Comic-Blog (4)

Neunte Kunst: Warum Sie am 13. Mai unbedingt in einen Comic-Laden sollten

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Neunte Kunst: Warum Sie am 13. Mai unbedingt in einen Comic-Laden sollten

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Comic-Läden sind geheimnisvolle Orte. Sie befinden sich in Seitenstraßen, in Kellergeschäften, manchmal sogar auf Plätzen, wo man sie nie vermuten würde. Betritt man diese Buden, an dessen Theke meist ein reichlich desinteressierter, mitunter griesgrämig schauender Verkäufer mit irgendetwas Wichtigem beschäftigt ist, dann findet man sich in einem Paralleluniversum wieder.

Hier riecht es nach etwas, das kein Raumspray der Welt vertreiben könnte. Doch es ist nicht der Duft der unzähligen Comicheftchen, die hier wie in einem Museum penibel geordnet und anschaulich präsentiert herumliegen. Manche davon sind ja sogar in durchsichtige Plastikhüllen gepackt – und mit exotischen Preisen versehen. Kenner halten sie minutenlang in der Hand und stapfen dann seufzend zur Kasse – wohlwissend, ein Vermögen für etwas auszugeben, das sowieso kaum ausgepackt wird (fettige Hände, säurehaltige Luft – all das mindert den Wert des Produkts genauso empfindlich wie den eines frischgekauften Porsches, der zur ersten Spritztour ausgeführt wird).

Der „Comic Book Guy“ bei den „Simpsons“ ist die wohl schönste Hommage auf den manchmal recht eigenwilligen Verkäufer von ComicsAnfänger schauen sich das Magazin aus der Entfernung an – und schütteln ob des astronomischen Verkaufspreises heftig den Kopf. Sie finden in einer anderen Ecke, was sie begehren und lernen schnell, dass der Geruch, dem sie begegnen, jener von Papier, Plastik (Merchandising!) und einem für Außenstehende kaum nachvollziehbaren Faszinationsschweiß ist.

Kostenlose Comics für alle

Der Gratis Comic Tag, den es schon seit 2010 gibt, will diese grundverschiedenen Kundengruppen, den Comic-Afficionados, den Superheldencomic-Verschlingern, den „Tim und Struppi“ und „Asterix“-Anhängern, den Manga-Käufern und den mitunter anspruchsvollen Lesern von Graphic Novels an einem Tag im Jahr gemeinsam in die Comic-Läden locken. Der Hintergrund der Marketing-Aktion ist nicht ganz so fröhlich: So richtig gut geht es den Comic-Verlagen nicht. Zwar ist das Angebot so groß wie nie zuvor (man denke nur einmal an das Superhelden-Portfolio von Panini; vor nicht einmal 15 Jahren verbrannte sich der Dino-Verlag schon daran, Spezialausgaben zu Wonder Woman und Green Lantern auf den Markt zu werfen), doch manche Erwartungen an den Markt haben sich doch als heiße Luftblasen erwiesen.

Ausgerechnet die Graphic Novel ist längst zum Ladenhüter geworden. Auch wenn man den Erfolg einzelner Werke nicht mit der ökonomischen Gesamtentwicklung über einen Kamm scheren kann, so spricht es doch Bände, dass viele Verlage ihr Programm für dieses Spezialprodukt der Comic-Erzählung, von Frans Masereel, Gil Kane und Will Eisner begründet, von Alan Moore, Neil Gaiman und David Mazzucchelli in neue ästhetische Höhen überführt, beschneiden oder ganz einstampfen. Auch die Comic-Läden kämpfen ums Überleben, nicht zuletzt wegen des grassierenden Online-Handels.

Auch aus diesem Grund gibt es am 13. Mai, am „Gratis Comic Tag“, unzählige kostenlose Heftchen, die entweder gleich ganze Geschichten präsentieren oder einen sehr umfangreichen Einblick in einige Veröffentlichungen dieser Tage gewähren. In Zahlen ausgedrückt, liest sich dies durchaus beeindruckend: 2017 werden 400.000 Comics für lau unters Volks gebracht – und das bei über 300 Buchhandlungen, Comicshops und anderen Locations in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Einer der Höhepunkte dürften dabei vor allem die „Paper Girls“ (Cross Cult) sein. Kurz zusammengefasst treffen hier äußerst selbstbewusste Mädchen auf Zombies und allerhand andere Monster. Das alles spielt in den 80ern und erinnert in der Erzählhaltung an eine TV-Serie und vor allem „Stranger Things“.

Daniel Düsentrieb, Sherlock und Ralf König

Ehapa feiert zwar in diesem Jahr vor allem das 50. Jubiläum seines gegen jede Print-Krise gewappneten Lustigen Taschenbuchs, doch 2017 steht auch der 65. Geburtstag von Daniel Düsentrieb an, der mit einer kleinen Comic-Sammlung gefeiert wird. Auch der Carlsen-Verlag darf Champus-Flaschen köpfen, der Comic-Verlag wird in diesem Jahr 50 Jahre jung. Knapp zehn Jahre älter sind die von dem Haus verlegten „Gaston“-Comics von André Franquin. Eine kleine Compilation gibt es in den Comicläden gratis (sowie zur Zeit gleich zwei Bände zum Preis von einem im Bahnhofshandel).

Zu den großen Namen, die beim „Gratis Comic Tag“ vertreten sein werden, gehört auch Ralf König, der mit „Der bewegte Mann“ im kollektiven Gedächtnis der Deutschen längst verankert sein dürfte – aber sich trotz des Erfolges seinen subversiven Strich bewahrt hat. Einen Auszug gibt es aus „Herbst in der Hose“. Tenor des Werks: Männer werden eben älter, sogar schwule.

Superhelden-Fans werden sich über vollständige Storys von „Spiderman“, „Predator vs. Judge Dredd vs. Aliens“ oder „Wonder Woman“ freuen. Cineasten kriegen dafür Comic-Fassungen von „Doctor Who“, „Sherlock“ und „James Bond“ geboten. Crossmedialität bleibt eben ein großes Thema, und Comics liefern hier oft mitreißend, was im Prosa-Bereich nur allzu blass bleibt. Neben all diesen kleinen Bänden gibt es auch kluge Independent- und freche Pulp-Unterhaltung aus Deutschland, Kindercomics, Krimis und allerlei Phantastisches. Bei vielen Händlern wird es auch Signierstunden, Lesungen und weitere Events geben.

ROLLING STONE beteiligt sich am „Gratis Comic Tag“ und verlost ein fettes, exklusives Comic-Paket mit allen Highlights und einigen nagelneuen Comicbänden. Wer gewinnen will, muss nur das Formular ausfüllen und folgende Frage beantworten: Wer zeichnete den neuen Lucky-Luke-Band „Das gelobte Land“? (Tipp: Eine Antwort finden Sie hier!)

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