Muriel Baumeister: Offen über Sucht, Entzug und Neustart

Zehn Gin Tonic ohne Wirkung, Filmrisse, Alkohol am Morgen: Muriel Baumeister schildert schonungslos, wie tief ihre Sucht ging – und warum sie heute nüchtern ist.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Mit ihren 54 Jahren kann Muriel Baumeister auf eine bewegte Karriere zurückblicken. In einem aktuellen Gespräch mit der Münchner Illustrierten „Bunte“ thematisiert die deutsch-österreichische Schauspielerin ihre frühere Alkoholsucht. Sie spricht dabei auch über ein Showbiz-Leben, das früh im Rampenlicht begann und später einige harte Brüche erlebte.

Seit fast zehn Jahren trocken

Seit fast zehn Jahren gilt Baumeister als trocken. Der Weg aus dem Suff war allerdings lang. 2017 begab sie sich in der Berliner Charité zu einem letzten, kalten Entzug – ein radikaler Schritt, den sie vor allem ihren drei Kindern zuliebe ging.

Der Alkohol gehörte damals längst zu ihrem Alltag. Rückblickend beschreibt sie ihren Konsum als etwas, das lange „normal“ wirkte – bis es drastisch zu viel wurde. „Ich habe mein Leben lang getrunken“, so Baumeister heute. Besonders alarmierend sei für sie der Moment gewesen, als sie anfing, allein zu trinken und unruhig wurde, wenn kein Stoff mehr im Haus war.

Filmrisse und Kontrollverlust

„Meine Kinder mussten mir Dinge zigmal erzählen, weil ich wegen des Alkohols am nächsten Tag alles vergessen hatte.“ Ihr Umfeld berichtet ebenfalls von Filmrissen, verbunden mit ungezählten Knöllchen im Straßenverkehr.

Die Schauspielerin erinnert sich auch an Situationen, in denen sie bemerkte, wie sehr sich der Dauerkonsum verselbstständigt hatte. Einmal habe sie mit Freunden zehn Gin Tonic getrunken, „ohne nennenswerte Auswirkungen“. Für viele Menschen kaum vorstellbar – für sie Teil eines Lebensstils.

Die gesundheitlichen Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Baumeister litt unter einer dauerhaften Magenschleimhautentzündung. „Jeden Morgen habe ich mich übergeben – und danach trotzdem wieder Alkohol, meistens Weißwein, getrunken“, erzählt sie heute.

Der Wendepunkt

Ein einzelnes Ereignis habe ihre Sucht nicht ausgelöst, sagt sie. Doch belastende Phasen hätten sie verstärkt. Besonders nach der Geburt ihrer dritten Tochter verschärfte eine pränatale Depression die Situation. Der endgültige Wendepunkt kam nach einer Alkoholfahrt im Oktober 2016. „Ich hatte die Kontrolle verloren“, so Baumeister. Erst beim dritten Entzugsversuch schaffte sie den dauerhaften Absprung.

Karriere im Rampenlicht

Dass solche Lebensläufe im Showgeschäft keine Seltenheit sind, zeigt ein Blick auf Baumeisters Karrierebeginn. Sie stand bereits mit 16 Jahren vor der Kamera und gehörte mit ihren ikonischen, bernsteinfarbigen Augen bald zu den gefragten Gesichtern im deutschen Fernsehen.

Ein früher Start im Rampenlicht bringt vielen Schauspielerinnen und Musikerinnen Aufmerksamkeit, aber auch enormen Druck. Zwischen Drehs, Erwartungen und einem Leben in der Öffentlichkeit verschwimmen oft die Grenzen zwischen Arbeit, Feierabend und Selbstfürsorge.

Baumeister wurde durch Filme wie „Knockin‘ on Heaven’s Door“ sowie Serienproduktionen wie „Sturmzeit“, „Der Besuch der alten Dame“ oder „Das Traumschiff“ bekannt.

Brustkrebs und Neuanfang

Auch gesundheitlich musste sie zuletzt kämpfen: 2022 erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Nach Chemotherapie und Strahlentherapie geht es ihr wieder deutlich besser. Zuletzt arbeitete sie für die TV-Serie „Die Spreewaldklinik“.

Baumeister bezeichnet sich als bekennende Single-Frau und sucht derzeit bewusst keinen neuen Partner. Ihre Erfahrungen mit Sucht und Krankheit hat sie in ihrem Buch „Hinfallen ist keine Schande, nur Liegenbleiben“ verarbeitet.

Ganz abgeschlossen ist das Thema Alkohol für sie allerdings nicht. „Es gibt jeden Tag einen Moment, wo es kippen könnte“, sagt sie. Eine ehrliche Einsicht – und zugleich eine Erinnerung daran, dass hinter vielen Showbusiness-Karrieren Geschichten stehen, die weit weniger glamourös sind als das, was das Publikum sieht.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.