, sondern gestückelt. Manchmal nur fünf Wörter. Und die müssen so sitzen, als wäre das eine ganze gespielte Szene. Das ist herausfordernd.
Manchmal finde ich es auch ein bisschen lustig: Man kommt nach einem Synchrontag aus dem Studio raus und denkt, ja gut, ich stand hier einfach sechs bis acht Stunden. Körperlich war das eigentlich gar nicht so anstrengend. Aber man ist wirklich komplett fertig. Weil es, glaube ich, für das Gehirn eine volle Leistung ist – gerade weil es auch noch lippensynchron sein muss.
Warum würdest du Kindern diesen Film empfehlen?
Ich denke, es ist ein toller Familien- und Kinderfilm. Ich liebe Animationsabenteuer – ich habe das selbst als Kind schon geliebt und finde es auch jetzt ganz, ganz toll, wenn ich beim Vertonen dabei sein darf. Solche Animationsfilme sind immer eine wundervolle Reise in eine Welt, die es sonst so nicht gibt, mit Charakteren, an die man sonst nicht so nah herankommt. Bei „Jazzy – Chaos im Regenwald“ gibt es viele verschiedene Tiere, und ich finde das eine schöne Art und Weise, Kindern die Tierwelt näherzubringen. Und in diesem Film natürlich ganz besonders auch die Umwelt und die Probleme mit der Umwelt.
Wenn man heute wie im Film solche Tools wie Tablets und virale Aktionen braucht, um Umweltbewusstsein zu schaffen – entsteht da nicht manchmal auch ein Gefühl der Frustration?
Ja, definitiv. Und es ist tatsächlich so, dass im Originalfilm das Social-Media-Thema noch viel deutlicher kommuniziert wird. Wir hatten in der deutschen Fassung ein bisschen die Freiheit, das runterzufahren und die Texte teilweise so zu ändern, dass es nicht so stark auf Social Media abzielt.
Es ist immer schwierig, weil es zwei Seiten hat: Einerseits ist es schön, wenn wichtige Dinge schnell viel Aufmerksamkeit bekommen. Andererseits glaube ich, dass soziale Medien wirklich eine Riesenfalle sind – für Falschinformationen, für Bildung im völlig falschen Sinne oder eben gar keine Bildung, sondern man sieht und hört einfach Leute, die irgendwas sagen.
Gleichzeitig sind natürlich auch die Materialien, aus denen Laptops oder Tablets hergestellt werden, nicht immer umweltfreundlich. Es ist alles ein riesiger Gegensatz. Ich glaube, wir Menschen haben uns das ein bisschen selbst eingebrockt – und müssen jetzt lernen, damit umzugehen. Das gilt ja auch für die Künstliche Intelligenz, die im Film übrigens auch vorkommt, weil Jazzy damit mit den Menschen sprechen kann. Das hat wunderbare Seiten, aber auch ernüchternde.
Manchmal denke ich mir: Das Leben hat ja 1970 auch geklappt. Sicherlich waren viele Dinge schwieriger, manche Dinge vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht so genau, und ich weiß auch selbst nicht hundertprozentig, was ich von all diesen Medien halten soll. Ich versuche nur, für mich – und ich glaube, das ist gerade für jüngere Kinder wirklich wichtig – das runterzuschrauben und wirklich im Hier und Jetzt zu sein, nicht so krass in einer Parallelwelt.
Wenn man sich mit der Umwelt beschäftigen möchte, dann doch gerne durch einen Spielfilm im Kino und danach mit den Eltern am Abendbrottisch darüber reden, oder in Zeitschriften lesen, eine Doku gucken. Das finde ich immer noch besser als durch TikTok zu scrollen.
Wie schafft man es eigentlich, das Umweltthema im Fokus zu halten, wenn gerade so viele Krisen gleichzeitig passieren?
Das ist natürlich diese Gleichzeitigkeit von so vielen wichtigen Dingen. Man merkt das ja schon am Krieg in der Ukraine – der rückt immer mehr in den Hintergrund, verdrängt durch alles, was in Nahost passiert. Ich bin da teilweise auch ein bisschen sauer auf die Medien in Deutschland, weil ich mir denke: Ihr könntet versuchen, den Fokus so zu lenken, dass sich nicht alles auf eine Sache konzentriert, sondern dass man die Aufmerksamkeit auch auf andere Stellen der Welt hält. Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es so unglaublich viele Krisen und schlimme Dinge, die gar nicht beleuchtet werden – total im Dunkeln gelassen, während an anderer Stelle permanent die Lupe draufgehalten wird.
Ich bin keine Journalistin, ich kann das nur von außen beurteilen. Aber ich glaube, man könnte da journalistisch vielseitiger arbeiten.
Gleichzeitig ist es natürlich auch irgendwie logisch: Das menschliche Gehirn kann sich nicht auf so viele Dinge gleichzeitig fokussieren. Aber man sollte sie auch nicht außer Acht lassen. Das Umweltthema ist sehr, sehr wichtig – auch wenn es sich langsamer entfaltet als ein akuter Konflikt. Es ist keine Sache, die sich innerhalb weniger Wochen verändert, sondern etwas, das sich über Jahrzehnte hinzieht. Und was mir dabei wirklich Sorgen macht: Am Ende ist es eine Naturgewalt, über die wir als Menschen keine Kontrolle mehr haben werden, wenn wirklich etwas Schlimmes passiert. Das sehen wir schon an den krassen Stürmen und Unwettern, die sich vermehren werden.
Es sollte weiterhin wichtig sein, Kinder aufzuklären: Was kann man als Einzelner machen? Was kann man gemeinsam tun? Woran sollte man verzweifeln – und woran vielleicht auch nicht? Weil man gewisse Dinge einfach nicht ändern kann.
Warst du schon mal im Regenwald?
Nein, ich wäre aber sehr gerne schon mal da gewesen. Ich habe ein bisschen Respekt und auch Angst vor vielen Tieren, die dort leben. Aber es ist trotzdem ein kleiner Gedanke im Hinterkopf, dass ich da irgendwie mal sehr gerne wäre – zumindest in Brasilien oder einem der Länder, wo der Regenwald angrenzt. Ich war ansonsten noch nicht so viel in tropischen Gebieten unterwegs.
Aber es ist definitiv eine Reise wert – und vor allen Dingen, wenn man sich mit Klima und Umwelt beschäftigen möchte, muss ja auch nicht alles negativ sein. Man kann auch mal versuchen, das Positive zu sehen. Da ist es natürlich schön, vor Ort zu erleben, wie wunderbar das wirklich ist.
Wie schützt du selbst die Umwelt?
Ich versuche, da für mich immer noch die perfekten Wege zu finden – das kann ich ganz ehrlich sagen. Ich hatte mal eine sehr strikte vegane Phase über mehrere Jahre. Das hat mich irgendwann auch ein bisschen unglücklich gemacht, weil ich gemerkt habe, dass ich mich beim Thema Essen sowieso schon immer eingeschränkt habe und mich dadurch noch mehr eingeschränkt habe. Ich würde sagen, ich lebe zu 80 bis 90 Prozent vegan – aber wenn ich wieder auf 100 Prozent will, muss ich dafür einen Weg finden, bei dem ich auch wirklich fein bin und mich nicht zu Dingen zwinge.
Ich glaube, das ist ganz wichtig: Wenn man Dinge aus reinem Zwang macht, dann bleiben sie auch nicht, oder man macht sie ohne Überzeugung – und was nützt es dann?
Ich versuche viel Zug zu fahren und weniger Auto zu fahren und natürlich auch weniger zu fliegen. Aber ich fliege auch mal in den Urlaub. Ich habe im Urlaub schon mal ein Haus mit Pool. Ansonsten wohne ich in einer Wohnung. Es gibt so viele Dinge, an denen man wirklich im Kleinen arbeiten kann. Weniger Pappmüll zum Beispiel – aber dann ist man in der Hektik des Alltags und hat doch die Einkaufstüte vergessen.
Ich denke, das vegetarische oder vegane Leben ist tatsächlich eine recht einfache Art und Weise, ohne sich krass einzuschränken, der Umwelt schon mal viel zu helfen. Ich halte das aber niemandem vor und predige das auch nicht. Es sind die kleinen Dinge, bei denen man anfangen kann – und ich glaube, da steckt viel drin.
Die Fragen stellte Ted Niasseri.