Kurt Cobain: War es doch kein Suizid?
Forensische Unstimmigkeiten im Fall Kurt Cobain: Forscher legen detaillierte Analyse vor. King County hält an Suizid-These fest. Die Fakten im Überblick.
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Tod von Kurt Cobain sorgt eine neue, unabhängige Analyse für erneute Diskussionen über die Umstände seines Ablebens. Der Nirvana-Frontmann wurde am 5. April 1994 im Alter von 27 Jahren in einem Anbau über seiner Garage in Seattle tot aufgefunden. Die Behörden stuften seinen Tod als Suizid durch einen selbst zugefügten Schuss aus einer Remington Model 11, Kaliber 20, ein.
Laut Berichten aus England, etwa in der Londoner Boulevardzeitung „Daily Mail“, stellt eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung diese offizielle Einschätzung infrage.
Die beteiligten Forscher argumentieren, mehrere Details aus Autopsie-Bericht und Tatort-Dokumentation seien nicht mit einem klassischen Suizidszenario vereinbar. Genannt werden unter anderem Quittungen für Waffe und Munition in Cobains Hosentasche, die Anordnung der Patronenhülse, die Position seiner Hand an der Waffe sowie ein vergleichsweise „aufgeräumter“ Tatort. Üblicherweise seien suizidale Fundorte in einem chaotischen Zustand, so einer der Forscher.
Auch medizinische Befunde wie Flüssigkeit in der Lunge, Einblutungen in den Augen und Organveränderungen werden als Hinweise interpretiert, die eher auf eine Heroin-Überdosis mit Sauerstoffmangel als auf einen sofort tödlichen Kopfschuss hindeuten könnten.
Darüber hinaus zweifeln die Autoren der Analyse an der technischen Plausibilität des Schussverlaufs und der Auswurf-Mechanik der Schrotflinte.
Sie verweisen auf Unstimmigkeiten beim Abschiedsbrief: Die letzten vier Zeilen unterschieden sich optisch und stilistisch vom restlichen Text. Aus diesen Punkten leiten sie die Hypothese ab, Cobains Tod könne anders verlaufen sein als offiziell dargestellt.
Die zuständigen Behörden im King County halten an der ursprünglichen Einstufung als Suizid fest. Man habe 1994 eine vollständige Autopsie durchgeführt und sehe bislang keine neuen Belege, die eine Wiederaufnahme des Falls rechtfertigten. Auch eine erneute Prüfung durch die Polizei von Seattle im Jahr 2014 bestätigte die damalige Einschätzung.
Verschwörungstheorien seit den 1990er-Jahren
Zweifel und Verschwörungstheorien rund um Cobains Tod kursieren bereits seit den 1990er-Jahren. Neben Thesen zur Echtheit oder Vollständigkeit des Abschiedsbriefs stehen forensische Detailfragen im Zentrum alternativer Narrative. In Fan-Kreisen und verschwörungstheoretischen Milieus wurden unbelegte Vorwürfe gegen Personen aus Cobains unmittelbarem Umfeld laut, insbesondere gegen seine Ehefrau Courtney Love.
Belastbare Beweise für ein Fremdverschulden wurden nie vorgelegt. Offizielle Stellen sehen bis heute keinen Anlass, die Suizid-These zu revidieren.
Der Fall Cobain bleibt ein Dauerbrenner der Rock-Historie – zwischen dokumentierter Tragödie, anhaltender Mythenbildung und der Frage, wie sich popkulturelles Gruseln und Verschwörungserzählungen gegenseitig verstärken.