Kristi Noem war schon immer eine inkompetente Narzisstin. Niemanden hat’s gestört
Kristi Noem brachte als Gouverneurin von South Dakota eine lange Geschichte aus Skandalen und Versagen mit – Trump hat sie trotzdem zur DHS-Chefin gemacht.
Vor etwa sechs Wochen saß ich auf dem Beifahrersitz eines Autos, dessen Fahrer in Shakopee, Minnesota, ICE-Aktivitäten beobachtete. Shakopee stand unter Belagerung, während Agenten von Kristi Noems Department of Homeland Security Schulmädchen und Lieferanten nach Belieben anhielten – und dabei behaupteten, sie gingen gegen die „Schlimmsten der Schlimmsten“ unter den undokumentierten Einwanderern vor.
Offenbar brachte uns unsere Beobachtung einen ICE-Mann auf die Palme, der seinen SUV wendete und direkt auf uns zufuhr, bevor er ausscherte und mit vielleicht fünfzehn Zentimetern Abstand neben uns zum Stehen kam.
Der Agent fluchte und schrie, wir hätten kein Recht, ihn zu beschatten. (Falsch.) Wir fuhren weg. ICE folgte uns meilenweit auf den Fersen, bis der Fahrer den Notruf 911 um Hilfe anrief. Erst als wir auf den Parkplatz des Shakopee Police Department einbogen, war es vorbei. Und ich musste an Nick Tilsen denken.
Noem und die Pandemie
Vor fünf Jahren war ich in South Dakota und berichtete über die damalige Gouverneurin Kristi Noem und ihre Reaktion auf die Covid-Krise. Noem betrachtete die Pandemie weniger als Gesundheitsnotstand denn als politische Chance. In Rapid City hatten Indoor-Wasserparks geöffnet, und in einer Bar in Deadwood konnte man neben einem 135-Kilo-Mann sitzen, ohne dass das irgendjemandem aufgefallen wäre.
Noems politische Philosophie lautete im Wesentlichen: „Scheiß auf die Kritiker.“ Sie verhöhnte Masken, erklärte den Staat für geöffnet und drehte ein Video, in dem sie einen Fasan abschoss und dabei verkündete: „Weniger Covid, mehr Jagd.“
Donald Trump liebte es. Im Sommer 2020 empfing Noem den Präsidenten am Mount Rushmore zu einem Feuerwerk zum Unabhängigkeitstag, bei dem sie ihm eine Büste überreichte – die Präsidenten am Rushmore neu interpretiert, diesmal mit Trump.
Tilsen und der Protest
Trumps Besuch gefiel Tilsen gar nicht – einem Bürger der Oglala-Lakota-Nation und Native-American-Aktivisten. (Noems autoritäre Politik führte schließlich dazu, dass ihr der Zutritt zu den Gebieten aller sieben Reservate in South Dakota verboten wurde.)
„Es war kurz nach George Floyd“, erzählte mir Tilsen. „Wir stecken mitten in einer Pandemie, in der indigene, schwarze und braune Menschen überproportional sterben. Und dieser Präsident und diese Gouverneurin wollen in diesem ganzen Schlamassel ins Herz der Black Hills kommen – an einen Ort mit einer tiefen Geschichte voller Ungerechtigkeit und Rassismus – um Bullshit zu verbreiten.“
Tilsen und andere Aktivisten organisierten einen friedlichen Protest. Er informierte die Polizei vorab über Ort und Zeit der geplanten Demonstration. Tilsen glaubte, man habe sich verständigt – doch am Morgen von Trumps Rede sah er, dass Noem die Nationalgarde aufgeboten hatte. Zunächst schaute die Garde nur zu, doch dann erklärte die Polizei die Versammlung von 200 Protestierenden für ungesetzlich. Da rückte die Garde vor. Das Chaos war perfekt.
Schilde als Waffen
„Die waren nicht mal ausgebildet“, sagte Tilsen zu mir. „Sie benutzten ihre Schilde nicht zum Schutz, sondern schlugen damit herum wie mit Waffen. Ich war noch nie bei einem Protest, bei dem sie tatsächlich mit Schilden schlagen.“
Im anschließenden Tumult griff Tilsen nach einem der Schilde, um zu verhindern, dass es seinen Kopf traf. Die Protestierenden zogen sich zurück, und Tilsen schrieb „Land Back“ auf den Schild. Danach wurde er verhaftet, dreieinhalb Tage festgehalten und mit vier Anklagepunkten wegen Verbrechen konfrontiert. (Die Anklagen wurden schließlich fallen gelassen.)
„Ich saß da und dachte: ‚Heilige Scheiße, die waren darauf vorbereitet’“, sagte Tilsen. „Das war Kristi Noem, die sagte: ‚Ich hab euch doch gesagt, dass ich den Mumm habe, die Nationalgarde auf diese Indianer loszuschicken.‘ Sie hatte es schon immer gewollt, und das war der richtige Moment.“
Muster einer Amtszeit
Schlecht ausgebildete Vollstrecker, die amerikanische Bürger terrorisieren. Schlagstöcke und Tränengas statt vernünftiger Politik. Kriechen und Bücken, um sich beim Präsidenten einzuschmeicheln.
Sagt euch das irgendwas?
Kristi Noems Vergangenheit war das Vorspiel. Die Leute wussten es. Und es hat niemanden interessiert.
Noems Rauswurf beim DHS
Kristi Noem wurde letzte Woche als Chefin des Department of Homeland Security gefeuert, nach zwei Anhörungen im Kongress, bei denen sogar Republikaner ihre Amtsführung verurteilten. Für mich war ihre DHS-Amtszeit wie das Zusehen bei einem schrecklichen Autounfall im Alptraum. Man weiß, dass der Fahrer betrunken ist. Man weiß, dass der Laster über die Mittellinie kommt. Und man weiß, was als Nächstes passiert – und kann trotzdem nicht ausweichen.
Fast jeder Fehltritt, jeder Skandal und jeder hirnrissige Moment in Noems Zeit an der Spitze von ICE hatte einen Vorläufer in ihren zwei Amtszeiten als Gouverneurin von South Dakota – und ich meine nicht nur die Ähnlichkeiten zwischen dem Nationalgarde-Angriff auf Protestierende am Rushmore und der ICE-Gewalt in Minnesota, die zwei Todesopfer forderte.
Ich meine buchstäblich jede einzelne Sache.
Lewandowski und die Vertrauten
Corey Lewandowski? War schon immer dabei. Die beiden – leider jeweils mit anderen verheiratet – lernten sich 2019 auf einem Angelausflug kennen, den der republikanische Spender Foster Friess ausrichtete, und bald tauchte Lewandowski bei Kabinettslunches auf, wo er Abteilungsleitern im bevölkerungsärmsten Bundesstaat der USA riet, mehr Auftritte im nationalen Fernsehen zu machen – für Noem. Ihr Stab bestand darauf, er habe keine formelle Rolle in ihrer Regierung – eine frühe Variante jener Konstruktion, bei der Lewandowski beim DHS als Noems rechte Hand mit einem Teilzeitvertrag für 90 Tage im Jahr fungierte.
Während ihrer Gouverneursjahre wurden Lewandowski und Noem an erstaunlich vielfältigen Orten zusammen gesichtet, darunter bei einer Spendenveranstaltung in Louisiana und in einem Vizsla-Zuchtbetrieb in Roscoe, South Dakota. (Für alle, die mitzählen: Vizslas 1, Cricket 0.) Das prophezeite eine gemeinsame Argentinienreise des Duos im vergangenen Jahr, bei der Noem schwärmte, zum ersten Mal ein arabisches Vollblut geritten zu sein – und jenen Moment in L.A., wo Lewandowski aus den Kulissen zusah, wie Bundesbeamte den US-Senator Alex Padilla zu Boden brachten, weil er Noem eine Frage über ICE-Razzien in der Stadt gestellt hatte.
Noems körperliche Verwandlung war bereits in vollem Gange, ihr Gesicht entwickelte sich von einem normalen menschlichen Antlitz zu, nun ja, etwas anderem. Als Gouverneurin deutete sie das spätere DHS-Kostümspiel voraus – man erinnere sich an ihren Besuch im salvadorianischen Gefängnis, ausgestattet mit weißem Hemd, Baseballcap und einer 50.000-Dollar-Rolex. Sie hatte sich zur ultimativen Badass-Cowgirl transformiert – das Elternhaus in Watertown war eher ein Bauernhof als eine Ranch – und ritt mit einer Hand an den Zügeln und der anderen eine riesige Amerikanfahne schwenkend in die Rodeo-Arena.
Die Werbeskandal-Kontinuität
Was Noem schließlich aus dem DHS katapultierte, war eine angebliche 220-Millionen-Dollar-Werbekampagne, in der sie für Grenzpolitik warb – auf einem Pferd durch die Ebenen und am Mount Rushmore, 700 Kilometer von Saskatchewan entfernt, der nächsten Grenze.
„Wer unsere Gesetze bricht, wird bestraft“, sagte Noem im Cowboyhut.
Die Spots waren zum Fremdschämen, aber die eigentliche Pointe war der Vorwurf, die nicht namentlich genannte politische Beratungsfirma, die die Produktion verantwortete, sei die Strategy Group gewesen – geleitet von Ben Yoho, dem Ehemann von DHS Assistant Secretary for Public Affairs Tricia McLaughlin.
Diese Mischung aus Imagepflege und Vetternwirtschaft gab es schon immer in Pierre, der Hauptstadt von South Dakota – und, ich übertreibe nicht, mit denselben Leuten. Noem gab 8,5 Millionen Dollar für eine Reihe von Werbespots aus, die sie mit Schutzhelm und als Pseudo-Schweißerin zeigten und theoretisch dazu gedacht waren, Unternehmen nach South Dakota zu locken, aber eher dazu dienten, ihr öffentliches Profil zu schärfen. Die Firma, die die Spots produzierte? Ja, Ben Yohos Strategy Group. (Yoho und McLaughlin waren damals noch nicht verheiratet.) Noem wurde vorgeworfen, den Ausschreibungsprozess manipuliert zu haben, um sicherzustellen, dass die Strategy Group den Zuschlag bekommt. Das Sahnehäubchen: Eine konkurrierende Firma warf der Strategy Group vor, ihre Kampagnenidee gestohlen zu haben.
Zähne, Flugzeuge, Tote
Dann war da noch Noems bizarres Video-Testimonial für Texas Smiles, eine Zahnarztpraxis, die ihr Gebiss etwas aufgepeppt hatte.
„Wenn die Leute mich ansehen, möchte ich, dass sie die Worte hören, die ich sage, und nicht durch etwas abgelenkt werden, das ich trage, oder durch mein Aussehen oder mein Erscheinungsbild“, sagte Noem ohne jede Ironie. „Ich möchte, dass sie sich auf meine Gedanken und Ideen konzentrieren und darauf, was wir tun können, um dieses Land wirklich besser zu machen.“
(Alle waren sich einig, dass ihre Zähne großartig aussahen.)
Auch übermäßige Flugausgaben gab es schon als Gouverneurin: Sie stellte der Regierung Reisen im staatlichen Flugzeug zu und von der Hochzeit ihrer Tochter und diversen politischen Veranstaltungen in Rechnung. Klar, es gab keine Hilton-würdige Schlafkabine wie in ihrer DHS-Maschine, obwohl der Jet angeblich für Abschiebetransporte gedacht war – aber Exzesse müssen irgendwo anfangen. Heute fliegt man mit einer Turboprop nach Watertown, morgen feuert man einen Militärpiloten, weil er die Decke vergessen hat.
Diesen Winter wurden Renee Good und Alex Pretti in Minneapolis von ICE-Agenten erschossen. Noem stempelte sie umgehend als inländische Terroristen ab. (Eine Einschätzung, von der sie sich auch in ihren jüngsten desaströsen Kongress-Anhörungen nicht abbringen ließ.) Auch das war leider vorhersehbar, wenn man sich an Noems Politik in South Dakota erinnerte.
Das Gesetz gegen Proteste
2019 brachte Noem ein Gesetz gegen Aufruhr ein, das es zur Straftat machen sollte, einen Protestierenden in irgendeiner Weise zu unterstützen oder zu begünstigen. Das Gesetz zielte eindeutig auf Native Americans und andere ab, die gegen die geplante Keystone-Pipeline protestierten, die während Trumps erster Amtszeit wiederbelebt worden war. Noem wollte die Schlagzeilen vermeiden, die 2016 die Nation aufgewühlt hatten, als es auf der Standing-Rock-Reservation, die sich über South Dakota und North Dakota erstreckt, zu Protesten gegen die Pipeline kam.
„Bei ihr dreht sich alles darum, uns zum Schweigen zu bringen“, sagte mir Nick Tilsen. „Sie wäre froh, wenn wir nicht wählen würden, nicht reden würden.“
Oder atmen.
Vorhersehbares Scheitern
ICH WÜRDE BEHAUPTEN, DASS DAS SCHEITERN KEINES AMERIKANISCHEN Amtsträgers der jüngeren Zeit so vorgezeichnet war wie Noems Absturz letzte Woche in einer Schwefelwolke aus Grausamkeit, Maßlosigkeit und Inkompetenz. Ich habe darüber geschrieben. Viele großartige Journalisten in South Dakota, allen voran Tom Lawrence beim „South Dakota Standard“, haben darüber geschrieben. Die Alarmglocken haben immer wieder geläutet.
Und niemanden hat’s einen Scheiß gekümmert.
Auch das war leider ein Vorgeschmack auf das, was kommen würde. Ich sprach 2020 mit dem ehemaligen republikanischen Strategen Tim Miller. Ich fragte mich, warum in Trumps Umfeld niemand besorgt darüber war, dass South Dakota während der Pandemie zu den zehn Bundesstaaten mit den meisten Todesfällen pro Kopf gehörte – größtenteils wegen Noems Laissez-faire-Politik, einschließlich der Entscheidung, das jährliche Sturgis-Motorradtreffen ohne jegliche Einschränkungen stattfinden zu lassen, was zu einem Superspreader-Desaster führte.
„Schauen Sie“, sagte Miller zu mir, „sie hatte eine der schlechtesten Reaktionen auf das Coronavirus auf der ganzen Welt. Und sie trägt das wie ein Ehrenzeichen! Der MAGA-Mob schert sich einen Dreck darum. Solange Noem die richtigen Leute wütend macht, sind die zufrieden – die interessieren sich nicht für Versagen. Sie hat den MAGA-Look.“
Nicht mehr.