Noel Gallagher: Darum ist eine Band wie Oasis heute nicht mehr möglich


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Kämpferische Töne vom Lautsprecher der britischen Musikszene. Noel Gallagher sagte in einem Interview mit der Londoner Tageszeitung „Daily Mirror“ mit Blick auf den heutigen Nachwuchs: Die aktuelle Rockmusik sei viel „zu sehr Mittelklasse“ geworden. Working Class Kids dagegen könnten es sich gar nicht mehr leisten, eine Band zu starten, so Gallagher. Der Aufstieg einer Band wie Oasis wäre heute nicht mehr denkbar.

Noch Anfang der 1990er wäre es für die Gallagher-Zwillinge möglich gewesen, sich aus dem Malocher-Vorort Burnage bei Manchester hoch zu arbeiten. 30 Jahre gäbe es diese Chance nicht mehr. Gallaghers kulturpessimistische Sichtweise deckt sich durchaus mit Stimmen aus dem akademischen Bereich, etwa von „Pop Professor“ Robert Loss oder „Guardian“-Kritiker Dorian Lynskey, die schon länger einen Wandel in der Herkunft von Popmusikern und -Musikerinnen konstatieren.

Für Gallagher treffen dabei verlorene Sozialstrukturen auf ein ungutes Posertum: „Arbeiterkinder können sich das heute nicht mehr leisten, weil Gitarren teuer sind und es keine Proberäume mehr gibt. Sie wurden alle in Weinbars oder Lofts umgewandelt.“ Dafür würde es inzwischen eine Menge Mittelklasse-Band geben, deren Mitglieder ihre Gitarren in der Gegend herumtragen, anstatt sie zu spielen. Für Jungs aus den Council Blocks sei so etwas unbezahlbar.

Seine Kernfrage „Wo sind heute die 14-Jährigen in Bands?“ lässt sich jedoch auch dahingehend beantworten, dass das Format Rockband im Hinblick auf Schlafzimmer-Produktionen im Bereich Elektronik und HipHop (Stichwort: Grime) eben nicht mehr der amtliche Teenager-Traum ist, wie noch Anfang der 1990er. Gerade Unterschichts-Kids suchen sich heute andere Ausdrucksmittel jenseits des traditionellen (Gitarrenrock-)Modells.

Der (Spät-)Karriere der 2009 zerbrochenen eigenen Band scheint davon nicht tangiert. Sein Bruder Liam würde weiterhin die alten Songs in seinen Shows weiterhin spielen. „Oasis hat im Jahr 2021 480.000 Alben verkauft“, berichtet er. „Das ist eigentlich unglaublich, weil es ja immer heißt, niemand kauft mehr Alben. Doch Liam hält die Flamme am Leben.“